Ring of Kerry
SNEEm
Als nächstes steht eines der ganz grossen Irland Highlights an, der etwa 179 Kilometer lange Ring of Kerry, der vierte Finger. Aufgrund des miesen Wetters legen wir aber heute nur einen kleinen Teil dieser Strecke zurück. Kenmare durchfahren wir bei strömendem Regen, gehen kurz einkaufen und parkieren unsere Betty dann in der Ortschaft Sneem, auf einem wunderschönen Stellplatz direkt am Fluss und in nächster Nähe zu den Pubs der Stadt.
Der Plan ist, den Ring of Kerry bis nach Cahersiveen mit Betty Blue zu fahren, dort jeweils zu übernachten und an einem Tag gemütlich den Skellig Ring und am zweiten Tag Valentia Island mit dem Velo zu erkunden. «Ich liebe es, wenn ein Plan aufgeht» (Zitat Hannibal A-Team) – nur leider ist das eher selten der Fall - wie auch hier.
DER KINNKLATSCHER
Das Gittertor zum Stellplatz trägt rot und Joli sieht rot. Joli ist heute schon etwas gereizt, da die Pet-Flaschen-Depot-Rückgabe-Maschine ihr den letzten Nerv geraubt hat (Scheiss moderne Technik). Da macht noch das Gittertor, welches für die Einfahrt, auf den ansonsten sehr schönen Stellplatz, zu öffnen ist Probleme. Beim Öffnen klatscht der armen Joli aufgrund des starken Windes das rote, schwere Tor volle Kanne ans Kinn. Glücklicherweise kommen beide Kontrahenten ohne sichtbare oder bleibende Schäden davon. Der sonst schon guten Laune von Joli ist damit aber nicht geholfen. Bei absolutem «Huddelschmuddelwetter» parkieren wir Punkt 12Uhr direkt am Flussufer. Der Stellplatz liegt wunderschön umgeben von einer kleinen Stromschnelle, dem Fluss und wir später noch feststellen werden, den Bergen.
WETTER- & STIMMUNGSWECHSEL
Aufgrund des Sturms, welcher draussen tobt, warten wir mal noch etwas ab, bevor wir uns rauswagen es regnet von allen Seiten. Um 14:15 ist es dann so weit, die Sonne blickt durch und der Sturm verzieht sich allmählich. Jetzt aber los ins nächste Pub, wir haben Durst und wollen Würfelspiele spielen. Das Pub, welches zu unserem Stellplatz gehört ist, zwar innen wie aussen sehr schön und hat eine super Aussenterasse, welche nur leider bei dem Wind nicht brauchbar ist. Ansonsten ist es uns fast zu schön und zu hell. Weiter zum urchigen, dunklen Pub nebenan – genau so muss es sein bei diesem Wetter. Dorthin gehört auch ein Hund; wir nennen ihn die Leberwurst. Einerseits ist er geformt und prall, wie eine übergrosse Leberwurst und andererseits ist sein Fell farblich identisch. Einen Lachanfall bekommen nicht nur wir sondern auch weitere Gäste im Pub als sich die Leberwurst aufgerichtet auf seinen Allerwertesten setzt und so die Gäste anbettelt.
Zurück auf dem Stellplatz stellen wir fest, dass es hinter uns Berge hat. Und die haben Schnee! 15 Minuten später ist er aber schon wieder weg. Und nochmals 15 Minuten später wieder da. Und nein es liegt nicht an Bier und Cider (so viel war es denn doch nicht). Auch unsere Betty kriegt immer wieder Graupel ab, um danach in der Sonne gleich wieder zu trocknen. Also wenn du irgendwo im Regen laufen willst, dann in Irland, denn die Chance ist sehr gross, dass du während du nass wirst auch gleich wieder trocknest, da meistens Sonne und Regen sowie Wind gleichzeitig auftreten. Oder wie in den letzten Tage noch etwas Graupel (für Schnee ist es zu hart und für Hagel zu klein!).
