DIE ABRECHNUNG
Nach 6 Wochen oder genau genommen 39 Tagen haben wir Irland und den Wild Atlantic Way hinter uns gelassen. Und hey, wir sind begeistert!
Zwar haben wir wettertechnisch wirklich täglich alle vier Jahreszeiten erlebt und laut den Iren hatten sie seit November so viel Regen wie seit Jahren nicht mehr (wir Glückspilze) aber das Land ist einfach grossartig. Schon das Gefühl, wenn du dort ankommst. Es liegt irgendwie in der Luft, die Atmosphäre dort ist wunderbar.
Wir haben natürlich auch dort wieder Geld ausgegeben, aber wir sind doch immer noch massiv unter unserem Budget trotz der vielen lecker Bierchen.
VERPFLEGUNG 46%
Wir haben etwas mehr zu Hause gekocht als auswärts gegessen, denn Pub Food ist auch in Irland nicht so unser Ding und andere Restaurants findet man eher in «grösseren» Orten, trotzdem waren es 17 Restaurantbesuche. Allerdings waren wir häufig in Pubs wie man der Anzahl Abrechnungen in der Rubrik Alkohol entnehmen kann (53x). Ist aber auch mega lecker und jede Region hat dann auch immer noch eigene lokale Biere und teilweise auch verschiedene Cider, wobei die Auswahl da schon viel kleiner ist. Da kommt man aus dem Probieren nicht mehr raus. Wir haben sogar eine Liste geführt mit den Sehr guten, guten und «nicht mehr bestellen» Bieren und Cider.
TRANSPORT 25%
Der Dieselstreik und der daraus resultierende Treibstoffmangel (zeitweise hatten über 600 Tankstellen im Land keinen Treibstoff mehr) haben die Preise zum Glück von 2.35 wieder auf 2.00 – 2.10 Euro sinken lassen. Immerhin haben wir in 193 Stunden und 3498 Kilometern 393 Liter Diesel verbraten. Wir waren mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 37km/h deutlich langsamer unterwegs als noch in Spanien und Frankreich. Einerseits gibt es, während dem Fahren einfach wahnsinnig viel zu sehen, andererseits lassen die Strassen mit einem Camper viel höhere Geschwindigkeiten kaum zu, da sie häufig eng und vor allem bumpy sind. Es geht hin und her, rauf und runter und nebst Löchern in der Strasse hat es wirklich andauernd so kleine Hügelchen und Unebenheiten, da fliegt dir alles um die Ohren wenn du zu schnell unterwegs bist.
Das ein oder andere Mal (4x) haben wir die Wasserverbindung genutzt. Einerseits um überhaupt auf Irland zu kommen, aber auch um Wege abzukürzen oder Inseln zu besuchen.
Im Gegensatz zu Spanien und Frankreich haben wir aber keine ÖV genutzt in Irland. Einzig einmal den Zug und einen Shuttle Bus. Auch Mautgebühren mussten wir hier nur einmal für einen Tunnel zahlen, da es in Irland nur wenige Strassen gibt, für die eine Mautgebühr verlangt wird.
Dafür waren wir vermehrt mit dem Velo unterwegs, aber leider lange nicht so viel wie geplant, da das Wetter einfach nicht mitgespielt hat. Immerhin 5x während rund 8 Stunden und 137 Kilometern. Da wir eigentlich auf den Plätzen nur Strom brauchen, wenn wir die Akkus laden müssen, sollten wir wohl diese Zusatzkosten den Velos und dem Transport anrechnen, aber wir wollen ja hier nicht päpstlicher als der Papst sein.
Und wir waren sehr viel zu Fuss unterwegs – stundenlang, kilometerweit. Mal etwas zackiger aber meist gemütlich. Würden wir jedes Dorf und jede Stadtbesichtigung sowie zahlreiche Aussichtspunkte etc. summieren gäbe das sehr viele Schritte. Das Hop-On/Hop-Off-Getue von Joli wäre da noch nicht eingerechnet, wenn sie alle paar Meter wieder aus dem Auto springt, um zu fotografieren. Aber wir notieren nur die Fusswege, welche wir geplant haben oder die einer bestimmten Route folgen und wo uns entsprechen die Kilometer bekannt sind. Alles andere würde den Rahmen sprengen. Auch so waren es immerhin schon 54 Kilometer während rund 14 Stunden auf 10 Wanderungen.
