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Aberdeenshire

Castle Trail

Wir haben noch genau 5 Tage Zeit. Perfekt. Die meisten Schlösser haben aber nur am Wochenende oder von Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Nicht gut, denn heute ist Samstag, das heisst es gibt einen Marathon. Gestern Nacht noch alle Wunschschlösser rausgesucht, die Öffnungszeiten respektive Tage rausgefunden und dann die Schlösser in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht (Strecke, Öffnungstage, Übernachtungsmöglichkeiten…). Keine leichte Aufgabe (das praktische PDF haben wir erst danach gefunden). Joli hat 13 von 19 rausgesucht, Beni hat auf 9 reduziert und an einem sind wir so dicht vorbei gefahren, dass wir es als besucht mitgezählt haben. Wir haben den Takt so hoch gehalten, dass wir schlussendlich 315 Kilometer und 9 Schlösser (resp. fast 10) in 3 Tagen geschafft haben. Oder die Schlösser haben uns geschafft, das trifft es wohl besser. Und es waren «nur» 9. In Aberdeenshire gibt es ca. 263 Schlösser, Burgen und herrschaftliche Anwesen. Einst standen bis zu 3000 Burgen und Schlösser in Schottland (andere Quellen sagen bis zu 1400 wohl je nach dem, was alles mitgezählt wird) – so oder so macht euch also noch auf einiges gefasst. Joli hat den Castle Trail schon einmal abgefahren im Jahr 2008 aber keines der Schlösser von innen gesehen, da alle geschlossen hatten – war vermutlich ein Mittwoch haha. Aber nun von Anfang an.

Day I

FYVIE CASTLE

Das Wetter passt nicht und so haben wir den morgendlichen Spaziergang durch St. Andrews gestrichen, die Küstenstadt muss warten, vielleicht kommen wir nochmals hier vorbei. Wir haben nur noch ein paar Tage Zeit, bis wir am 14. Mai unseren Besuch am Flughafen in Edinburgh abholen werden. Die Zeit reicht aber noch gut, um den schottischen Castle Trail oder zumindest einen Teil der Strecke zu absolvieren. Das einzige Problem, die meisten Castle haben nur am Wochenende oder Donnerstag bis Sonntag geöffnet und heute ist Samstag. Leider haben wir das erst gestern Abend festgestellt und daher (und wegen dem Wetter) wurde St. Andrews gecancelled.

 

Der ganzen Trail könnte man sicher locker auch einmal abfahren, aber um alle Burgen und Schlösser der Region zu sehen bräuchte man sehr viel Zeit. Wir konzentrieren uns auf diejenigen, welche wir auserkoren haben. Den Start macht das Fyvie Castle im gleichnamigen Ort. Nach einer 2 stündigen Fahrt über die Autobahn in Richtung Norden erreichen wir das Schloss etwa 5 Minuten vor der Öffnungszeit. Wir sind hier vollkommen alleine und suchen den Eingang einmal rund um das Schloss, sogar die Mitarbeitenden treffen erst allmählich ein, die werden wir in kürze auf dem selbständigen Rundgang wiedersehen. Da im Schloss alles Originale ausgestellt sind, gibt es auch hier in jedem Zimmer jemanden der zum rechten schaut und auf Wunsch auch ein paar spannende Infos bereit hält, welche wir uns jeweils gerne anhören.

 

Begrüsst wird man (also direkt nach der Empfangsdame) von einem ausgestopften Eisbären, der gerade eine ausgestopfte Robbe fressen will. Im Billiard Zimmer erfahren wir, dass die alten Bilder deshalb immer so dunkel wirken, weil scheinbar eine «Glasur» drauf getan wurde, welche die Farben schützen soll, sie aber mit den Jahrhunderten dunkler wirken lässt und das der Herr, der auf dem Porträt wirkt, als würde er wie viele Influencer vor dem Spiegel ein Selfie von sich machen, sich für dieses Porträt damals tatsächlich mit Kleidern aus dem vorigen Jahrhundert verkleidet hatte.

 

Es ist schön hier. Insbesondere gefallen uns auch die wunderschön verzierten Decken und die gemalten, riesigen Bilder von Henry Raeburn (offenbar ein berühmter Künstler – aha) an den Wänden sind schön und beeindruckend. Der schottische Porträt Maler Raeburn lebte zwischen 1756 - 1823 und gilt als einer der Begründer der schottischen Schule der Malerei (auch wenn das Verhältnis Mann / Pferd auf dem Bild doch eher spannend ist – vielleicht war es ja ein Pony?!).