ARBEIT MUSS SEIN
Unser jeweiliges Abendprogramm ist dann so eigentlich immer gleich. Nach dem Duschen und Essen, machen wir noch die Feinplanung des nächsten Tages resp. der nächsten Tage. Die Fragestellungen sind immer etwa die gleichen, wie (Camper, Velo, Wandern) kommen wir wann (Öffnungszeiten, Eintritt) und warum (Aktivität, Sehenswertes) wohin (Ort, Stadt), bei welchem Wetter und wo Übernachten (Parkplatz, Stellplatz, Camping) und Essen (Kochen) wir dann noch. Auch die Texte und Fotos für die Homepage und Polarsteps wollen noch geschrieben und bearbeitet werden. Das macht uns beiden Spass ist aber auch sehr Zeit intensiv, fast ein wenig wie richtiges Arbeiten nur ohne Lohn (Augenzwinkern).
Die Nacht war wieder mal stürmisch und wir haben aufgrund der Schaukelbewegungen eher mässig geschlafen. Schon beim morgendlichen Blick aus dem Schlafzimmerfenster fällt uns der tiefe Wasserstand am Flüsschen, an dem wir stehen auf. Gestern tobte hier noch ein strömender Fluss mit der doppelten Menge an Wasser. Dafür sieht der heutige Tag auf den ersten Blick vielversprechend aus; es wird einen Tag mit abwechselnd (manchmal auch alles gleichzeitig) Regen, Graupel, blauem Himmel, Sonne und dazu durchgehend sehr starkem Wind.
CASTLECOVE
Auch heute sind einige Stopps geplant, den ersten machen wir am Whitstrand Beach in Castlecove. Dann klappern wir sämtliche Aussichtspunkte ab, denen wir über den Weg fahren. Hier am Ring of Kerry sind das einige, denn die Strassen sind viel breiter und überall hat es Parkplätze bei den Aussichtspunkten, was es am Ring of Beara nicht hatte. Dort war die ganze Strecke durchgehend so schön, dass es das Mass wohl gesprengt hätte und es war schlichtweg kein Platz.
DERRYNANE
Den ersten längeren Stopp machen wir nach einem grösseren Regenguss in Derrynane. Hier spazieren wir am Strand entlang und der Wind peitscht uns den Sand ins Gesicht, mega schön. Beni läuft deshalb auch die ganze Strecke rückwärts. Die Aussicht auf Strand und Meer ist hübsch, dennoch ziehen wir nach einer halben Stunde weiter, denn das Zeitfenster des blauen Himmels schliesst sich gerade wieder und die nächste Sintflut steht an.
Wir wissen, das Wetter ist bei uns Dauerthema, aber das sich die vier Jahreszeiten am gleichen Tag mehrere Male wiederholen finden wir schon aussergewöhnlich. Obwohl Irland dafür bekannt ist, ist es doch etwas anderes das mehrmals täglich zu erleben. Wie schon erwähnt am Ring of Kerry folgt ein Viewpoint mit Parkbucht nach dem anderen und für die besten Fotos halten wir natürlich an jedem einzelnen an und erfinden sogar noch ein paar weitere dazu, an denen wir uns an der Aussicht ergötzen, was wir dank dem wenigen Verkehr gut können.
Allerdings erkennt man hier sehr gut wie touristisch es ist. Wir sind nicht mehr allein unterwegs, der Tourist (es muss einer sein) vor uns wollte zum Weiterfahren auf der falschen Autoseite wieder einsteigen und im Gegenuhrzeigersinn kommen uns regelmässig Cars voll mit Touris entgegen.
WATERVILLE
Dann folgt der Ort Waterville, bekannt dafür das Charlie Chaplin mehrere Jahre hintereinander hier seine Ferien verbracht hat. Davon zeugt auch heute noch eine lebensgrosse Statue an der Strandpromenade, welcher wir natürlich auch noch einen Besuch abstatten. Der Ort wirbt auch damit das es der einzige am Ring of Kerry ist, der direkt an der Wasserfront liegt. Für uns kein Argument, wir stehen mehr auf Klippen als auf Strände.
SKELLIG RING
Ballinskelligs
Jetzt starten wir den «Neben»ring of Skellig. Uns gefällt der aber logischerweise wieder besser. Wieso? Ruhiger, kleinere Strassen, weniger Touristen und noch bessere und wildere Aussichten. Wir fahren die Ruine der Kathedrale von Ballinskelligs an und müssen die Strasse dann rückwärts wieder rausfahren. Da erkennt man schon, wir sind nicht mehr am Touristen Hotspot. Keine Ausweichstellen, keine Parkplätze aber dafür Natur pur und kaum andere Leute.
