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187 Kilometer nordwärts im County Mayo

SCHEISSSPIEL

Neuer Tag = neues Wetterglück? Blauer Himmel! Also aufstehen, Kaffee trinken, Ver- und Entsorgen und los gehts. Doch wie aus dem Nichts, Beni leert gerade unsere Toilette, wird er von einem Hagelschauer überrascht. Es reicht gerade noch, um die Kassette ins Fach einzuschieben und reingehüpft ins Auto. Wir warten etwa 10 Minuten, bis es aufhört und füllen dann noch unser Wasser auf, aber auch hier regnet es kaum 10 Minuten später schon wieder. Da spielt wohl einer der Wettergötter wieder mal mit dem On/Off Schalter, das macht keinen Spass.

WILD NEPHIN NATIONAL PARK

Wir ziehen weiter in Richtung Norden und haben heute rund 150 Kilometer Fahrvergnügen vor uns. Als erster Stopp halten wir beim Besucherzentrum des Wild Nephin Nationalparks. Der Parkplatz ist praktisch leer und das Gebäude noch mehr. Ausser einem netten Herrn am Empfang und einer Bedienung im Café scheint niemand da zu sein (und das an einem Sonntag). Egal wir werden jedenfalls herzlich begrüsst und bei einem Kurzvortrag mit haufenweise Infos bombardiert. Der Park ist anscheinend riesig, denn vor hier zum eigentlichen Eingang und Start aller Wanderwege sind es mit dem Auto nochmals 55 Minuten. Wieso man das Besucherzentrum an einer Ecke und den Start aller Wanderwege an der anderen platziert (wir müssten die Hälfte des Weges, den wir hierhin gefahren sind, nun wieder zurück), verstehen wir nicht ganz.

 

Leider ist aktuell (einmal mehr) so gar nicht Wanderwetter angesagt, nicht mal unbedingt wegen den gelegentlichen Regenschauern (so alle 20 Minuten schüttet es kurz), nein der Wind/Sturm ist heute das Problem. Auch der Herr am Empfang meint, der Nationalpark sei eigentlich zu 50% in der Nacht attraktiv, bei klarem Himmel, aber heute sei erneut eine Sturmmeldung mit Warnstufe gelb draussen. «Ach, das ist nicht normal?», «Ja doch, also eigentlich schon. Dafür ist die Westküste in Irland auch bei Surfern so beliebt um diese Jahreszeit». Aber es sei schon etwas extrem aktuell, meint er. Was unsere zwei geplanten Küstenwanderungen/Spaziergänge für heute mit einem Fragezeichen versieht – wir werden wohl entscheiden müssen wenn wir vor Ort sind.

 

Wir setzen uns erstmal ins Café und geniessen Cappuccino, heisse Schokolade mit Marshmallows und ein Stück Guinness Torte. Die Torte mit seinem weissen Zitronencremehäubchen hat uns angelächelt. Für Joli ist sie viel zu deftig und schmeckt zu wenig nach Guinness. Für Beni ist sie perfekt und schon nach den ersten bissen wirkt er wie besoffen. Nein natürlich nicht, aber Beni mag die Torte. Die Entscheidung zuerst den Kaffee zu nehmen und dann den 2 Kilometer Rundweg zu machen ist goldrichtig – der Regen peitscht gegen die Fenster. Dann öffnet sich uns ein regenfreies Zeitfenster perfekt für den Verdauungs-Rundweg um das Besucherzentrum herum. Die Aussicht ist gut und der Wind stark. Trotz Winterkappe und Windjackenkapuze zieht der Wind bis in die Ohren und verursacht bei Beni Ohrenschmerzen. Hoch zum Aussichtspunkt haben wir sogar Rückenwind. Runter drückt es uns immer wieder seitwärts vom Weg ab. Verrückt, aber immerhin bleiben wir trocken.

 

Auf dem weiteren Weg drückt es dann auch Betty von der Strasse respektive auf die andere Strassenseite. Beni lässt mal kurz das Lenkrad los um Joli zu demonstrieren, wie stark der Seitenwind ist. Innert dem Bruchteil einer Sekunde sind wir auf der Gegenfahrbahn. Huuuui! Wenn uns die Betty nur nicht wegfliegt!

