Die erste längere Sonnenschein- und blauer Himmelphase seit Wochen, wir sind ganz entzückt. Also ab nach Nordirland, genauer gesagt in die Nähe von Enniskillen um eine Höhle zu besichtigen (jaaaa nicht logisch – aber wenn man sich hier auf das Wetter verlassen will, kann man auch zu Hause bleiben). Eigentlich gehen wir ja erst in ein paar Tagen nach Nordirland aber diese Höhle war eines der ersten Dinge, die wir geplant haben und da wir auch in Nordirland eher an der Küste bleiben, würde uns dieser Teil einen riesigen Umweg kosten und aktuell liegt es praktisch nebenan. Den Grenzübergang bemerken wir nur als wir auf einmal an einer Tankstelle vorbeifahren, bei welcher der Diesel statt mit 2.15 nur noch mit 1.85 angeschrieben ist, wir denken uns noch «Wow, viel billiger als in Irland». Erst spät abends realisieren wir, dass der Preis in Pfund und nicht in Euro angeschrieben ist somit umgerechnet nur etwa 2-3 Rappen billiger ist als in Irland. Ein weiteres Merkmal sind die Telefonkabinen, welche hier nun wieder rot statt grün sind. Auch unser Navi hat nach der Grenze automatisch von km/h auf mp/h umgestellt (und einige Male hin und her gewechselt, da wir mehrmals die Grenze passieren, bis wir an unserem Ziel sind). Zum Glück wechseln nur die Geschwindigkeitseinheiten und Währungen und nicht auch die Strassenseiten. Man stelle sich das Chaos bei so fliessenden Grenzen vor.
MARBLE ARCH CAVE
Wir haben zwar nicht vorgebucht, können dennoch um 10Uhr auf die erste Tour durch die Marble Arch Cave mitgehen. Wir haben gerade noch Zeit für ein kleines Frühstück auf dem Parkplatz bevor wir pünktlich am Treffpunkt im Besucherzentrum eintreffen. Wir sind nur 12 Personen statt maximal 21 auf der geführten Tour. Leider können wir jedoch die Bootstour nicht machen, da in diesem Teil der Höhle aktuell noch irgendwelche Arbeiten ausgeführt werden. Dafür lässt der Wasserstand die komplette Walking Tour zu was wohl am Vortag noch nicht der Fall gewesen ist, da bei unserer Ankunft noch eine andere Tour und tiefere Preise angeschrieben waren.
Da wir den «nassen Eingang» heute nicht nutzen können (durch den auch die Entdecker 1895 reingepaddelt sind), sehen wir leider auch den Marble Arch (den Torbogen) und somit den Namensgeber der Höhle nicht. Wobei das Gestein natürlich nicht aus Marmor ist sondern aus Kalkstein, aber wenn man die Stalagmiten anfasst (ACHTUNG, das durften wir nur bei einem machen der abgefallen ist, ansonsten ist das streng verboten!!!) hat man wirklich das Gefühl Marmor zu berühren.
Unser Guide führt uns somit über den trockenen Eingang die Treppen hinab in die Höhle, führt uns ganz nach hinten (wo man mit dem Boot aussteigen würde) und erzählt uns dann die Geschichte der Entdeckung. Die ersten Entdecker (die haben die Höhle noch mit einer brennenden Kerze auf dem Hut erkundet, nicht sehr praktisch wenn es immer von der Decke tropft…) sind damals nicht weiter gekommen als bis ungefähr zum ersten Drittel der Tour, der luftfreien Kammer, die bei der Entstehung der Höhle mit Wasser gefüllt war. Da das Gelände immer schwieriger wurde und das Licht der Kerzen nicht ausreichte fanden die Herren die Überführung (das schmale Loch oben unter der Decke) nicht, durch welches sie in die nächste Kammer hätten kriechen können. Diese wurde erst 1935 entdeckt und erst damals konnte die Höhle weiter erkundet werden. Einen so praktischen Weg wie wir ihn heute haben, gab es damals nicht annähernd.
Der Weg durch die verschiedenen Höhlenkammern ist ziemlich cool. Es gibt hier Stalaktiten in vielen Formen und Farben, nur Stalagmiten hat es nicht viele, da der Fluss bis heute durch die Höhle fliesst. Eine der Formationen wird von vielen auch die Speckscheibe genannt und wir sehen auch einen Höhlenschornstein, eine Unterwasserstadt, dort wo die Spiegelung beinahe perfekt ist und der Schaum oben an einigen Steinen zeigt wo das Wasser vor kurzen noch Stand. Als Alleinstellungsmerkmal (haben wir so bisher noch nie gesehen) verfügt die Höhle über den Moses Walk. An einem Punkt, an welchem der Fluss zu hoch und die Decke zu tief war und so den Durchgang verunmöglicht hat, waren die Touren früher fertig. Daher baute man hier Moses Pfad in das Wasser. Einen Kanal mit hüfthohen Seitenwänden der durch das Wasser führt. Auf der einen Seite fliesst der Fluss weiter und auf der anderen Seite entstand ein kleiner See mit spiegelglatter Oberfläche, in welcher sich oben genannte versunkene Stadt spiegelt, ziemlich cool. Wir haben übrigens während der ganzen Tour einen Kleinkampf mit zwei Franzosen, die wie wir unbedingt ganz hinten in der Gruppe laufen wollen. Wir haben gewonnen und sie sollten uns dankbar sein, denn obwohl Joli ab Benis Fürzen (Guinness lässt grüssen!) nur knapp nicht ohnmächtig wird (man gewöhnt sich wohl dran) wissen wir nicht, ob es die Franzosen auch so einfach überstanden hätten. Zudem sind wir auch nicht ganz sicher, ob Beni ungewollt, das Mikroklima dort unten in der Höhle verändert oder zerstört hat.
