ALNWICK RFC & FC THUN
Welcome to England. Auch zwischen Schottland und England verschmelzen die Grenzen unbemerkt. Lediglich eine kleine Tafel weisst auf die Grenze hin. Da wir in knapp 2 Wochen, Besuch in Edinburgh erwarten, haben wir die Regionen Dumfries & Galloway und die Scotisch Bordes mit ins Programm genommen. Dazu gehört natürlich auch ein kurzer Abstecher nach England. Von Newcastle upon Tyne ganz in der Nähe hier, fährt in ein paar Wochen schon unsere Fähre nach Amsterdam. Aber da wir von der Fähre in Cairnryan bis Edinburgh eigentlich lediglich 3 Stunden gebraucht hätten müssen wir die 15 Tage irgendwie überbrücken, weshalb wir zusätzlich den einen Punkt in Nordengland nahe der Grenze halt schon jetzt abhaken, statt auf dem Weg zur Fähre.
Wir sind gerade auf dem Parkplatz des Rugby Football Clubs von Alnwick angekommen. Hier kann man übernachten, die Club eigenen Duschen benutzen (waren sehr sauber) und im Clubhaus ein Bier trinken, damit verdient sich der Club etwas in die Kasse dazu. Das Bier schmeckt heute doppelt so gut, denn soeben ist der FC Thun Schweizer Meister geworden, herzliche Gratulation aus Schottland.
ALWNICK CASTLE
Eigentlich war hier nur Bamburgh Castle geplant, aber Joli hat während der Fahrt dorthin dieses Juwel entdeckt (jedoch lediglich wegen dem Titel «Willkommen in Hogwarts» (abe ke Detai)) und somit nehmen wir dieses Schloss als erstes ins Programm heute.
Alle guten Dinge sind Drei. Nach dem National Trust Pass und dem Historic Scotland Pass besitzen wir nun auch den Historic Houses Pass, welcher auch noch mal 134 Pfund gekostet hat (leider haben wir Abbotsford House noch separat bezahlt und bekommen das nicht zurück, also kostet er uns eigentlich 176 Pfund).
Wir lernen daraus, etwas mehr vorausschauende Planung wäre wohl hilfreich gewesen. Nun sollten wir, natürlich bis auf die privaten oder ganz exklusiven Königsschlösser (die kosten dann nochmals wieder separat) für fast alle Fälle gewappnet sein. Auch das Parking hier kostet wieder extra, da rollt der Rubel. Bei der Eingangskontrolle blitzen wir dann aber gleich ab, da wir nur einen von zwei Pässen (QR Code) per Mail zugestellt bekommen haben. Wir sind davon ausgegangen, dass wir wie bei den anderen, einen Partnerpass erhalten haben (also nur einen QR Code). Mühsame Abklärungen, Verschwendung vieler Nerven aber einen zweiten, etwas genaueren Blick in das Mail Postfach und das Problem löst sich auf, der zweite Code ist auch da. Während Beni beim Sachen suchen die Augen mehr aufmachen sollte, wäre es hilfreich wenn Joli die Dinge ganz und nicht immer nur halb durchlesen würde, tztz.
Also nun aber rein in die Hütte, Beni ist genervt, wie die Sau, das dürfte einen vernichtenden Bericht geben. Denn nur weil das Gelände ab 10Uhr offen ist, heisst das noch lang nicht dass man dann auch ins Schloss rein darf, das ist dann erst um 10.30 geöffnet. Also wieder warten, gar nicht gut für Benis Nervenkostüm. Die Anspannung löst sich aber schnell, nachdem wir eingetreten sind (obwohl das Fotografierverbot kurz für Unmut sorgt), die Hütte ist schwer beeindruckend. In allen Räumen stehen 1-2 Aufpasser, gekleidet wie Butler (sehr elegant) damit ja niemand ein Foto macht oder irgend etwas berührt oder mitnimmt, denn im Winter ist die Hütte dauerhaft vom Duke und der Duchess of Northumblerland bewohnt und somit stehen auch überall private Fotos rum. Die chicen Butler sind aber nicht nur Aufpasser, die Leute wissen auch bestens über die Geschichten des Schlosses, die Familie und so weiter Bescheid, um uns Auskunft zu geben. Die Familie selbst macht im Sommer jeweils Platz und öffnet die Tore für Besucher. Zu sehen gibt es einen Traum von einem Anwesen, wir nehmen uns sehr viel Zeit und laufen den Rundweg gleich zweimal ab. Wir lassen die Bilder für sich sprechen... (...schreibt Beni. Haha korrigiert Joli: wie denn wenn fotografieren verboten war?!).