SCHLAFPLATZ 15%
Langsam öffnen die Campingplätze aber vor Ostern war es schwierig.
Wir waren total 21 Nächte auf 10 verschiedenen Campingplätzen, 5 Nächte alleine in Kilkenny während dem Festival. Während 6 Nächten schliefen wir auf 5 verschiedenen Stellplätzen, 2 Nächte auf zwei Parkplätzen (obwohl Wild-Campen in Irland nicht erlaubt ist, aber es mangelte einfach an Alternativen) und einmal übernachteten wir bei einem Pub. Im Grossen und Ganzen waren die Nächte häufig laut und unruhig, was aber einfach an dem ständigen starken Wind, dem andauernd neu einsetzenden Regen oder gar dem ohrenbetäubenden prasselnden Graupel gelegen hat.
SONSTIGES 14%
Da hier auch Sightseeing drin ist haben wir es etwas in die Höhe getrieben verglichen mit Frankreich. Immerhin bezahlten wir 19 Eintritte (in Schlösser, Leuchttürme, für Cliffs, Pferderennen (inkl. Wetten), Höhlen, Abbeys, Parks & Gärten, Museen, Aussichtspunkte sowie für die Feuershow und die Parade am St. Patricks-Day). Waschen nimmt auch einen grossen Posten ein. Während wir immerhin 6x gewaschen haben, hat Betty nur 2x eine Ganzkörperwäsche bekommen – ist irgendwie Wasser in den Fluss getragen so schnell wie sie wieder dreckig ist. Ein bisschen etwas ging noch für Souvenirs und das ESTA für GB drauf.
KURIOSES
In Kilkenny haben wir schon festgestellt, dass Pilz-Frisuren bei den Jungs wohl Mode sind. In einer Bar ein paar Wochen später meinte Beni: «Ah schau der Barkeeper hat Feierabend, jetzt hat er seine Alltagskleider angezogen» Ein paar Minuten später: «Hööö? Wieso ist er jetzt wieder umgezogen hinter der Bar?!» Nicht gleicher Barkeeper, nur gleiche Pilzfrisur und ebenfalls eine Brille – die sahen wirklich fast gleich aus so. Bei den jungen Frauen ist dann eher Arsch und Brust raus in Mode, Shorts und Top treffen sich ungefähr in der Körpermitte (aber auch nicht immer) mit Start jeweils knapp unter der A-Backe resp. über den Brüsten. Viel Stoff ist das nicht bei diesen Temperaturen. Brr!
Auf dem Land haben wir häufig den Geruch von Feuer wahrgenommen und konnten ihn nicht einordnen. Grill-Saison war ja nicht gerade. Viele Häuser werden noch mit Torf beheizt, was einen speziellen Rauchgeruch ergibt, welchen wir aber irgendwie noch mögen. Auch in jedem Pub brennt ein warmes, kuschliges Feuer, das ist herrlich.
In Supermärkten gibt es häufig Angebote wie «Kombiniere 2 oder 3 für xx EUR» und man kann alle gängigen Menus fertig gekocht kaufen. Aber nicht so in Massenproduktionsverpackungen wie bei uns ein Reis Casimir oder Spaghetti zum Aufwärmen, sondern es sieht aus, als hätte es dein Grosi heute Morgen gekocht, in eine Aluschale für dich abgepackt und du kannst es nur noch in den Ofen schieben. Allerdings kannst du auch hier von «Heinz» Tomatenspaghetti aus der Dose kaufen und hast erst noch die Werbung drauf, dass du damit 1 von 5 (1 von 5 Gemüsen oder Früchten pro Tag) zu dir nimmst – ja genau haha!
Fast Food Ketten wie Mc Donalds, Burger King etc. gibt es hier, wenn überhaupt nur in den Grossstädten, wir haben genau einen gesehen!