In dem Gebiet um die Höhlen und Enniskillen gäbe es sehr viel zu entdecken. Aber da wir beide schon wieder müde sind fahren wir erst einmal in die Stadt. Wir wollen eine gemütliche Bootsfahrt auf dem See unternehmen und etwas chillen.
ENNISKILLEN
In der Stadt finden wir ein Pub, bei welchem wir im Hinterhof gratis übernachten dürfen. Es ist die einzige Möglichkeit in der Stadt zu nächtigen. Gut für uns wir haben nämlich Lust auf eine kleine Pub Tour, die Sonne hat sich ja auch längst wieder verzogen. Das Pub ist noch geschlossen. Hmmm… Ein kurzer Anruf und ein kleiner Schwatz auf dem Hinterhof und schon steht Betty für die Nacht bereit. Sobald Paul das Pub öffnet, gehen wir dort natürlich auch noch einen trinken. Bis dahin ab auf den See. Wir wollen ja hier noch eine gemütliche Bootstour unternehmen – aber wie es so ist; diese fahren im April nur Samstag und Sonntag – tja Pech gehabt, heute ist Montag.
Wir streunen ein bisschen in der Stadt herum auf der Suche nach einem geöffneten Pub oder Café. In einem Pub, dass sich als ein Day-Care-Center für Ehemänner empfiehlt kehren wir ein. Wir wärmen uns am Kamin bei lecker Bierchen auf. Dabei erfahren wir, das in diesem Pub ein holzgeschnitzte Tür (mega schön) im Zusammenhang mit der Serie Game of Thrones zu finden ist und man diese Türen über ganz Nordirland sammeln kann. Wir kennen zwar die Serie nicht, die Türen sind aber schön und wir nehmen einen «Sammelpass» mit. Allerdings haben wir noch mehr Freude daran, dass wir uns für Fotos, hinter die richtig coole Bar stellen dürfen.
Wir schlurfen durch die Gassen in Richtung Schlafplatz-Pub, als wir aus dem nichts von einem einheimischen Mann mit seinem Hund angesprochen werden. Er hat uns die Touristen einerseits wohl angesehen und andererseits kam ihm vielleicht die Sprache bekannt vor. Er wollte gleich wissen, woher wir sind, und erzählte uns mit ein paar Brocken Deutsch und Schweizerdeutsch von seiner Reise, im Jahr 1976, in das Berner Oberland. Er kann sich noch gut erinnern, wie teurer schon damals alles in der Schweiz war. Er gibt uns gleich noch ein paar Reisetipps für Nordirland mit auf den Weg und empfiehlt uns das hiesige Schloss zu besichtigen. Eine sehr freundliche, coole Begegnung auf dem Trottoir mit einem spannenden Mix aus Englisch, Deutsch und Schweizerdeutsch. Wir sind immer wieder überrascht wie offen und freundlich die Iren allesamt sind und wie gerne sie einfach ein bisschen mit uns quatschen, das sind wir uns auch nach 4 Wochen noch nicht gewohnt.
Wir kehren kurz bei Paul ein und fragen uns derweilen, wo das Schloss den ist und ob wir hingehen sollen. Wir haben Bilder von hübschen Türmchen gesehen und waren vorhin auch beim Parkplatz und dem Eingang aber wo denn dieses Schloss ist? Man müsste es doch sehen? Auf dem Rückweg in die Stadt sehen wir die Türmchen. Oh jööö! Ja neee, das lassen wir mal. Wir suchen uns lieber ein gutes Restaurant und gehen noch etwas futtern.
Am nächsten Morgen auf dem Rückweg nach Irland fahren wir dafür dem See entlang, welchen wir gestern nicht befahren durften. Leider regnet es in Strömen und wenn man den See zwischen all den Bäumen, dann mal sieht geht das Grau des Wassers fliessend in das Grau des Himmels über und das andere Ufer können wir erst erahnen, als der See schon fast wieder auf die breite eines Flusses geschrumpft ist.

















































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Anita Durtschi (Donnerstag, 23 April 2026 10:49)
Äs isch sehr intressant u luschtig euer Brichtä z läsä u sehr schönä Fotos dörfä z luegä �
Bi vou därbii uf euer Reis �
Merci viu mau für die coole Iidrück �
Benjoli (Donnerstag, 23 April 2026 18:09)
Liebi Anita
Merci viu mau das fröit üs sehr!
Liebs Grüessli Joli u Beni