Nachdem wir ja bereits im Jahr 2018 am südlichsten Ende der Welt in Argentinien, Südamerika waren, haben wir es nun auch ans Ende der Welt in Europa, Spanien geschafft – so zumindest Benis aktuelle Definition des Ortes Fisterra, welchen wir heute besuchen. Offiziell hatte der Ort zuletzt im Mittelalter diesen Titel inne, denn er galt vor der Entdeckung Amerikas, durch Stöffu Kolumbus, effektiv als das Ende der Welt.
Der Jakobsweg endet entweder in Santiago de Compostela oder eben für viele auch erst hier in Fisterra, darüber ist man sich anscheinend nicht so ganz einig. Wobei die offizielle Erklärung lautet, dass das Ende beim Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela ist und der Weg nach Fisterra einfach eine Fortsetzung des Weges ist. Na gut, es gibt ja auch viele verschiedene Jakobswege und daher wohl auch viele Anfangs- und mögliche Endpunkte.
Cabo Fisterra
Nun denn, wir jedenfalls haben das Kunststück auch vollzogen und haben ein Ende des Pilgerweges am Kap von Fisterra erreicht, ohne jemals den Pilgerweg zu betreten. Wobei auch das nicht ganz korrekt ist, denn auf dem ViaJacobi in der Schweiz waren wir in der Tat auch schon unterwegs, der verläuft nämlich teilweise am Thunersee entlang. So jetzt aber Ende der Geschichtsstunde oder des Religionsunterrichts – nicht das wir in diesen Themen auch nur den Hauch einer Ahnung hätten. Uns interessiert eher, ob es schön ist an den Orten, die wir besuchen.
Hier sind wir nun. Die Entscheidung, ob wir nach Cabo Fisterra oder nach Santiago de Compostela fahren hat übrigens schlichtweg die Wettervorhersage entschieden. Hier sollen wir die Chance auf einen Hauch Sonne haben. Dieses Mal hat Joli das Frühstück schön eingepackt im Rucksack – vielleicht können wir ja picknicken vorne beim Leuchtturm.
Dieser Plan wird schon nach wenigen Schritten vom Winde verweht. Es regnet zwar (noch) nicht aber es «chuttet wie Sau» und kurz vor dem Leuchtturm fängt es tatsächlich an zu regnen. Ja also damit hätte jetzt wirklich niemand gerechnet, oder? Zum Glück ist es nur ein kurzer Begrüssungsschauer, der Joli’s Kamera einmal mehr in den Rucksack verbannt. Also bis jetzt haben die drei Kameras im Gepäck noch keine Daseinsberechtigung – aber «wes geng schiffet, was wosch de…?!».
Wir laufen bis ganz nach hinten und Joli meint noch: «Guck da hat jemand seinen Schuh vergessen oder einfach hingestellt nach der Wanderung». Die Antenne mit den angeblich vielen liegengelassenen Gegenständen von Wanderern, welche es hier scheinbar geben soll, sehen wir jedoch nirgends. Aber wir wollen hier auch nicht, wie so viele Pilger unsere Schuhe an einen Nagel hängen, sondern gönnen uns lieber einen lecker Cappuccino in der Leuchtturm-Bar.
Einmal rund um das Restaurant herum gelaufen entdecken wir auch die Info, dass der Schuh, den wir gesehen haben, das Ende des Weges markieren soll. Bei dem Wetter hat man also wirklich nicht erkannt, dass es kein echter Schuh war – hoppla.
Wir krakseln noch auf einen Aussichtspunkt hinauf wo wir den Leuchtturm und das Kap von weitem bestaunen können. An einem vermeintlich windstillen Ort (sah optisch zumindest so aus) gönnen wir uns dann endlich unser Frühstück. Jetzt halt im schwankenden Camper – denn der Ort ist alles andere als windstill – «so ghuddlet hets no nie ir Betty inne!»
CABO TOURiñán
Das Wetter spielt heute von Weltuntergangsstimmung bis zu Himmelblau mit Sonnenschein alles durch. Wir fahren der Todesküste (Costa da Morte) entlang wieder nach Norden, wo wir einen offenen Campingplatz gefunden haben. Beni ruft immer wieder: «Schau das wilde und brachiale Meer! Huuuuui!». Ja der Wellengang, auf welchen wir zwischendurch einen Blick erhaschen, lässt durchaus Rückschlüsse auf den Namen der Küste zu.