FINAN’S BAY
Schon von weitem sehen wir weit draussen im Meer die Skellig Island bekannt aus Star Wars. Sie begleiten uns auf dem ganzen Skellig Ring und auch als wir auf die St. Finan’s Bay zufahren, thronen sie im Hintergrund. Aber auch die Bucht vom heiligen Finan ist wunderschön und ebenso verlassen wie Ballinskelligs. Wunderbar. Auf der anderen Seite der Bucht geht’s steil aufwärts. Betty hat zu kämpfen, aber dafür sind wir nun über den Comomanaspig Pass drüber und fahren Richtung «Kerry’s most specatcular cliffs».
KERRY CLIFFS
Die kleinen Schwestern, der Cliffs of Moher (die kennt wohl jeder). Das Highlight befindet sich auf Privatgrund und kostet natürlich 5 Euro zum beglupschen. Wir bezahlen wie alle anderen auch und spazieren den Hügel hoch zur Klippe. Die Aussicht ist spektakulär und den Batzen wert. Allerdings ist Joli kurz davor einen 50% Rabatt rauszuhauen, da heute wegen dem Wind nur der rechte Aussichtspunkt geöffnet hat und der linke nicht - halbe Leistung = halber Preis – aber auf die Idee kam der Besitzer wohl noch nicht. Wieso auch, die Leute (inkl. uns) zahlen ja trotzdem, obwohl wir den Zettel erst nach dem Zahlen gesehen haben und aktiv hat der Herr nix erwähnt. Tztztz!
VALENTIA ISLAND
Letzter Halt für heute ist Valentia Island, welche eigentlich erst für übermorgen geplant war. Aber da die Velotour auf dem Skellig Ring, wegen dem schlechten Wetter morgen ins Wasser fällt, wollen wir auch Valentia Island heute bei gutem Wetter noch sehen und was dann Morgen und Übermorgen kommt, werden wir sehen.
Die kleine Insel gehört auch noch zum Skellig Ring und hat einiges zu bieten. Unter anderem kann man Bootstouren zu den Skellig Islands machen – allerdings erst ab Mai – schade aber auch. Wir picken uns aufgrund des schon vorgeschrittenen Tages drei Dinge raus.
1. den Leuchtturm, welchen wir leider kurz vor dem Ziel abbrechen müssen, da wir ein Camper Verbot für die Zufahrtsstrasse entdecken. Aber wir sehen ihn auch von hier oben wunderbar, wo Beni gerade einmal mehr ein sensationelles Wendemanöver durchführt (Joli könnte hier nicht einmal ein kleines Auto wenden). Wieder oben sieht Joli «ach Mist die Fussabdrücke des Urzeittiers (als Irland noch unter dem Äquator lag) wären auch dort unten gewesen» und Beni meint nur «du kannst nicht alles sehen».
2. den Geokaun Mountain, welcher für uns das Highlight der Insel ist und mit 268 M.ü.M. einen sensationellen Rundumblick bietet. Etwas überrascht stehen wir vor einem Kassenhäuschen mit Schranke. Die Fahrt mit dem Camper hoch auf die Spitze kostet 10 Euro. Aber auch wer zu Fuss rauf will, bezahlt hier 4 Euro pro Person, womit uns die Entscheidung leicht fällt - dann doch lieber fahren. Das Geld lohnt sich, als wir den extrem steilen Aufstieg geschafft haben (also Betty), werden wir belohnt mit schönem aber extrem windigem Wetter. Die Aussicht ist sensationell, Joli springt am höchsten Punkt sofort aus dem Auto und macht ein paar Fotos an den einzelnen Aussichtspunkten. Aber schon nach ein paar Minuten kommt sie wieder rein. Es ist schweinekalt und der Wind nimmt laufend zu. Anstatt den schön ausgeschilderten Picknick Platz zu nutzen, nehmen wir im Camper ein kleines z’Vieri zu uns – draussen würde es uns das Knäckebrot gleich wegwehen.