MULLET PENINSULA

Wir besuchen diverse Aussichtpunkte auf der Mullet Halbinsel. Auf dem Weg ganz nach unten passieren wir eine Enge (Elly Bay), wo die Insel nur ganz schmal ist und uns der Wind mit Sand und Gischt bedeckt. Wir haben schon kurz vorher festgestellt, dass erneut Saharastaub in der Luft liegt, aber hier werden wir direkt vom Strand aus paniert. Der Rest des Weges ist irgendwie erstaunlich unspektakulär, bis wir ganz unten feststellen, dass wir uns auf der Hauptstrasse und nicht auf dem Wild Atlantic Way befunden haben. Der Rückweg ist dann entsprechend wilder und interessanter.

 

Wir wollen den Cross Point Loop laufen, aber als wir feststellen, dass man einen grossen Teil auch fahren kann, finden wir das dann doch angenehmer. Der See sieht aus, als hätten sämtliche Kühe der Umgebung reingekackt – hübsche Farbe. Aber die Atlantikwellen sind heute dafür wieder eindrücklich. Bei einem weiteren Aussichtspunkt ganz am Ende einer Strasse bekommen wir dann nach der Panierung von vorhin auch noch in das Vergnügen einer Schaumparty. Joli stellt die Kamera im Windschatten von Betty ein, schleicht sich um die Ecke und bekommt sogleich die volle Bandbreite Gischt, Schaum und Wind «mitten in die Fresse rein» (wie die Ärzte so schön singen). Der Schaum entpuppt sich auf Betty und Joli, dann als eine schöne klebrige Mischung aus Meerwasser und Sand. Weiter geht’s zu einem Loch im Boden – dem Dún na mBó Blowhole. Wasser bläst es hier aber trotz der gigantischen Wellen nicht rauf. Ein kleiner Halbtunnel für zum Loch, welches gut abgeschirmt ist. Mann wie das windet hier drin, so kanalisiert in diesem kleinen Tunnel. Es stürmt, wie verrückt und das Meer schlägt, hier wild und brachial gegen die Klippen. Es ist so faszinierend, das sogar Beni aussteigt und sich das Schauspiel eine ganze Weile (im T-Shirt – brrr!) ansieht. Eigentlich war hier noch eine weitere Spazierrunde geplant der Erris Head Loop Walk aber einerseits sind solche Wanderungen an der Küste nicht ungefährlich bei Sturm und andererseits auch nicht wirklich witzig, jedenfalls nicht dauernd. Wir lieben windiges Wetter, vor allem Joli, aber so nach 9-10 Wochen praktisch Dauerwind (Stürme in Spanien & Frankreich, normales Wetter und Stürme in Irland), geht einem der Wind dann schon irgendwann mal auf den «Sack»!

 

Also fahren wir weiter zu den Céide Fields – Steinmauern aus der Jungsteinzeit. Es ist ein 5.000 bis 6.000 Jahre altes neolithisches Feldsystem (zu sehen sind ein paar freigelegte Mauern, das meiste liegt jedoch unter dem jahrtausendalten Moor begraben) sowie eine über 4.000 Jahre alte, konservierte Moorkiefer die im Museum ausgestellt ist. Wir kommen an und stellen fest, dass wir keine Lust haben, «nur» ein paar Mauern zu sehen (so beeindruckend deren Alter auch sein mag) und noch weniger Lust haben wir unser Hirn mit unzähligen Infos aus dem Museum zu füllen. Also fahren wir weiter. Es gibt noch einen Punkt, den wir heute anfahren wollen, den Downpatrick Head.