In den Dörfern sind alle Häuser kunterbunt und die Briefkästen und Telefonzellen sehen zwar aus wie in England sind aber hier grün. Uns gefällts! Wenn ein Haus mal nicht bunt ist, ist es aus wunderschönem Stein gemacht. Alte Steinhäuser, lässt man einfach stehen und verfallen, daher sieht man überall Ruinen, was aber hier ganz und gar nicht schäbig wirkt im Gegenteil, es hat Charme. Denn es ist nicht ungepflegt und schmutzig sondern verfallen und von der Natur zurück erobert!
Die meisten Häuser sind hier einstöckig (auf dem Land), manchmal sieht man zwei- oder dreistöckige Häuser (in den Städten). Wohnblöcke sind uns keine aufgefallen. Beni ist aber aufgefallen, dass viele Häuser einen kleinen Seefrachtcontainer im Garten oder irgendwo ums Haus stehen haben. Wieso? Keine Ahnung. Aber Google hilft: «Seefrachtcontainer sind in irischen Gärten (und oft auch auf dem Land) populär, da sie eine kostengünstige (Einwurf Beni: die Zeiten sind wohl vorbei), extrem robuste und sofort verfügbare Lösung für verschiedene Speicher- und Nutzungsprobleme darstellen.» Aha.
Wir haben unzählig Städte und Dörfer gesehen, die einen Preis für die sauberste Stadt in einem bestimmten Jahr erhalten haben. Sauberkeit ist hier ein grosses Anliegen. Überall sieht man Müll-Sammler mit gelben Westen, zu jeder Tageszeit und an jedem Wochentag, noch das kleinste Fetzelchen Abfall einsammeln. Alle Städte und Dörfer sind extrem sauber und überall werden hohe Strafen für illegale Müllentsorgung angedroht.
Obwohl es scheint, als würden die meisten Iren in gemütlichen Einfamilienhäusern wohnen, sitzen sie gerne auf Parkplätzen in ihren Autos rum und verbringen da manchmal Stunden. Sie kommen an, parkieren, bleiben sitzen und gehen wieder. Faszinierend.
Würden wir in Irland leben, würden wir unser Kind niemals Patrick taufen. Das arme Ding bekäme wohl innert Kürze Verfolgungswahn. Der Name ist omnipräsent, überall!
Wenn wir unsere Flüsse betrachten, scheinen diese doch in der Regel blau, grün oder grau. In Irland sind die fast immer sehr dunkel mit einem roten oder braunen Ton (aber sehr klar). Unsere Vermutung; das liegt an den Guinness-Resten, die in die Flüsse gelangen (könnte aber auch Tee sein). Nein Spass! Wer würde den freiwillig Guinness verschwenden! Tatsächlich liegt es am Torf respektive den daraus gelösten Huminsäuren, da viele Flüsse durch Moorlandschaften fliessen.
Pub-Kultur: wir haben in den Pubs sogar ein paar Sachen gelernt.
- Sláinte (für uns klingt es wie Slo-ontaa) heisst Prost.
- Guinness ist kein Bier! Guinness ist ein Stout!
- Hot Whiskey ist der irische Glühwein. Serviert mit einem, mit Nelken gespickten, Schnitz Zitrone. Lecker!
- Egal was du bestellst, dass Glas respektive die Beschriftung passt immer zum Getränk und die Gläser sind extrem sauber.
Alkohol wird nicht überall verkauft. Die meisten Cafés haben keine Lizenz und auch lange nicht alle Läden. Zudem wird Alkohol nur zu bestimmten Zeiten verkauft. Am Sonntag zum Beispiel erst ab 12:30.
Bingo und Lotto scheint ein Volksport zu sein, andauernd sehen wir Plakate und Werbungen für einen entsprechenden Anlass.
Irland hat aber auch sonst spannende Sportarten. Rugby haben wir in einem Pub mal geschaut, dass kennt man ja noch so, wobei American Football wohl bekannter ist. Aber es gibt noch was ganz spannendes: «Gaelic Football». Da gibt es Rugbytore und darunter Fussballtore und gespielt wird mit den Händen und den Füssen nach einem Mix aus Fussball und Rugby Regeln. Never seen before! Der Match im Pub war echt fesselnd und zutiefst verwirrend.
