WHAT A RIDE!
Was für eine Nacht! Damit hatten wir nicht gerechnet. Eigentlich freuten wir uns auf eine entspannte Fahrt nach Irland. «Nid mau villich» sollte es das werden. Das Schiff kommt Beni schon zu Beginn etwas klein vor, zumindest hat es rein optisch weniger Kabinen als seine Schwestern, die wir im Hafen gesehen haben. Der Shop ist auch nur ein mehr besserer Kiosk und nicht einmal begehbar. Also definitiv kleiner als die Fähren auf denen wir bisher waren. Auch das Aussendeck für die Passagiere ist bescheiden und daher ist das Schiff schnell erkundet. Nach einem irischen Bier und einem Cider um auf die Überfahrt anzustossen und zwei, drei Runden Würfeln gehen wir gegen 22Uhr in unsere Kabine. Bereits beim Spielen im Restaurant ist uns aufgefallen, dass das Schiff doch mehr schwankt als gedacht. Aber so richtig los geht es erst als wir dann in unseren Kojen liegen. Das Schiff schwankt so sehr auf und ab und zur Seite, dass an Schlaf nicht zu denken ist. Die einzige Position, welche ein Dösen ermöglicht, ist auf dem Rücken alle Viere auseinander gestreckt, um nicht aktiv gegen den Wellengang ankämpfen zu müssen. Pech für Seitenschläfer wie Beni, da hast du keine Chance. Um 01:10Uhr machen wir Pipipause, als hätten wir es geahnt, denn jetzt wirds heftig. Wir spüren und vor allem hören nun, wie die Wellen auf das Deck aufschlagen. Es klingt wie Peitschenhiebe. Wenn eine Welle das Schiff von der Seite trifft, geht das mit einem lauten, metallischen Knarren und starken Vibrationen vonstatten. «Äs tuet wine More», da wird einem schon etwas mulmig. Zum Glück haben wir immerhin eine Kabine in Fahrtrichtung und keine auf der Seite des Schiffs. Wir glauben das vor und zurück schaukeln ist wesentlich angenehmer als seitwärts hin und her geschleudert zu werden. Morgens ab etwa 06Uhr beruhigt sich dann das ganze endlich und wir finden noch ein paar Stunden Schlaf. Als wir um 09Uhr aufstehen um zu Duschen geht das Ganze dann wieder volle Kanne von vorne los. Gar nicht so einfach so zu duschen.
Auch im Restaurant schepperts und knallts, als wir wenig später nach unten gehen. Und ausser uns und zwei, drei anderen hat es noch niemand aus der Koje gewagt. Wir dachten eigentlich es ist weniger schlimm, wenn man die Wellen nicht auch noch sieht, aber hier mit Sicht nach draussen ist es irgendwie doch angenehmer. Wir wagen es und holen uns trotz dem zerbrechenden Geschirr einen Kaffee, als gerade wieder eine grosse Welle kommt und wir uns im Stehen kurz schwerelos fühlen. Eigentlich ein kuhles Gefühl, mit zwei heissen Kaffees in der Hand sogar mit Extra-Adrenalin. Aber alles in allem macht es keinen Spass fast 19 Stunden lang bei solchem Wellengang «Schiffli» zu fahren. Es hat sich angefühlt wie 19 Stunden Achterbahn in Zeitlupe.
Da wir am 14.3. in Kilkenny einen Termin haben, machen wir noch einen Abstecher Richtung Norden, um in die Wicklow Mountains zu fahren. Aber jetzt erst einmal runter von dieser Nussschale. Und jetzt? Links oder rechts? Das ist hier nicht die Frage, natürlich Links wird hier gefahren. Wir düsen eine gute Stunde vom Hafen Rosslare nach Laragh, durchqueren farbige Dörfer und erleben die ersten engen und welligen Strassen der grünen Insel.