DOWNPATRICK HEAD & die Nacht des Grauens

Da das Wetter heute Abend aber scheusslich und morgen früh super will, verschieben wir das auf Morgen. Eigentlich wollten wir bei einem Pub im Garten übernachten. Wir haben den Garten dank der Beschilderung sogar gefunden, doch hier steht nur ein riesiges Partyzelt, in welchem auch Lichter brennen, aber wir finden keine Menschenseele, um uns anzumelden. Also fahren wir doch noch die 10 Minuten weiter zum Parkplatz des Downpatrick Head. Wenn es noch schön wird, gehen wir heute noch und sonst morgen früh bevor wir weiterfahren.

 

Schön einsam und verlassen an den Klippen (ohne Campingverbot) stellen wir uns unauffällig hin und kochen unser Abendessen. Vom Fenster aus können wir einmal mehr das stürmische Meer beobachten, bis es dann zu dunkel wird.

Was für eine scheussliche Nacht! OMG! Katastrophal! Wann kommt endlich der Morgen?! Wir hatten ja schon viel Wind und Sturm, aber das toppt alles. Immerhin kommt der Wind direkt von hinten und prallt am dicken Hintern von Betty ab, was das Schaukeln (im Vergleich zum Seitenwind) einmal anders macht als bisher – anders aber nicht besser. Und der Lärm. Ein Konzert kommt nicht dagegen an. Und Oropax auch nicht. Dann wieder eine Runde Hagel, welche vom Wind ans Auto gepeitscht wird, abgewechselt mit der Gischt der Wellen, die ans Auto klatscht und dann wieder etwas Starkregen gepaart mit Windböen à discrétion. Da kommt selbst als Windliebhaber der Moment, wo du die Schnauze voll hast und das Geräusch (das Pfeifen durch alle Ritzen und das ständige Rauschen) kaum mehr erträgst. Zum Glück haben wir noch vom unteren Parkplatz (direkt am Wasser) auf den oberen gewechselt, sonst hätten wir noch Angst, dass uns die Wellen wegspülen. Joli ist mehrmals kurz davor mitten in der Nacht, mit Betty ans andere Ende und auf die andere Seite des Parkplatzes zu fahren mit dem Schnäuzchen gegen dem Wind und dem Füdlä (wo wir schlafen) vom Wind weg (wäre eine gute Idee gewesen, wie es sich am nächsten Morgen rausgestellt hat), aber es bleibt bei der Idee. Wir stellen das Auto schon immer so hin, dass wir gerade stehen, aber hier haben wir irgendwie nicht auch noch auf die Windrichtung geachtet, das war ein Fehler – passiert nie mehr!

 

Aus morgen früh wird somit 9Uhr und die Sonne ist auch weit und breit nirgends zu sehen. Über uns ist es zwar wolkenlos aber am Horizont hängen noch dicke Wolken, welche die Sonne nur erahnen lassen. Die ersten Meter des Weges an die Küste und den Aussichtspunkt sind noch schön asphaltiert. Bereits nach kurzen wird der Weg aber nass, matschig und ist eigentlich kein Weg mehr. Die Schuhe sind ziemlich schnell nass. Auch hier hat es ein riesiges Blowhole, wo aber kein Wasser hoch kommt. Sind die alle kaputt? Irgendwann kommen wir von der matschigen Wiese auf Torfmoospolster (Bülten - buckelartige Erhebungen, die sich wie Kissen anfühlen). Wir nennen das den Bubble-Rasen. Lustig darauf rumzulaufen.  

 

Die Aussichten entschädigen für die matschigen Füsse und den Regen, welchen wir ebenfalls kurzfristig über uns ergehen lassen müssen. Der Felsturm in der Brandung (Dún Briste), sowie die Klippen auf der Landzunge sind den Abstecher wert und wir haben so früh am Morgen (auch wenn wir aus unserer Sicht spät dran sind) die ganz Gegend für uns alleine. Der Regen belohnt uns dann noch mit einem wunderschönen Regenbogen und Beni mit der Erkenntnis, wieso der Regenbogen Regenbogen heisst (für gewisse Dinge muss man wohl 40ig werden), vorauf Joli meint, er könnte aber eigentlich auch Sonnenbogen heissen, denn es braucht ja beides zu seiner Entstehung. Womit der Poesie für heute auch schon Genüge getan ist. 

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