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Halbinsel Cotentin

AU REVOIR FRANCE?

Wir sind unserer Zeit einen Tag voraus und überlegen, ob wir unsere Fähre kostenlos von Dienstag auf Montag umbuchen. Als wir jedoch feststellen, dass es doch nicht so kostenlos ist, da unsere Kabinen Kategorie ausgebucht ist, lassen wir es sein. Für die nächste Nacht beziehen wir aber erstmal Quartier auf einem Campingplatz in der Nähe Cherbourg, von wo unsere Fähre fährt. Auf dem Weg dahin machen wir einen Zwischenstopp in Lassey, um unsere Wäsche zu waschen. Da Beni auf dem Campingplatz dann das Pech hat eine Kaltwasserdusche zu erwischen und am nächsten Tag so dichter Nebel ist, dass man von der Düne direkt vor dem Campingplatz den Strand sowieso kaum erkennen kann (zumal Joli natürlich schon bei der Ankunft kurz raufgewatschelt ist zum Glupschen), ziehen wir weiter. Joli hat etwas Spezielles entdeckt.

MAISON DU BISCUIT

Am Samstag beantragen wir als erstes unser UK ESTA für die Einreise nach Grossbritannien. Innert Minuten erhalten wir die Bestätigung das wir Willkommen sind. Juhuuuuu!

 

Gegen Mittag besuchen wir dann das hiesige, sehr bekannte Maison de Biscuit – «Güetzihaus». Es besteht aus mehreren kleinen Häusern, welche miteinander verbunden sind. Schon von Aussen ist das Ganze sehr kuhl anzusehen. Aber im Inneren finden wir dann ein Paradies für Feinschmecker - also solche wie uns.

 

Hier findet man allerlei Leckereien von Salz, Senf, Terrine, Alkohol, Tee, Konfitüren und natürlich Biscuits. Die Biscuits sind gleich am Eingang an der Kasse zum Probieren aufgestellt und wir schleichen uns tatsächlich mehrere Male daran vorbei und greifen zu, bis wir sie alle probiert haben. Man will ja schliesslich nicht die Katze im Sack kaufen und gefrühstückt haben wir heute auch noch nichts, passt ja perfekt. Einzig für eine heisse Schokolade und einen Cappuccino reicht es im hauseigenen Teehaus noch, bevor dieses um 12:30 schliesst. Immerhin gibt es dort schon je drei Güetzi zum Probieren. Also die Biscuits sind alle ziemlich lecker, schwierig so eine Auswahl zu treffen. Aber bei den gemischten Packungen entsprechen uns nicht alle und die kleinsten Einzelpackungen sind dann doch 200 Gramm pro Sorte. Wir decken uns jedenfalls mit drei verschiedenen Sorten und zwei, drei weiteren Spezialitäten ein und bestaunen immer noch den liebevoll, bis ins Detail gestalteten Laden. Es ist im Grunde ein ähnliches Konzept wie bei Kambly in Trubschachen. Nur ist es hier ist um einiges kleiner, dafür wurde der Charme aus der Vergangenheit bewahrt.

Château des Ravalet

Nachmittags besuchen wir ein kleines Schloss, respektive dessen Garten, da dass Schloss nicht zugänglich ist. Der Garten ist eher ein grosser Park und ist wirklich sehr schön gepflegt. Hier blühen bereits die ersten Blumen und der kurze, etwa 30 Minuten, Spaziergang an der frischen Luft tut uns gut.

BARFLEUR UND DER HINTERHALT

Wir übernachten auf einem Campingplatz in Barfleur. Ab und zu gönnen wir uns den Luxus einer langen Dusche mit viel Wasser gegenüber einer Wasser sparenden und schnellen Dusche zu Hause. Wir haben sogar einen Platz mit Meersicht. Theoretisch. Praktisch ist der Nebel wieder so dicht, das man das Meer nicht sieht. Am nächsten Morgen folgt dann der von Joli geschickt eingefädelte Hinterhalt bezüglich ihres Futterplans. Eigentlich wurde von Joli zuerst Omelette zum Frühstück gewünscht, dann aber wieder verworfen. Es ist auch schon 11Uhr. Da das Fischerdorf Barfleur (wieder einmal) eines der schönsten in Frankreich sein soll, wird Beni auf einen Spaziergang ins Dorf gelockt, Dauer ca. 10 Minuten, Besichtigung Dorf ca. weitere 10 Minuten.