LARAGH
Hier beziehen wir auf einem Parkplatz Quartier. Wir sind unsicher, ob wir hier wirklich übernachten dürfen, weshalb wir gleich im Gebäude beim Parkplatz nachfragen. Wir seien sehr willkommen heisst es, perfekt das freut uns. Auch die Nähe zum einzige Restaurant / Pub weit und breit ist von Vorteil, denn hier verbringen wir den ersten Nachmittag / Abend in Irland bei Bier, Cider, Futter und Würfelspiel. Als wir gegen 19Uhr nach Hause kommen, ist es ziemlich kalt draussen, wir sind dem Frühling offenbar wieder davon gereist, leider.
MISS DAISY UND IHR CHAUFFEUR – DER SALLY GAP DRIVE
Die Nacht war stürmisch «wie verruckt» und auch wenn Betty nicht so heftig geschaukelt hat wie das Schiff in der Nacht zuvor, war es eine unruhige Nacht. Und auch der Tag soll so werden. Die geplante Wanderung im Glendalough Tal mit den beiden Seen haben wir erstmal auf Morgen verschoben. Heute machen wir die für Morgen geplante Velofahrt, einfach mit dem Camper. Wir fahren den 26 Kilometer langen Sally Gap Drive in den Wicklow Mountains.
Dabei passieren wir unter anderen den Lough Tay auch Lake Guinness genannt. Von oben gesehen sieht er auch wie ein Guiness Bier aus, mit seiner runden Form und dem schwarzen Wasser, den vom Wind aufgeschäumten Wellen und dem weissen Häubchen am Ufer. Als wir losgefahren sind hat es noch nicht geregnet, aber jetzt hier oben mit Blick auf den See, schüttet es quer, (aus der Richtung vom See), was fotografieren etwas schwierig macht.
Joli (Daisy) lässt sich beinahe keine Gelegenheit entgehen, um unterwegs aus dem Auto zu steigen und Fotos zu machen. Immer vorsichtig mit der Türe und auch beim Laufen. Die Windböen sind teilweise so stark, dass man schon mal über die eigenen Füsse stolpert, wenn einem eine solche unvorbereitet von hinten trifft. Beni (ihr Chauffeur) hingegen tut das was ein Chauffeur tun muss, nämlich fahren, nicht aussteigen und schon gar nicht rumlaufen. Sogar Daisy ist es ab und zu einfach zu wild draussen (Wind & Regen) und sie macht die Fotos aus dem Auto heraus – der Unterschied ist nicht gross egal ob von drinnen oder draussen man hat entweder Tropfen auf der Scheibe oder der Linse.
Wir passieren unwissentlich die Brücke aus dem Film «P.S. I love you», haben sie aber trotzdem auf einem Foto, weil Joli meint: «Hui ist diese Brücke aber klein!». Mit dabei ist auch ein Wasserfall und schöne «Berg»-Landschaften bei absolutem «Huduwätter».
GLENDALOUGH
Gegen Mittag machen wir in Glendalough einen kurzen Stopp und sehen uns schon einmal die berühmte Kathedrale (respektive die paar Steine, welche davon noch übrig sind) und den dazugehörigen Friedhof an. Das Wetter und die wirklich uuuralten, allesamt schräg stehenden und mit Moos überwachsenen Grabsteine machen den Ort mystisch. In der Hälfte unseres Rundgangs fängt es dann doch wieder an zu regnen aber wir lassen uns dadurch nicht beirren. Da es erneut quer regnet findet Beni immer wieder hinter Steinen Schutz und Joli's Kamera ist zum Glück spritzwasserfest. Noch mystischer wird es, als wir vom Regen direkt in ein sintflutartiges Gewitter übergehen, bei welchem die Schleusen voll geöffnet sind. Sogar so sehr, dass es kurzzeitig etwas hagelt. Zum Glück sind wir Sekunden davor, bereits so schon völlig durchnässt, bei unserer Betty angekommen und haben es gerade noch nach drinnen geschafft.
Wicklow Gap Drive
Ja was jetzt? Es ist erst Mittag. Fahren wir also noch den Wicklow Gap Drive. Dort hat Joli vorhin auch «Braveheart Drive» gelesen. Wieso der Film zum Unabhängigkeits-Krieg Schottlands in Irland gedreht wurde, ist uns aber schleierhaft. Der Weg geht von hier in die andere Richtung als am Vormittag bis nach Hollywood. Von dort aber dann wieder zum Sally Gap (dies ist eigentlich der Name der Kreuzung oben auf dem Pass). Also fahren wir einen Teil der Strasse von heute Morgen, dann halt nochmals. Dann können wir die P.S. I love you Brücke dieses Mal bewusst anschauen.