Stellt euch einfach vor: alles ist gross, protzig, alt, glitzert und ist in grossen Mengen und alle möglichen Grössen vorhanden. Da wird Geschichte lebendig. Unzählige Gemälde von Vorfahren der jetzigen Bewohner umschlossen von gigantischen goldenen oder hölzernen Rahmen, die verziert sind mit Schnitzereien und Figuren, die das Bild noch übertreffen. Soll der Fokus auf dem Gemälde oder dem Rahmen liegen? Das ist nie ganz klar. Über 14'000 teilweise Jahrhunderte alte Bücher in einer Bibliothek, die wohl grösser ist als unsere Wohnung und in welcher man über eine Hintertür auf den Balkon, mit noch mehr Büchern, kommen kann. Grosse protzige Sofas aus bordeauxrotem Samt oder mit grossen Blumenmustern. Vorhänge in der Grösse eines Swimmingpools mit Stickereien, die in schlechtem Licht und während teilweise jahrelanger Arbeit gemacht wurden. Ebenso wie die aufwändig gestickten Wandteppiche die lebendig Geschichten aus vergangenen Zeiten erzählen. Alte Schwerter mit diamantverzierten Schwertknäufen. Ob die wohl geschwungen wurden und in den unzähligen Kriegen Blut gefordert haben? Bei den einen sehr wahrscheinlich, andere waren sicherlich immer nur ein Statussymbol. Die aktuelle Hausdame findet übrigens gefallen an ausgestopften Tieren. So finden sich auf vielen Sofas kleine Hunde und in fast allen Räumen ausgestopfte Ratten - ja wenn man so reich ist, wird man offenbar auch etwas komisch. Was soll man noch sammeln, wenn man alles besitzt? Ratten! Logo! Ganz ehrlich: die Räume lassen uns ehrfürchtig staunen und wir würden lügen, wenn wir behaupten würden, das man hier nicht ein klein wenig neidisch wird. Nicht einzig wegen dem materiellen Wert all dieser Dinge oder der schönen Optik, nein vor allem die Tatsache das es sich hier um Jahrhunderte alte Gegenstände handelt und jeder erzählt seine eigene Geschichte. Während unsereins sich solche Dinge in Museen anschauen kann, leben diese Menschen mittendrin. Danke Duke und Duchess of Northumberland für den Einblick in euer Heim.
Und das war nur der bewohnte Teil des Schloss, weiter geht es auf dem Gelände um das Schloss, denn auch hier wird einiges geboten. Die Gärten sind noch etwas weiter weg und man muss separat Eintritt bezahlen und da bisher noch braun statt grün und bunt dominiert, lassen wir die Gärten aktuell noch aussen vor.