Auch Hurling ist so eine Sportart. Wir haben häufig Kinder mit den Schlägern rumlaufen sehen. Scheinbar ist es eines der schnellsten Rasenspiele der Welt, dass über 2.000 Jahre alt und UNESCO-Kulturerbe ist. Es wird mit einem Schläger (Hurley – sieht für uns aus wie ein Mix zwischen einem Baseball und Hockeyschläger) und einem kleinen Ball (Sliotar) gespielt.
Das Wetter: vier Jahreszeiten an einem Tag ist der Klassiker. Aber das Irland seit November so viele Regenfälle wie seit Jahren nicht mehr hatte wird uns immer wieder erzählt während der sechs Wochen. Zuerst Spanien, dann Frankreich, jetzt Irland… Die Wetterextreme nehmen offenbar zu. Und obwohl wir Wind lieben, geht er uns nach 6 Wochen (und zuvor schon in Spanien andauernd) nun echt langsam auf den Wecker! Beni ist sogar so weit einen Regentag einem sonnigen Tag mit Wind vorzuziehen.
Die irischen Autofahrer sind, wie die Spanier auch schon, extrem relaxt unterwegs, kein Drängeln, kein Auffahren und absolut rücksichtsvoll. Man lässt keine Gelegenheit aus, dem anderen den Vortritt zu gewähren. Und wenn man dann selbst den Vortritt hat, wird immer mit einem kurzen Heben eines Finger oder mehreren Fingern (es scheint da Regeln zu geben) gegenseitig gegrüsst, respektive sich bedankt. Ausser dem Spiegelklatscher gleich am ersten Tag in Irland, bei welchem übrigens das kleine Seitenglas des Spiegelblinklichts kaputt gegangen ist (haben wir erst Wochen später bemerkt und ist immer noch kaputt), ging immer alles glatt.
Das Fingerspiel im Auto (ja es gibt tatsächlich einen Bericht im Internet der heisst so!) folgt bestimmten Regeln. Vor allem auf dem Land wird jeder gegrüsst. Das zeugt von Aufmerksamkeit und Respekt. Wir bekommen eigentlich von jedem entgegenkommenden Auto (mit Ausnahme in den Städten) den Zeigefinger gezeigt. Das ist die Begrüssung für Fremde. Ein Bild von Broadsheet.ie (Cyril [ed07042016]) zeigt die verschiedenen Varianten (siehe unten) und Markus Bräuchle beschreibt es gut und witzig in seinem Beitrag auf: https://irlandnews.com/irische-gesten-das-fingerspiel-im-auto/#
Eine kurze und lustige Muss-Lektüre für alle die in Irland mit dem Auto unterwegs sein wollen.
Irland hatte viele Könige. Es gab den Hochkönig, der mächtigste der Provinzkönige, diese wiederum hatten auch noch Oberkönige und teilweise Regionalkönige. Also die Chance sich dazumal irgendwie König und oder Königin nennen zu dürfen wirkt auf uns entsprechend hoch. Die vier Provinzen (damals vier Königreiche) Connacht, Leinster, Munster und Ulster gibt es heute immer noch. Wobei einige Grafschaften der Provinz Ulster in Nordirland liegen. Somit sind die Grafschaften zwar in der gleichen Provinz aber gleichzeitig in einem anderen Land – hä? Ja ist nicht ganz einfach.
In Irland gibt es überall an der Küste grossflächige Markierungen aus hellen Steinen wo «EIRE» (Irisch für Irland) geschrieben steht. Diese Markierungen dienten während des Zweiten Weltkriegs dazu den Flugzeugen zu signalisieren, dass sie neutrales Gebiet überfliegen.
Ah ja, fast vergessen. Wusstet ihr das Irland Fotospots mit Schildern, wo Kameras drauf sind, markiert? Beni wusste das auch nicht und Joli hatte wohl einen kurzen Aussetzer bei der Aussage «guck da kommt ein Fotospot», als sie das Radarschild gesehen hat.




































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