Der Wind rüttelt an unserer Betty, es ist der Wahnsinn. Er verunmöglicht ein weiteres ein Aussteigen - Joli wollte den kurzen Weg zu einem Aussichtspunkt noch laufen – aber zu gross ist die Gefahr das es uns die Fahrertüre aus der Hand schlägt und diese kaputt geht, die Seitentüre bringen wir schon gar nicht auf. Wir bleiben im Auto, geniessen die Aussicht und beobachten eine Seemöwe, die wankenden Schrittes den Weg zum Aussichtspunkt läuft, der Joli verwehrt bleibt. Aber auch die Möwe läuft offenbar lieber, als bei diesem Wind zu starten.
Auf dem Rückweg kommen noch weitere Parkplätze aber noch immer ist der Wind zu stark. Schon fast wieder unten gibt es einen weiteren Viewpoint mit einem kurzen Weg zu den Fogher Cliffs, an welchem wir das Auto so parkieren können das wir auch kurz raushüpfen können. Wir spazieren die 5 Minuten zum Aussichtspunkt und je näher wir der Klippe kommen, umso stärker weht der Wind. Ganz vorne am Geländer hätte man einen tollen Blick auf die Klippen, aber der Wind peitscht dermassen stark, das man kaum die Augen offen halten, geschweige denn mit sicherem Stand stehen kann. Joli, die etwas hinterdrein läuft denkt zuerst Beni macht Show aber als sie zu ihm nach vorne laufen will, muss sie erneut umdrehen, um Anlauf zu holen so stark ist der Gegenwind. Und sicherheitshalber wird alles im Reissverschluss des Jupes verstaut (auch die Ohrringe!) und das Jupes wird unter die Jacke geschoben, damit sich die Knöpfe nicht lösen und es davon fliegt – ja so stark windet es. Die Kraft der Windböen ist so gewaltig, so etwas haben wir so noch nie erlebt. Auf der Wetter App sehen wir dann Fogher Cliffs Böen bis zu 94km/h, ob das stimmt? Uns kams nach viel mehr vor und während Beni zurück beim Camper über Ohrenschmerzen klagt, meint Joli sie spüre jeden Muskel in den Beinen und im Rücken, weil sie so gegen den Wind ankämpfen musste. Fitnesstraining auf wenigen Metern, super.
3. Bray Head, von dort aus soll man den besten Blick auf die Kerry Cliffs haben und man darf auf dem Parkplatz übernachten. Leider hat sich auf dem Weg dorthin, aufgrund der Sturmböen, ein Stromkabel an einem Masten gelöst, hängt ziemlich tief auf die Strasse runter und schwenkt hin und her. Hoch genug für Autos, zu tief für uns. Wir wollen weder einen Stromschlag riskieren noch, dass das Kabel irgendwie an Betty respektive den Dachfenstern hängen bleibt und wir dann alles runterreissen oder festhängen, also drehen wir auf der Einspurigen Strasse an einem fast unmöglichen Ort einmal mehr um. Schon fast wieder bei der Brücke, um rüber zum «Festland» zu kommen sehen wir, dass wir unser Ziel über eine andere Strasse erreichen können. Juhu!
Die beste Sicht auf die Cliffs hat man allerdings nicht vom Parkplatz sondern vom Turm am Ende der Landzunge, welche man, hin und zurück, in 1.5 Stunden zu Fuss erreichen kann. Ach, dass machen wir dann Morgen früh, sofern das Wetter nicht ganz so übel ist wie gemeldet. Jetzt erst mal gemütlich den Abend geniessen.
DIE ODYSSEE
10 Euro zum Übernachten – super! Bezahlen nur mit Münzen – scheisse! Wir haben nur 5! Zwei weitere Touristen zum Wechseln angefragt und da diese nicht wechseln konnten die restlichen 5 Euro geschenkt bekommen – super. Der Automat spuckt nach 2 Euro alle anderen Münzen wieder aus – scheisse! Nach einigen Tritten gegen den widerspenstigen Automaten gibt Joli auf und später lesen wir im Internet, dass der Besitzer die 10 Euro jeweils am Abend bar einkassieren kommt – schreibt doch das an den Automaten Leute, also wirklich – scheisse! Es kommt den ganzen Abend bis zum nächsten Morgen niemand – super. Odyssee Ende!

























































































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