Auf der Wiese im Innenhof vor der grossen Mauer, vor welcher die Harry Potter Besen-Szenen (1. Flugstunde) gedreht wurden, kann man nämlich gleich selbst Besenflugstunden erleben. Naja, also ein Nimbus 2000 ist das ja schon mal nicht womit die da «rumfliegen», meint Joli und es sieht auch so aus, als ob viele Teilnehmer (es hat von jeder Altersgruppe mit dabei) den Unterschied zwischen einem Besen und einem Steckenpferd nicht ganz begriffen haben. So deuten wir auf jeden Fall die galoppartigen Bewegungen der Meisten Teilnehmer. Wir schauen dem lustigen Treiben etwas zu und spazieren dann weiter durch das Schlossgelände. Dabei kommen wir an einer Drachensuche vorbei, also eine grosse Ecke in der Schlossmauer, welche über eine wacklige Hängebrücke in ein düsteres Spiegellabyrinth mit verschiedenen Effekten führt und die ein oder andere Überraschung bereit hält. Wir haben jedenfalls unseren Spass. Das Kriegsmuseum mit vielen Medaillen und Orden ist schnell beglubscht und so spazieren wir noch über die Schlossmauern. Das Bogenschiessen kostet wieder 6 Pfund extra und nein es ist auch in keinem unserer Pässe enthalten. Als wir rausgehen, startet gerade eine geführte Tour zu den ganzen Szenen für Filme und Serien, welche im und um das Schloss gedreht wurden. Es wird einiges fürs Geld geboten, also von uns gibt es das Prädikat, sehr empfehlenswert.
BAMBURGH CASTLE
Uhtred von Bebbanburg (heute Bamburgh). 13 Romane von «Die Uhtred-Saga» (oder «Sachsen-Geschichten») hat Joli gelesen und gleich darauf die 5 Staffeln der Serie «The last Kingdom» geschaut. Klar also, dass die berühmte Burg besichtigt werden muss.
Nach etwas mehr als zwei Stunden im und um Alnwick Castle düsen wir weiter nach Bamburgh Castle. Das Düsen wird aber schnell gestoppt, denn auf der Schnellstrasse A1, auf welcher wir uns befinden, gab es nur wenige hundert Meter vor uns einen heftigen Unfall und wir stehen im Stau, nix geht mehr. Insgesamt düsen dann 7 Polizeifahrzeuge an unserer Kolonne vorbei. Einige wenden und fahren zurück, während von der Gegenseite noch immer Fahrzeuge mit fast 100 km/h angerast kommen. Crazy! Nach einer halben Stunde werden wir von einem solchen Auto informiert, dass die Strasse beidseitig gesperrt wurde und das für mehrere Stunden. Jetzt drehen auf beiden Seiten der Unfallstelle alle um. Wir drehen ebenfalls wie alle anderen mitten auf der Fahrbahn um und umfahren das ganze über die Landstrassen.
Das Bamburgh Castle sieht von weitem prächtig aus, wie es auf seinem Hügel thront, direkt am Meer. Aber es hat es bei uns nun extrem schwer, da Alnwick wirklich der Hammer war. Bereits auf dem Parkplatz regen wir uns fürchterlich auf, da man mit einem QR-Code (welcher kaum noch scanbar ist) im Internet bezahlen soll, man aber keinen Empfang hat. Am Ende bezahlen wir statt für die Nacht nur für 4 Stunden und laufen los. Da nichts angeschrieben ist, schon mal in die falsche Richtung. Also wieder zurück. Das Schloss selbst, respektive die Räumlichkeiten sind im Gegensatz zu Alnwick schrecklich langweilig und die alten Gegenstände und Räume werden auch noch durch irgendeine Kunstaustellung von lustig in Szene gesetzten Tieren im Zirkusstil in Kombination mit übertrieben hässlichen Blumenarrangements, in unseren Augen schon fast lächerlich gemacht. Wir können damit überhaupt nichts anfangen, es passt einfach nicht hierher und zueinander. Die riesige Halle ist jedoch ein Augenschmaus, aber sonst lautet das Fazit «leider nein». In weniger als 15 Minuten sind wir wieder draussen im Innenhof. Auch das hiesige Museum passt völlig nicht zum Schloss ist aber doch sehr spannend gemacht. Es gibt Originalteile (Motoren, Pneu, Propeller, Waffen ect.) von Kampflugzeugen aus dem zweiten Weltkrieg, welche hier in der Umgebung abgestürzt sind. Also wer wenig Zeit hat und vielleicht auch nur ein Schloss besichtigen will, ab nach Alnwick das Teil ist geil. Dafür könnt ihr Bamburgh Castle getrost auslassen. Und das sagt sogar Joli als «The last Kingdom»-Fan. Auch der Spaziergang am Strand hat irgendwie nicht die erwarteten schönen Aussichten auf die Burg gebracht, auch wenn er schön und entspannend war (für Joli, Beni hat sich in dieser Zeit ein entspannendes Eis gegönnt). Eine Enttäuschung oder einfach eine zu hohe Erwartung und zu genaue Vorstellung.