 

In dritten Zimmer tritt Joli dann aber in das berühmte Fettnäpfchen. Gleich beim Betreten des Zimmers macht Joli ein Foto und übersieht, dass in der einen Ecke die Aufpasserin auf einem Stuhl sitzt und anscheinend nicht gerne fotografiert wird. Denn sie schützt ihr Gesicht sofort mit einer Zeitung in der Hand. Sie lässt es sich sehr wohl anmerken, dass sie darüber «not amused» ist, sagt jedoch keinen Ton, aber ihr Gesichtsausdruck spricht Bände. Sie bietet uns dann als einzige auch keine Infos von sich aus an und ignoriert uns komplett, zeigt uns die kalte Schulter sozusagen. Tja auch hier gibt es die falschen Leute im falschen Job, aber alle anderen sind dermassen begeistert bei der Sache, dass wir die alte Schrulle schnell vergessen, denn der junge Herr im Musikzimmer erklärt uns gerade, dass die Orgel eigentlich gar nicht sichtbar wäre und nur zu Anschauungszwecken vor die Wand verlegt wurde. Gefällt uns zum Anschauen sowieso besser als zum Zuhören. Gut gemacht.

 

Alles in allem eine beindruckende Hütte (Beni schreibt wohl das Schloss nicht gerne…), uns gefällts, auch wenn eine alte Geschichte erzählt, dass im Dachzimmer eine Frau gefangen gehalten wurde und verhungert ist.

 

Auf die dazugehörigen Gärten muss Joli nach wie vor verzichten, sind sie Beni doch einfach noch zu braun und zudem ist es heute einmal mehr bitterkalt. Dafür gibt es noch einen leckeren Kaffee und einen Scone in der, zum Café umgebauten, Küche des Hauses.

LEITH HALL

Weiter zur Leith Hall, ein historisches Herrenhaus aus dem Jahre 1650. Es wurde 1945 zusammen mit seiner vollständigen Einrichtung und Kunstsammlung von Henrietta Leith-Hay an den National Trust for Scotland übergeben. Sie war nach 10 Generationen der letzte Nachfahrin des Leith Clans. Gleich beim Eingang schmunzeln wir über die ausgestopften, boxenden Eichhörnchen. Ob wohl von hier die Redewendung «sich nicht ins Boxhörn(chen) jagen zu lassen» kommt? Allgemein lässt sich sagen, die Hütte ist nichts für Vegetarier & Veganer oder empfindliche Menschen (was die Jagd auf Tiere etc.) angeht. Es gibt viele ausgestopfte Tiere, das Dachshandtäschchen wirkt dann aber auch auf uns etwas makaber. Hübscher sind auch hier wieder die teilweise, riesigen Bilder und auch die vielen kleinen Ausstellungsstücke in den Vitrinen. Auch die kleine Militärausstellung der Familie ist liebevoll gemacht und spannend anzusehen. Einer der Vorfahren war wortwörtlich ein grosses Tier in der Armee. Das Geschirr mit den grünen Rändern erregt noch unsere Aufmerksamkeit, die Dame im Foyer erklärt uns dann, dass deswegen einige Leute gestorben seien. Na also, so schön ist es nicht, daran hats nicht gelegen, sondern die grüne Farbe war der Grund. Arsen. Arsenverbindungen wurden früher für brillante und leuchtende Grüntöne verwendet (und sind heute verboten). Diese Verbindungen sind extrem giftig, daher kommt auch der Begriff «giftgrün». Ja dumm gelaufen.

 

Uns gefällt eher die Verbindung von diversen Lebensmitteln im Tages-Toasty des Cafés. Rhabarber, Rohschinken, Sauerkraut und Käse. Mh!

KILDRUMMY CASTLE

Von der Liste gestrichen, zufällig direkt vorbei gefahren, gesehen, fotografiert. Check! Ist ja auch nur ein Schloss der Kategorie Steinhaufen. Das muss reichen.