 

Der Wanderweg verläuft übrigens offiziell oben auf der Mauer und am Hafen angekommen, sehen wir auch noch eine Tafel, die belegen will, dass der Normanne Wilhelm der Eroberer von hier seine Invasion auf Britannien gestartet hat.

 

Ahaaaaaa, es gibt auch Restaurants hier, welch Überraschung und es ist fast Mittag, also Essenszeit, dann Essen wir doch gleich auswärts zu Mittag frohlockt Joli, während Beni erst jetzt den gemeinen Hinterhalt bemerkt - zu spät. Wir essen die in Cancale verpassten Austern zur Vorspeise und als Hauptgang einmal Lachs mit Reis und ein gratinierter Fischeintopf. Beides sehr lecker und alles in allem ein erfolgreicher Hinterhalt für beide.

 

 

Unser Hunger ist leider selten im Gleichschritt, was es nicht immer einfach macht. Joli hat eigentlich immer Hunger, ausser wenn sie gerade isst, dann geht es gerade so und Beni hat eigentlich nie Hunger und kann gut auch erst abends etwas essen oder auch gar nicht. Für beide nicht einfach.

 

Übrigens befinden wir uns immer wieder im Dilemma, dass wir nicht genau wissen, ob das Camper-Verbot-Schild uns denn wirklich auch betrifft. Denn zum Beispiel dürfen wir im Gegensatz zu Campern Strassen befahren, bei denen ein Verbot für Fahrzeuge von über 3.5 Tonnen besteht, da wir max. 3.5 Tonnen haben (dürfen). Und laut Fahrzeugausweis handelt es sich bei unserer Betty um einen leichten Motorwagen und bei der Karosserie um einen Wohnwagen (was falsch ist da dies per Definition (auch nach Überprüfung der Nummer) ein Anhänger wäre – was es definitiv nicht ist – «oje» noch ein Dilemma aufgedeckt…). Von der Grösse her sind wir nicht grösser als ein Kastenwagen, denn der Fiat Ducato wird als solcher verkauft, nur das unserer einfach danach noch umgebaut wurde durch Pössel. Zum Vergleich haben wir einmal ein Foto von Betty gemacht, wie sie zwischen ECHTEN Campern steht. Optisch im Vergleich zu anderen klar KEIN Camper, alleinstehend oder im Vergleich mit einem nicht umgebauten Kastenwagen, DOCH ein Camper. Wie es die Ordnungshüter sehen – keinen Plan! 

D-DAY - ETWAS GESCHICHTE

Wer den Stränden, mit den für Frankreich eher ungewöhnlichen Namen wie Utah Beach, Omaha Beach, Gold Beach, Juno Beach, Sword Beach entlang fährt, sieht auch überall Schilder mit der Aufschrift D-Day. Das ist der Tag an dem die alliierten Truppen (USA, Grossbritannien, Kanada) 1944 an den Stränden mit den obengenannten Codenamen in der Normandie landeten und eine zweite Front gegen das dritte Reich (Nazi-Staat) im Westen eröffneten. Dazu gibt es hier über 10 verschiedene Museen in Nähe der Strände, welche die Geschichten erzählen.

 

 

Es ist Sonntag und ein paar wenige Museen hätten sogar geöffnet. Wir aber haben keine Lust und so schauen wir uns ein paar der öffentlich, zugänglichen Gedenkstätten und Bunker sowie die Strände an. Auch hier gibt es Panzer, Statuen, Monumente und Landungsboote zu sehen. 

 

Übrigens kann Joli nicht verstehen, warum man in der heutigen Zeit immer einen Rahmen aufstellen muss, um auf ein Fotomotiv aufmerksam zu machen… Können die Leute denn ein Fotomotiv ohne diese vorgegebenen Rahmen nicht mehr erkennen? Offenbar nicht und wohl auch die, die die Rahmen aufstellen nicht unbedingt… Wir sind wohl langsam etwas «Old school»…

 

Ah, und noch was, Beni hat zwar seinen eigenen Hafen, aber Joli hat doch immerhin auch ein Tal und eine Strasse mit Ihrem Namen entdeckt – wenn auch nicht ganz so schön wie Beni's Hafen.

