Der WAW ist eine ungefähr 2'500 kilometerlange Küstenstrasse an Irlands Westküste - und wir stehen ganz am Anfang!
Zudem ist der WAW über 2'500 Kilometern auch noch die längste ausgewiesene Küstenstrasse der Welt. Auf dem Weg unserer heutigen Tagesetappe von Cobh nach Goleen durchqueren wir den Ort Kinsale wo der Wild Atlantic Way beginnt. Ab hier geht es los und das Gebotene, also der Küstenabschnitt, ist hier zwar noch relativ flach aber macht definitiv schon Lust auf mehr.
OLD HEAD OF KINSALE UND DIE WANDERLUST
Wir besuchen mehr oder weniger spontan den alten Kopf von Kinsale, anstatt durch Kinsale selbst zu spazieren wie ursprünglich geplant. Kinsale ist bekannt dafür, sehr viele gute Restaurants auf kleinstem Raum zu beherbergen, aber das bringt uns morgens um 9Uhr noch nicht sehr viel. Zudem haben wir eher Lust auf Wandern an der Küste als in der Stadt. So düsen wir bis zur Halbinsel Old Head of Kinsale von wo aus wir eine kleine Wanderung starten. Wir haben uns (wie oft beim Wandern) nicht richtig vorbereitet und werden prompt bestraft. Wir wissen nicht genau, wo man parkieren und starten soll und wo der Wanderweg verläuft. So kommt es wie es kommen muss, wir parkieren irgendwo an einem Strand mit Zugang zu etwas was immerhin aussieht wie ein Küstenwanderweg und wo auch andere Leute langgehen. Das muss der im Netz erwähnte Rundweg sein.
Anfangs macht es noch Spass den kleinen Klippen entlang und neben den gelben Rapsfeldern zu wandern. Doch nach etwa 25 Minuten verschwindet der Weg zunehmend im feuchten hohen Gras und die Klippen werden unpassierbar. Wir oder zumindest Beni ist ziemlich angepisst aufgrund der nassen Füsse und die Wanderlust ist sogleich auf den Nullpunkt gefallen. Mit strammen, trotzigem Schritt marschiert Beni retour zum Parkplatz, gefolgt von Joli. Dort schauen wir etwas neidisch auf das Paar, welches sich gerade das kleine Saunahäuschen mit direktem Meerblick anheizt.
Wenn wir schon den Wanderweg nicht finden, fahren wir halt den Rundweg auf der engen, kleinen Strasse nach ganz hinten bis zum Eingangstor eines privaten Golfclubs, welcher die restliche Spitze für sich und seine Members einnimmt. Von den hiesigen Klippen gibt es aber auch zwei sehr schöne Aussichtspunkte an welchen wir ein paar Fotos machen, immerhin. Das Museum, welches sich dem Untergang der Lusitania widmet, besuchen wir nicht, aber wir erfahren, dass der Wanderweg die Strasse ist, die wir jetzt gefahren sind. Dann haben wir es ja noch besser getroffen mit unserem Verlaufen, hoch oben im Camper sieht man auf dieser Strasse etwas, zu Fuss sind die Begrenzungen so hoch, dass man nix sieht – völliger Blödsinn!
CLONAKILTY
Ohne zu wandern, düsen wir gegen Mittag weiter in die Kleinstadt Clonakilty. Der Ort ist bekannt für seine Blutwurst (Beni freut sich sehr - der kleine Feinschmecker) und Beni hat das Ziel diese Delikatesse hier zu erwerben. Die Stadt ist klein mit engen Strassen und es ist viel Verkehr, sieht nicht aus, als ob wir hier irgendwo einen Parkplatz finden könnten. Wir haben aber Glück und wie aus dem nichts erspähen wir eine geeignete Parklücke in die wir Betty (mit Veloanhänger knapp 7 Meter) zwängen können. Während Beni beim Manövrieren auf Jolis Anweisungen achtet, spaziert ein Mann an uns vorbei und meint zu Joli nur so im Vorbeigehen «thats good» und wir müssen beide lachen. Na, dann danke, dann lassen wir Betty so stehen. Als erstes kommen wir an einem Mini-Markt vorbei bei dem es etwa 6 Stände gibt. Einen davon hat ein älterer Herr mit zwei grossen Körben Kartoffeln und einer alten Waage zum Wiegen, mehr braucht es manchmal auch nicht. In einer weiteren Strasse finden wir dann die Clonakilty Metzgerei und den dazugehörigen Shop, in welchem wir Beni mit Blut und Leberwurst eindecken, Joli freut sich schon auf das «Gschmäckli» nach dem Anbraten im Camper.
URCHIGES PUP MEETS KAFFIKRÄNZLI
Joli weiss von einem urchigen Pub, welches man sich in der Stadt ansehen sollte, dieses befindet sich auch gleich in der gleichen Strasse. Wir treten ein und sind im ersten Moment etwas perplex. Es ist finster und bunt zugleich, wir sehen viele ältere Menschen, vereinzelt in gelben T-Shirts, welche hier im ganzen Pub verteilt ein Kaffeekränzchen abhalten. Das Pub ist voller Menschen, welche irgendwie so gar nicht in so ein Pub passen. Es gibt überall Kaffeekannen und kleine gedeckte Tische mit allerlei Leckereien wie Wraps, Sandwiches, Kuchen, Torten, Keksen und vielem mehr. Die Leute bedienen sich willkürlich von den Tischen. Es kommt uns vor, als wären wir in eine private Party reingeplatzt. Im 2. Stock des Pubs werden wir von einer älteren Dame angewiesen doch auch einen Kaffee zu trinken und uns an einem der Tische zu bedienen. Etwas verlegen wollen wir natürlich zuerst wissen was hier genau los ist bevor wir uns da einfach bedienen. Dann ist das Rätsel auch schnell gelüftet heute ist in Irland der jährliche «Daffodil Day» (Narzissentag) Das ist der grösste Spendenaktionstag der Irish Cancer Society. Die Narzisse als erste Frühlingsblume ist ein Symbol für den Kampf gegen den Krebs. Die gelben T-Shirts sollen die Unterstützung zeigen und das Kaffeekränzchen ist eine von vielen Aktionen, bei welchen tausende Menschen Spenden für die Krebsforschung und Unterstützung sammeln. Hier im Pub stehen dafür viele weisse Gefässe für den Münz- und Noteneinwurf bereit. Wir finden das eine tolle Sache und nachdem wir etwas eingeworfen haben, was zwar nicht scheppert aber gefaltet werden kann, gönnen wir uns auch einen Kaffee und etwas zu knabbern in diesem urchigen, verruchtem Pub.
DOMBERG STONE CIRCLE
Weiter geht es zum letzten Zwischenstopp bevor wir Goleen erreichen. Das Beste kommt zum Schluss, ein paar Steinhaufen stehen noch an. Beni lässt Joli am Parkplatz schon mal vorausgehen und nutzt die Zeit für ein kurzes Telefonat in die stellvertretende Kommandozentrale bei seiner unterbrochenen Arbeit, macht sich aber im Anschluss auch noch auf den 5 Minuten Weg zu den Steinen, welche hier anscheinend schon ewig so rumliegen oder eben rumstehen und das sogar im Kreis. Joli konnte in der Zwischenzeit den Steinkreis und vor allem die ländliche Umgebung in aller Ruhe völlig alleine (bis auf den meditierenden Mann, den sie plötzlich entdeckt) geniessen. Es ist ein herrlicher Frühlingstag.
In Goleen angekommen, geht ausser den Camping umrunden, kochen und duschen, dann für heute nix mehr.










































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