CORGARFF CASTLE

Der dritte Streich heute ist das weisse, von einer sternförmigen Mauer umgebene Schloss Corgarff. Es hat nach den beiden, vorher besuchten Hütten einen schweren Stand bei uns. Am interessantesten war letztendlich die Möglichkeit ein paar «altmodische» Kleider auszuprobieren was sich Joli nicht nehmen lassen wollte. Beni verzichtet gerne darauf Kleider über zu streifen, welche schon viele andere Menschen angezogen haben - igitt. Etwas weiter oben sehen wir einen Aussichtspunkt, den Joli noch anfahren will, aber Beni meint «fertig für heute, wir haben noch eine Stunde zu fahren!». Streng dieser Chauffeur. Miss Daisy is not amused!

THE LECHT PASS

Über den Lecht Pass fahren wir durch die Cairngorms Mountains nach Braemar. Dieser Pass ist scheinbar einer der landschaftlich schönsten (heisst es das nicht immer?) und auch schneereichsten in Grossbritannien und hat eine Steigung von 20%. Die langen Holzpfosten am Strassenrand lassen erahnen, wie hoch der Schnee hier zu liegen kommen kann und auch die Tore an beiden Seiten der Strasse lassen vermuten, dass diese nicht immer befahrbar ist. Grösstenteils ist der Pass 1 oder 1.5 spurig, hat aber immer wieder Ausweichstellen und da wir sowieso fast alleine unterwegs sind ist es kein Problem. 

BRAEMAR

Unterwegs buchen wir den letzten verfügbaren Pitch auf dem Campingplatz in Braemar. Hier spazieren wir noch kurz durchs Dorf und finden endlich, endlich wieder mal ein Pub in Schottland. Wo zum Henker sind all die Pubs hier? In Irland hatten wir wirklich nahezu immer, ja wirklich immer, auch im kleinsten Kaff und beim entlegensten Campingplatz, in maximal 5 Minuten laufweite ein Pub in der Nähe. In Schottland müssen wir gezielt auf die Suche gehen damit wir eines finden. Aber hier gibt es tatsächlich lecker Bierchen. Sogar etwas Lokales. Wir probieren auch hier wieder neue Biere und Cider. Beim Cider gefällt uns das Glas mit den Äpfeln und den Schweinchen so gut (obwohl es nicht lokal ist), dass wir es unauffällig in unserem Rucksäckli verschwinden lassen. Aber erst nachdem wir vom coolen Typen hinter der Bar sozusagen zum Diebstahl aufgefordert wurden. Auf unsere Bitte hin, dass wir ihm gerne ein solches Glas abkaufen wollen, meint er nur, dass wir es doch einfach verschwinden lassen sollen wenn er gerade nicht zu uns rüber schaut. Neben dem Pub hat es auch noch ein riesiges, protziges Hotel und der Barkeeper meint, das gehöre auch Schweizern, die seien aber gerade nicht da, weil sie auch noch eine Kunstgalerie in Genf haben. Ja bei den Hotelzimmer Preisen, kann man locker zum Plausch noch eine Kunstgalerie unterhalten.

 

Übrigens gilt Braemar als der kälteste bewohnte Ort in Schottland und Grossbritannien, was Joli natürlich erst verraten hat, als wir schon hier waren. Die niedrigste gemessene Temperatur war -27.2 Grad im Januar 1982. Das Dorf liegt auf 342 M.ü.M., in einem tiefen Tal umgeben von hohen Bergen und hat durchschnittlich 100 Tage mit Luftfrost (heute muss ein solcher sein *bibber*). Trotzdem ist es sehr touristisch und beliebt bei Skifahrern, Wanderern und Highland Games Fans (inkl. der Royals). Arschkalt ist es wirklich aber hey – so kann es jetzt nur noch wärmer werden, oder? Sollte es auch, denn die Nacht ist hier einmal mehr unter Null Grad. Und das während bei uns zu Hause der Strämu (Thuner Strandbad) vor einer Woche mit 25 Grad eröffnet hat. Pfuuuui!