Gut generell kann man sagen, dass es zwar lustig ist Orte zu besuchen, die man im Fernsehen gesehen hat oder im Fernsehen, dann Orte zu entdecken die man live besucht hat. Aber im Grossen und Ganzen ist das «Drehorte jagen» eher enttäuschend und nimmt einer Serie oder einem Film den Zauber. «Outlander» zum Beispiel wurde zum grössten Teil in Schottland gedreht (auch hier hat Joli natürlich zuerst die Bücher gelesen und dann erst die Serie geschaut). Aber es ist viel spannender, die in den Büchern beschriebenen Orte zu suchen und sich dann vorzustellen, wie es war, als die Drehorte der Serie zu besuchen und festzustellen, dass sie an einem völlig anderen Ort gedreht wurden, als sie spielen. Und das dann auch noch die 10 Sekunden Aussenansicht eines Schlosses hier gedreht wurde, während die folgenden Innenaufnahmen, etwa zwei Stunden entfernt dort gedreht wurden. Irgendwie doof. Bei «The last Kingdom» gibt es zwar wirklich einige Szenen beim Bamburgh Castle gedreht wurde, der grösste Teil der Serie wurde aber nicht einmal in England sondern in Ungarn gedreht. Für Serien-Fans vielleicht trotzdem spannend, für Leute wie Joli die die Bücher eh immer besser findet, als die Serien oder Filme die daraus entstehen, ist es ein Witz. Bei Alnwick hat Joli die Mauer der ersten Flugstunden von Harry Potter zwar dann sofort erkannt, aber die anderen zwei Szenen (von insgesamt acht Filmen und unzähligen Szenen), die auch noch dort gedreht wurden, musste man dann schon «suchen» (und das von jemandem der die Filme je ca. 8x und in diversen Sprachen gesehen hat).
Horncliffe - Union Chain Bridge
Wir übernachten also nicht auf dem überteuerten Parkplatz bei Bamburgh sondern gehen weiter. In Horncliffe direkt am River Tweed soll es einen wunderschönen in der Natur gelegenen Camping geben. Das klingt gut. Schon von weitem sehen wir die Brücke und Beni meint sofort «da runter komm ich dann heute nicht mehr!». Naja, erstmal wollen wir sowieso etwas in den Stühlen entspannen und die Sonne geniessen. Aber Joli kann es natürlich nicht sein lassen und macht den Spaziergang zur Brücke noch. Die Union Chain Bridge ist die älteste Hängebrücke der Welt, welche noch für den Fahrzeugverkehr genutzt wird, allerdings ist unsere dicke Betty ca. 500Kilo zu schwer und darf nicht rüber. Joli schon. Drüben angekommen wird sie von einem Schild «Scotland welcomes you» begrüsst. Hoppla, so weit wollte sie eigentlich nicht spazieren. Kurz Beni informieren, dass sie irrtümlich auf Schottland gelaufen ist (und nachfragen ob sie nicht gleich hier auf ihn warten soll, hihi) und schon geht es wieder auf den Rückweg, zurück nach England (aber nur für heute Nacht).






















































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renate (Donnerstag, 14 Mai 2026 10:30)
ps.viel vergnügen und eine fröhliche zeit ,wünsch ich euch mit eurem besuch. muntsch ma
Benjoli (Freitag, 29 Mai 2026 19:19)
Merci. Es het gfägt aber mir si aui vier nudufertig gsi nach dem Weekend.