In Holywood angekommen, ist es dann doch nicht so spektakulär wie der Name meinen lässt. Einzig die überfluteten Strassen vom Wolkenbruch am Vormittag sind beeindruckend. Wo kommt das ganze Wasser so schnell her?! Auch in den Bergen sind plötzlich, auf der uns bereits bekannten Strecke, Flüsse da die am Vormittag noch nicht hier waren.
SALLY GAP DRIVE 2.0
Nächster Stopp die P.S. I love you Brücke. «Da vorne – dieses Mal verpassen wir sie nicht.» Das Wetter spielt auch wieder mit und Joli kann aussteigen und Fotos machen ohne geduscht und vom Winde verweht zu werden. Ein paar 100 Meter weiter vorne dann: «Ups, ehm, das hier ist die richtige P.S. I love you Brücke, laut Google Maps». Aber Joli’s neue P.S. I love you Brücke ist viel schöner.
Die Rückfahrt auf dem, am Vormittag bereits gefahrenen Teil des Sally Gap Drives, ist jetzt auch viel schöner. Es «chutet zwar immer no wie Sau» aber Joli sitzt dieses Mal auf der Seite mit der guten Aussicht und es regnet auch nicht mehr quer, so dass man sogar etwas sehen kann. Sogar den Guinness Lake können wir nun gebührend bestaunen.
Nachmittags verweilen wir nochmals im selben Pub wie gestern und trinken wie gewohnt ein paar Sirup bevor wir dann zu Hause noch etwas kochen. Wir regen uns dann auch gleich ab unseren neunen Nachbarn auf. Wenn man schon gratis auf einem Parkplatz stehen darf, dann bitte anständig. Klar um diese Zeit ist der Platz leer, wir wissen aber dass dies am Morgen nicht mehr so ist. Und die beiden Leutchen im weissen Camper nehmen sich doch die Freiheit und besetzen gleich drei Parkplätze und einen Teil der Durchfahrtsstrasse. Kein Wunder gibt es je länger, je mehr Verbote für Camper.
DIE WANDERUNG
Der nächste Tag bricht an. Es windet was das Zeug hält und wir wollen noch etwas abwarten, gestern hat der Wind ja dann auch nachgelassen. Dann fängt es an zu regnen, gleichzeitig scheint die Sonne und ein Regenbogen ploppt auf. Da der grosse Schreck – direkt hinter dem Regenbogen – schneebedeckte Gipfel. Das war gestern aber noch nicht so. Es ist arschkalt draussen und es windet so stark, dass Joli nicht einmal die Seitentüre öffnen kann wegen dem Gegenwind. Die Türe vorne getrauen wir uns gar nicht erst zu öffnen, wenn es uns die aus den Fingers reisst, dann Bravo!
Wir warten ab, und warten ab. Immer wenn es scheint das es besser wird und wir uns bereit machen loszugehen, kommt die nächste Wind- oder Regenbö angerast. Gegen 11Uhr entscheiden wir uns, die Ortschaft ohne eine Wanderung zu verlassen und in Richtung Kilkenny zu starten. Ja gut die Entscheidung kam dann schon eher von Beni, nach dem Motto zu Hause gehe ich bei solchem Wetter auch nicht aus dem Haus. Joli will zumindest noch so weit in das Glendalough Tal fahren, wie man kann (in der Hoffnung das Wetter und Beni's Wanderlaune bessern sich noch), so dass man den ersten See sehen kann, denn zwischen dem unteren und oberen See hat es einen Parkplatz. Die Fahrt hat sich in jederlei Hinsicht nicht gelohnt und so düsen wir bereits heute los Richtung Kilkenny.























































































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