DAY II

BRAEMAR CASTLE

Wir haben Tag 2 auf unserer Burgen & Schlösser intensiv Tour. Auch heute heisst es wieder drei auf einen Streich. Den Anfang macht Braemar Castle, welches sich praktisch bei unserem Camping um die Ecke befindet. Wir sind wieder mal überpünktlich und bereits vor dem Personal da, welches gerade mit quietschenden Reifen auf den Parkplatz fährt und uns ordentlich einstaubt. Ist aber auch kein Kunststück, denn der Laden öffnet erst um 10Uhr, viel zu spät für Early Birds wie wir es sind. Freundlich wie wir sind, öffnen wir den Mitarbeitenden das Tor und lassen ihnen den Vortritt, damit sie auch ja nicht zu spät zur Arbeit kommen. Nun denn, dass Schloss ist in der Nähe des Balmoral Castle, welches wir im Anschluss besuchen werden. Vielleicht waren deshalb sowohl Charlie wie auch seine Mutti, die Lizzy, bereits hier zu Besuch, wie wir auf Fotos, welche Beni nachzustellen versucht, sehen können. Wir machen eine selbstgeführte Tour (ohne App und ohne Audioguide) und auch auf das junge Mädchen als Begleitung, dass heute die geführten Touren machen würde, haben wir verzichtet. Sie hätte das bestimmt super gemacht, aber wir sind eher schlechte Zuhörer und das hätte sie nicht verdient. Wir sollen im Hof mit dem Rundgang beginnen und dann die Glocke läuten wenn wir reinkommen, damit der Hausgeist gewarnt ist das wir kommen. Haben wir komplett vergessen, aber wir waren wohl sogar für den Geist zu früh unterwegs. Die Inneneinrichtung ist durch und durch im «Grosi Stil» gehalten, also nicht ganz so antik und nicht ganz so unser Stil. Kein Wunder, das meiste davon stammt von der letzten Bewohnerin, die dem Ganzen einen 1950er Jahre-Touch gegeben hat.

 

Was aber spannend ist, ist das Video des Highlanders in dem gezeigt wird wie er seinen Kilt (Belted Blaid) und all seine Waffen anzieht. In der Nacht dient der Kilt, ein grosses Stück Stoff (4-8 Meter), gleichzeitig als Bett und Decke, wenn er draussen übernachten muss. Am Morgen muss er es schön ausbreiten, richtig in Falten legen und ihn sich, indem er sich drauf legt, mit einer aufwendigen Wickeltechnik anlegen. Mit geübten Bewegungen muss er sich also einwickeln, den Gurt umbinden, beide Ecken hinten festmachen und den oberen Teil über die Schultern werfen und sich dann mit seinen Waffen (in der Regel ein Claymore (Schwert), ein Dirk (Dolch), ein Targe (Schild) und manchmal einer Pistole, einem Gewehr oder eine Axt) und seiner Tasche (Sporran) behängen. So hat er seinen Kilt, als Rock und Umhang (oberer Teil), darunter trägt er sein knielanges Hemd (und sonst nichts – zumindest früher, da es damals keine Unterwäsche gab), seine Strümpfe und Schuhe. Joli gefallen die Kilts in diesem Stil (von früher) viel besser als das neumoderne Zeug, dass einfach ein Rock ist und fertig. Allerdings wurde diese einfachere, neumoderne Variante bereits 1720 erfunden, ist also doch nicht mehr so neu. Nach dem Aufstand 1745 wurde den Highlandern jedoch das Tragen von Waffen und ihrer Tracht (Kilts und Tartans) von den Engländern verboten. Wer sich nicht daran hielt wurde in die Kolonien (meist Amerika) ausgeschafft.

BALMORAL CASTLE

Dieses Schlösschen ist schon etwas grösser geraten, der Platz wird auch benötigt, denn hier residieren seit Jahrzehnten über die Sommermonate, die britischen Royals. Heute sind meistens nur noch Charles und Camilla hier. Mit unseren, regulären Tickets können wir den Ballsaal des Gebäudes besuchen. Fotografieren ist hier nicht erlaubt, König Charles hat den Saal auch erst im Jahr 2024 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Darin sind private Fotos der Royals, hauptsächlich von Elisabeth II ausgestellt und es sind wahrlich ein paar beeindruckende Exemplare dabei. Wer das nötige Kleingeld (über 100 Pfund) bezahlt und frühzeitig ein Ticket bucht, der kann seit 2024 auch exklusiv ein paar private Zimmer im Schloss besichtigen. Der Zufall wollte es, dass Charles gerade zugegen war und wir die Gelegenheit nutzten, ihn im Gegenzug auf eine private Tour durch unseren Palast und die Gemächer am Hofacker einzuladen. Er sagte jedoch kein Wort dazu, vielleicht liegt es daran, dass wir mit einem Foto von Charles auf einer Kaffeetasse im Souvenirshop gesprochen haben. Aber immerhin hat Charles hier mittlerweile auch ein paar Souvenirs. Bisher kann man nach wie vor hauptsächlich seine Mutti auf allen möglichen und unmöglichen Dingen aufgedruckt kaufen.

