LOCH DOON
Wir haben am Dooner-See (Thunersee hiiiihiiii) zwei Nächte gebucht, damit wir hier etwas das schöne Wetter geniessen können, einerseits beim Wandern, andererseits draussen an der Sonne vor dem Camper. Allerdings machen wir nicht zuerst das eine, dann das andere sondern während Beni den Liegestuhl geniesst wandert Joli umher. Benis Geschichte ist schnell erzählt. Zuerst sitzt er im Camper weil es kalt und windig ist und später dann draussen inkl. aufgetragener Sonnencreme an der kalten, windigen Sonne.
NESS GLEN WALK
Joli wandert los, dem See entlang in Richtung Damm und in Richtung des 3-6 Kilometer langen Weges durch das Ness Glen, dem Fluss entlang. Ein schmaler Weg führt direkt an den See und ist irgendwann einfach weg und somit muss der Weg zurück zur Strasse durch stacheliges, sumpfiges Gras zurück gelegt werden (nein umkehren ist eigentlich fast nie eine Option). Am Damm angekommen, dann los auf den Wanderweg. Bei der ersten Kreuzung, dann mal den Pfeil googeln (Internet ist hier Mangelware – aber es geht knapp). Hoppla, das ist der 13 Kilometer Wanderweg in die Berge und nicht der, welcher dem Fluss entlang führt. Also umkehren. Als dann der richtige Weg gefunden ist, heisst es «der untere Weg dem Fluss entlang ist wegen umgefallenen Bäumen gesperrt». Na, dann muss man halt den Rundweg auf dem oberen Weg machen. Ein schöner Weg und teilweise hölzerner Steg führt durch den schön sonnendurchfluteten Wald. Im Gegensatz zum Campingplatz ist es hier windstill und ziemlich warm. Ein kurzer Schwatz mit den drei Opas, welche gemütlich an die Mauer gelehnt ihr Picknick geniessen und weiter geht’s. Auf der anderen Seite der Mauer ist plötzlich das alte Fort sichtbar und da kommt auch sehrt einladend ein Loch in der Mauer. Also ab querfeldein auf zum Fort. *mmschpf*. Ungefähr so klingt es, wenn der Turnschuh um sumpfigen Feld im Matsch versinkt und wieder raufgezogen wird. Vermutlich hätte auch der Weg durch denn Wald irgendwann in den Weg zum Fort gemündet aber ein bisschen Abenteuer muss sein. Das Fort (nicht gesucht und trotzdem gefunden) muss einmal umrundet werden, um eintreten zu können. Von aussen «Hui» von innen «Pfui», aber der Turm muss trotzdem erklommen werden, obwohl es etwas unheimlich ist, so mutterseelen allein in so einer heruntergekommenen Ruine mitten im Wald. Auch dieses Abenteuer ist überstanden und jetzt geht es steil runter zum Fluss. Also entweder jetzt umkehren (der untere Weg, um zurückzukommen ist ja gesperrt) oder alles wieder rauflaufen? Oder Variante drei; vielleicht ist auf dieser Seite ja nicht geschrieben, dass der Weg gesperrt ist…
Auf dieser Seite sind sogar beide Wege gesperrt. Ah ja,… Ist ja mal wieder spannend. Dann der Strasse entlang zurück? Aber nein, da kommen gerade ungefähr 10 Personen, inklusive einem Baby, vom gesperrten unteren Weg entgegen. Na, dann wird das schon gehen. Und es geht auch, die umgefallenen Bäume sieht man zwar noch, aber der Weg wurde um oder unter den Bäumen herum wohl schon seit einiger Zeit aufgeräumt, nur die Schilder haben es wohl nicht weggeschafft.
Es lohnt sich auf jeden Fall und der Rückweg direkt am Fluss, ist wunderbar kühl und angenehm. Aus der geplanten halben Stunde wurden mehr als zwei, aber es war ein schöner Ausflug, welcher nun bei einer Flasche Rosé auf dem Campingplatz wunderbar ausklingt. Übrigens ist der Galloway Forest Park auch der «Galloway International Dark Sky Park», also ein hervorragender Ort, um Sterne und die Milchstrasse zu betrachten. Wir haben Glück, beide Nächte sind wolkenlos, was ja selten genug vorkommt. Aber wir haben auch Pech, der Mond leuchtet wie ein Scheinwerfer so hell und grell, das Joli Stativ und Kamera wieder wegpacken kann.
SWEETHEART ABBEY
Einmal quer durch die Region Dumfries und Galloway bis nach Gretna Green ist das übergeordnete heutige Tagesziel. Dabei fahren wir plötzlich auf der «Galloway Tourist Route to Gretna Green». Passt ja wunderbar. Wir fahren ein Stück durch den Galloway Forest Park und kommen zum ersten Stopp, der Sweetheart Abbey. Die Abbey ist anscheinend schon länger nicht mehr in Betrieb, da fehlen ein paar Dächer und Wände (mal eine andere Umschreibung von Beni für «Steinhaufen»). Und ausser von aussen gucken, kann man aktuell auch nicht in die Ruine rein, da hier gerade ein Baustelle ist mit vielen, unmissverständlichen Beschriftungen, betreten Verboten. Trotzdem spazieren hier Touristen umher, im Gegensatz zu uns haben die es geschafft das Tor zu öffnen (direkt dahinter wird darauf aufmerksam gemacht, wo man die Tickets kaufen kann), aber wir kommen da nicht rein und wirklich geöffnet sieht es für uns auch nicht aus. Wir gehen auf den Friedhof gleich nebenan und schauen uns die Ruine halt von aussen an und während Joli Fotos macht spielt Beni verstecken hinter den Grabsteinen (wer findet Beni?).