Jetzt wollen wir aber noch das richtige westliche Ende Europas (respektive genau genommen der Mitteleuropäischen Zeitzone) erkunden, den Cabo Touriñán. Dieser liegt nämlich weiter westlich als das bekanntere Cabo Fisterra und dort sind wir auch mutterseelen alleine und spazieren gemütlich etwas der Küste entlang, um die schöne, wilde Natur und endlich ein paar Sonnenstrahlen zu geniessen. Wobei Beni an der ein oder anderen Stelle einen Zahn zulegt, denn der Wind bläst nämlich die Gischt bis weit nach oben. Auf dem Rückweg haben wir dann plötzlich beträchtlichen Gegenverkehr auf der kleinen Strasse.
Auf unserem Weg hierhin und auch weiter Richtung Campingplatz sind uns immer wieder die kleinen Steinhäuschen auf Steintürmchen aufgefallen und wir sind schon mit viel Fantasie am Erraten, was es sein könnte. Beni meint; Vorrats- resp. Essensspeicher. Joli findet: es könnten auch kleine Gebetsorte oder gar Gräber sein, schliesslich sind Kreuze drauf. Nach einer kurzen Recherche wissen wir, dass dies Getreidespeicher, sogenannte Hórreos, sind. 1 zu 0 für Beni.
Auf unserem Campingplatz sind wir dann die einzigen Gäste und weil wir Schweizer sind und der Besitzer lange bei seinem Bruder in Tramelan auf dem Campingplatz gearbeitet hat, kommt doch noch ein angeregtes Gespräch in Gange. Als es um die Bezahlung geht, mein der ältere Herr «Vergiss es, du bist Schweizerin, du zahlst nichts». Das ist aber sehr nett, vielen Dank. Er erwähnt dann noch nebenbei, dass er aber zuerst noch prüfen müsse, ob es bereits heisses Wasser zum Duschen hat, hihi ach sooo… Aber das hat jedenfalls herrlich geklappt. Der Privatstrand hat, sagen wir mal Potenzial, um mit etwas Pflege im Sommer zu glänzen. Der ganze Camping wirkt zu dieser Jahreszeit wild, aber aktuell ist halt auch noch keine Saison und alles im Wiederaufbau und in der Pflege. Der Duft der Eukalyptusbäume ist auf jeden Fall einfach herrlich. Uuuund wir sehen sogar fast den Sonnenuntergang, welcher zwischen den vielen kurzen Regen- und sogar Graupelschauern «hurti füräglüüslät».
Als wir am nächsten Morgen abreisen, schenken wir dem alten Herrn zum Dank noch von unseren, von zu Hause mitgebrachten, Ragusa Schöggeli. Er gestikuliert wild Richtung Haus und schon kommt sein Bruder aus der Schweiz (der gerade hier Ferien macht und entsprechend hier weiter arbeitet) angetrottet und stellt sich vor. Während die beiden schmatzend die Ragusas verdrücken erfahren wir noch einiges über die Todesküste – die vielen knapp unter der Oberfläche, aber eben noch weit aussen liegenden Felsen haben viele Schiffe in den Untergang getrieben oder in die Hände von Piraten (Vikinger), die das Gebiet gut kannten und so die Schiffe entern konnten – und über ihre Familiengeschichte erfahren. Offenbar entstammt die Grossmutter einem bekannten französischen Geschlecht, hat sich dann mit einem zu den Napoleon Kriegen (war das nicht viel früher?!) geflüchteten Portugiesen zusammengetan und nun leben die vier Brüder teilweise in Spanien und in der Schweiz und sind stolz das sie dank ihres Vaters aus der Umgebung auch noch keltische Wurzeln haben, denn offenbar haben dies hier einige Menschen an dieser wilden Küste. Uff und das allen frühmorgens auf Spanisch UND Französisch. Aber der Campingplatz in der Schweiz ist auf jeden Fall notiert.






























































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