 

Da man das Schloss also eigentlich nur von aussen ansehen kann, besuchen wir noch den Mini-Garten direkt daneben. Dort gibt es so kleine Gebüsch-Gagis zu sehen, die Bäumchen sehen für Beni jedenfalls aus wie kleine Kack Emojis, niedlich. Es gibt auch eine riesige Rasenfläche und das Gerüst einer Schaukel. Auf einem Foto, dass im Garten aufgenommen wurde, sieht man die junge Elizabeth II mit ihrem Gatten Prinz Philip und den beiden, kleinen Kindern Charles und Anne beim Spielen in demselben Garten. Auch das Gartenhaus ist abgeschlossen, aber dort sind an zwei Stellen die Jalousien nicht runtergezogen und man kann kurz reinglupschen. Naja, also verglichen mit anderen Schlössern ist es weder von aussen noch von innen (was wir mit unserem bescheidenen Budget davon sehen durften) einer unserer Favoriten. Durch das Dee Valley fahren wir durch Balleter und Dinnet weiter bis nach Alford.

CRAIGIEVAR CASTLE

Pinkiwinki, Dipsy, Laa-Laa, Po. Etwa so kommt sich Beni vor als er das Craigievar Castle sieht. Die Hütte ist im zarten pinkrosa angemalt, naja. Früher war sie in einem cremefarbenen Naturton gehalten aber bei der Renovierung im Jahr 1824 wollte der Architekt die Farbe dem unteren Teil des Schlosses und seinen natürlichen Granitverzierungen anpassen. Jetzt wird die Farbe regelmässig gepflegt, um den Farbton zu erhalten. Der Legende nach diente Craigievar Castle Walt Disney als Inspiration für das Dornröschenschloss. Hat also schon eine gewisse Ähnlichkeit.

 

Wir erhalten Tickets für die nächste geführte Tour in 45 Minuten. Das Warten überbrücken wir bei einem Kaffee und einem Millionaire Cake im Garten und shoppen im Gift Shop (interessante Dinge verkaufen die dort). Die Tour ist etwas lang mit über einer Stunde Dauergequassel (soll nicht unhöflich sein) aber das Gebotene ist ziemlich hübsch anzusehen. Leider dürfen auch hier keine Fotos gemacht werden (nur für zwei heimliche schlechte Schnappschüsse hat es gereicht), weshalb ihr das Schloss selbst besuchen müsst, viel Spass. Eine Geschichte jedoch vorneweg. Es spuckt dort. Ein Wachmann hat sich offenbar mit der Tochter des Hauses eingelassen und der Hausherr hat ihm ganz eigennützig (wer will schon so viel Blut in seinem Schlafzimmer) die Wahl gelassen; «Lauf in mein Schwert oder stürz dich aus dem Fenster.». Der junge Mann sprang aus dem Fenster in den Tod und seither steht das Bett vor dem Fenster, um seinen Geist daran zu hindern wieder reinzukommen.

 

Als wir rauskommen, blöfft ein Paar gerade damit, dass dies heute schon das vierte Schloss ist. Jajaaa, zieht ihr das auch mehrere Tage lang durch? Wir bleiben bei «alle guten Dinge sind drei» - drei Schlösser pro Tag während drei Tagen. Deshalb ist für heute auch Feierabend.

DAY III

CASTLE FRASER

Der Winter feiert sein Comeback. Es regnet zwar seit Tagen nicht oder fast gar nicht mehr und der Wind ist spürbar weniger geworden, dafür sind aber auch wieder die Temperaturen abgestürzt und das, obwohl wir den kältesten Ort Schottlands bereits gestern Morgen verlassen haben. Als wir heute morgen unterwegs zum Fraser Castle sind, leuchtet bei Betty das Schneeflockensymbol auf, welches auf mögliches Glatteis hinweist. Wenn wir etwas höher in die Highlands schauen, erkennen wir auch einzelne Schneeflächen da hat sie schon recht unsere Betty, es sind auch nur 4 Grad draussen.