CAERLAVEROCK CASTLE
Das Wasserschloss, welches aber leider nicht zum National Trust of Scotland gehört, ja wie jetzt? Ah, jetzt ja, nebst dem NTS gibt es auch noch Historic Scotland, wie wir am Besucherzentrum erfahren. Historic Scotland ist eine Marke der schottischen Regierungsbehörde die über 300 bedeutende historische Stätten (Burgen, Schlösser, Klöster) verwaltet und pflegt. Ist halt nicht ganz das gleiche aber okey dokey, dann lösen wir doch hier auch gleich noch einen Jahrespass (Kostenpunkt 125 Pfund – «mir händs, mir gänds» meint Beni gönnerisch). Das kleine und früher wahrscheinliche feine, dreieckige Schloss, von Wasser umgeben, ist relativ zackig begluppscht. Beni macht auch etwas Druck der Blick in den Himmel macht ihm Angst, da kommt in Kürze was daher. Er soll Recht bekommen, als es zu tröpfeln beginnt sticht Beni im Laufschritt davon in Richtung Parkplatz. Joli sieht das nicht so eng und will das Schloss noch rundherum von aussen fotografieren. Gleich als Beni bei Betty ankommt und Platz nimmt, prasselt der Regen vom Himmel hinab. So richtig dicke, fette Tropfen fallen hier, nicht nur so Nieselpiesel-Blödsinn-Regen wie in Irland. Mit einem verschmitzten Lächeln begrüsst Beni fünf Minuten später das entsprechend pflotschnasse Joli.
GRETNA GREEN
Die Heiratsschmiede auf schottischem Boden, ideal für die Eheschliessung junger Engländer (unter 21) die ohne Erlaubnis der Eltern heiraten wollen. Gretna Green ist ein Dorf in Südschottland an der Grenze zu England. Auf der alten Postkutschenroute von London nach Edinburgh war Gretna Green das erste Dorf in Schottland und wurde durch die unterschiedlichen Gesetzgebungen berühmt, da sich hier viele junge Engländer trauen liessen. Wo man in England bis 21 die Einwilligung der Eltern zur Hochzeit brauchte, durfte man in Schottland ab 12 (Frauen?!*) und ab 14 (Männer?!*) bereits heiraten (*bei uns sind das dann eher noch Meitli & Buebe in dem Alter…).
Heute ist das Dorf eine Touristenattraktion par excellence, fast schon eine Touristenfalle. Es ist zwar hübsch gemacht aber die paar Häuser, welche zusammen ein kleines Dorf darstellen sollen, beherbergen, nebst der Schmiede natürlich, ausschliesslich überteuerte Souvenirshops, Läden und Cafés. Für die Schmiede bezahlt man aber noch 6.50 Eintritt pro Person, ausser man bucht eine kurze symbolische Zeremonie für 99 Pfund, dann ist der Eintritt wohl dabei.
Den vielen asiatischen Touristen, welche in Reisebussen angekommen sind, scheint es zu gefallen, da wird eingekauft, was das Zeug hält. Im Schmiedezimmer, mit dem Amboss in der Mitte wurde damals wie auch heute noch geheiratet. Auf dem Hinweg haben wir sogar eine Braut gesehen, die gerade in das Hotel nebenan eingecheckt hat. Naja, also romantisch ist ja anders. Uns gefällt es nicht hier uns so trotten wir nach etwa 15 Minuten vor Ort schon wieder davon.
Übernachtet wird im Nachbardorf Ort (Gretna) im Garten eines privaten Parkplatzanbieters. Der Mann verdient sich hier ordentlich was dazu, indem er in seinem riesigen Garten 5 Plätze für Camper auf der Durchreise anbietet. Die Nacht kostet 15 Pfund inkl. Ver- und Entsorgung und im Outlet Shopping Village gleich um die Ecke gibt es auf seine Kosten je ein Gratisgetränk nach Wahl im Cornish Coffee. Am nächsten Morgen wollen wir entsprechend eigentlich nur unseren Kaffee im Outlet Dorf abholen gehen. Letztendlich bleiben wir über eine Stunde und legen ein extrem effizientes Turboshopping hin das seines gleichen sucht. Von den etwa 20 Shops besuchen wir etwa die Hälfte und brauchen pro Shop im Schnitt etwa 5 Minuten. Ein paar davon sind innert weniger Sekunden als inkompatibel mit unserem Stil abgestempelt (haben wir überhaupt einen?) und ein paar davon erhalten unsere Aufmerksamkeit etwas länger. Beni kauft sich ein T-Shirt und einen Pullover für 25 Pfund und Joli gönnt sich ein Jupe, 2 T-Shirts für 50 Pfund. Wir hassen beide Kleider Shopping, aber hier ging alles sehr zackig und halbwegs preiswert von statten. Nun sind wir wieder ausgerüstet für die nächsten paar Jahre.





















































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