PORT DU CAP LÉVI

Übernachtet wird heute auf einem Parkplatz direkt am Meer bei einem kleinen Leuchtturm. Als wir gegen 16Uhr ankommen, ist der Parkplatz gut gefüllt, es ist Sonntag und hier vorne an der Küste scheint eine kleine Wanderautobahn zu sein. Auch wir spazieren noch eine Stunde der Küste entlang bevor wir uns im Camper verschanzen und den Abend zu Hause mit Sicht aufs Meer geniessen.

CHERBOURG

Die letzten beiden Tage in Frankreich verbringen wir in Cherbourg. Als erstes sitzen wir nach einem 10 minütigen Spaziergang wieder einmal in einem Restaurant und geniessen je einen Café Gourmand. Wir wollten eigentlich ein Pain au Chocolat aber am Montag ist die Stadt wie ausgestorben. Alles hat zu.

Café Gourmand ist ein Kaffee mit kleinen Desserts. Es ist so lala, da haben wir schon besseres gegessen in Frankreich und Beni ist etwas angemuddert weil er ein Kaffischnaps mit Schlagsahne erwartet hat.

 

Darauf schlendern wir etwas durch die Hafenstadt und es gib nicht wirklich etwas Sehenswertes zu erwähnen. Sie ist gross, ausgestorben, dreckig und stinkt. So viel im Vergleich zu den kleinen lieblichen Dörfern, die wir in der Bretagne und Normandie bisher entdeckt haben.

 

Bei einer berühmten Regenschirm Manufaktur schauen wir uns den kleinen Laden mit den horrenden Preisen der Schirme an. Ab mindestens 150 bis 450 Euro für einen Schirm ist man hier mit dabei. Die Schirme sind alle handgemacht, lassen sich individualisieren und halten Windstärken bis zu 150km/h und mehr stand. Grossartig der Schirm hält und du fliegst mit dem Schirm davon und machst einen auf Marry Poppins. Da wir nicht schon wieder auf dem ungemütlichen Parkplatz in unserer Betty sitzen wollen gibt es nachmittags eine Runde Bier und Spiel in einem Café am Hafen. Mittlerweile haben wir uns offenbar an die Preise gewöhnt, denn für zwei Halbe zahlen wir satte 18Euro.

 

Dienstag Abend geht es auf die Fähre. Mit unseren Lebensmitteln im Camper zaubern wir kurzerhand eine spanische Tortilla im Omnia, damit wir etwas zum Essen an Board dabei haben. Wir essen zwar noch zu Mittag in Cherbourg, aber wir sind dann doch ca. 24 Stunden von jeglicher Verpflegung abgeschnitten - haha - könnte man zumindest meinen, wenn man das riesige Sandwich und den Teil der Tortilla anschaut, den wir einpacken.

 

Das Mittagessen ist sensationell. Das Restaurant und die Betreiber wirken zwar alles in allem etwas chaotisch. Es wirkt wie ein Freundeskreis von jungen Leuten. Die Damen hinter der Bar und im Service, die Herren in der Küche, das Kleinkind zwischen den Füssen überall im Weg und alle «hühnern» irgendwie herum. Aber das Essen; ein Traum.

 

 

Das Museum lassen wir am Nachmittag dann aus. 1. mit 21 Euro pro Person viel zu teuer, 2. laufen unzählige Schulklassen in diese Richtung und 3. haben wir keine Lust. Wir nutzen das Internet lieber noch zum Planen, bevor wir dann auf hoher See von der Aussenwelt abgeschnitten sind.

BRITTANY FERRIES - COTENTIN

Einmal Cherbourg - Rossdale einfach bitte. So haben wir es gebucht und so parkieren wir, nach einiger Wartezeit aber pünktlich unsere Betty im Bauch der Fähre. Passend zu unserem letzten Aufenthalt in Frankreich, heisst das Schiff Cotentin und es ist zudem auch das neuste Schiff der Flotte. Einfach ein bisschen klein wirkt sie – ihre Kolleginnen, die wir an der vorherigen Tagen im Hafen haben liegen sehen, waren zumindest obenrum doppelt so gross. Die beiden kleinen Rucksäcke sind gepackt mit vielen kleinen Sachen, die das Leben bunter machen (Futter, Spiele, Bücher, Laptops - wie immer viel zu viel), es kann los gehen. Au revoir, France!

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