 

Das Schloss mit seinen vielen Türmchen, war schon damals der Favorit von Joli und heute ist es sogar geöffnet und kann von innen beglupscht werden. Juhuuu. Allerdings sind auch heute noch sämtliche Türen verschlossen, als wir ankommen und natürlich wollen wir einmal mehr auf der falschen Seite rein und müssen erstmal das ganze Schloss umrunden. Das Foto unter dem Bäumchen, neben dem (richtigen) Eingang ist eine kleine Erinnerung an die frühere Reise und ein Insider (sorry haha).

 

Colonel Charles MacKenzie Fraser und sein Holzbein. Der Colonel ist schon länger weg (1871), sein Holzbein ist aber tatsächlich noch hier ausgestellt (und es ist riesig, war auch der Colonel ein Hühne (ca. 1.98)). Der Mann kämpfte in napoleonischen Kriegen unter anderem in Spanien in der Schlacht bei der Burg von Burgos - da waren wir im Februar auch schon (Zufälle gibt’s), aber nur zu Besuch, nicht zum Kämpfen (ausser gegen die Sturmböen). Die Geschichte zum Bein erzählt uns ein sehr motivierter Mitarbeiter auf spannende Art und Weise. Zuerst wurde Charles in den Kopf geschossen, ausser einem Loch in seinem Hut und einem Kratzer auf dem Kopf ging aber alles glatt. Die Kugel hat er aufgehoben. Kurz darauf hat ihn aber eine Kugel von oben ins Knie getroffen und die Kugel ist dann unten in der Wade wieder ausgetreten. Darum hat er dann sein Bein verloren. Aber auch diese Kugel wollte er aufbewahren. Den Hut, die Kugeln, das Holzbein und den Rollstuhl, welchen er später nutzen musste, kann man im Schloss betrachten. Der Rollstuhl wurde damals von einem Möbelmacher entworfen und wog extrem viel und war noch schwieriger zu bewegen.

 

Nicht nur die Geschichte des Colonels sondern auch der Rest des Hauses ist spannend. An den Wänden hängen Tapeten, nicht jedoch hinter den grossen Bilden und den Wandschränken mit Büchern, von welchen die zwei ältesten Exemplare aus dem 15. Jahrhundert stammen. Aufgrund der Tapetensteuer (echt jetzt?!?!) in der damaligen Zeit wurde diese hinter Schränken und Bildern kurzerhand weggelassen, um zu sparen. Und die Schränke sind dadurch so gross ausgefallen, das diese alle in eben diesem Zimmer gebaut wurden, da man sie sonst nie hier herein gebracht hätte.

 

Im Trophäenraum sind alle tot und ausgestopft, wie immer und das Porzellanzimmer mit den Porzellan-Frosch-Tassen lässt uns eher zügig weitergehen. Oberhalb des grossen Saals, in welchem jeweils Getafelt und wo wichtige Gespräche geführt wurden, hatte der Schlossherr sein Zimmer. Wenn er sich während eines Essens dorthin zurückzog, konnte er durch eine Tür in einen kleinen Raum in der Mauer gehen und so den Gesprächen unten im Saal lauschen um allfällig, abtrünnige Gäste zu entlarven. Auch ein kleines Guckloch mit Blick in die Eingangshalle ist vorhanden, damit man sehen konnte, wer zu Besuch kommt (wohl ein Vorfahre des heutigen Türspions). Dieses sieht man aus der Eingangshalle aber nur wenn man weiss, wo es ist. Was beeindruckend ist und einem eine Gänsehaut verpasst, ist das Schwert in der Eingangshalle, welches wirklich von einem der Frasers in der Schlacht von Culloden 1746 geführt wurde und nun hier ausgestellt ist. 

CRATHES CASTLE

Beni: Hier noch ein paar Bilder von Crathes Castle.

 

Joli: Jaaa, es fängt doch langsam an sich zu wiederholen. Auch wenn jedes Schloss seine eigene Geschichte, Familie, Clan hat. Jedes hat irgendwie einen Geist, eine Geheimtür, einen Tresor aus dem 16. Jahrhundert, viel Porzellan, alte Möbel, Bilder und, und, und. Zudem sollt ihr ja auch noch was erfahren können, falls ihr die Schlösser mal selbst besucht. Sonst wird’s noch langweilig. Dieses Schloss hier fällt aber durch die schönen bemalten Decken auf und auch der Garten (einer der ersten den wir kurz besuchen (Joli länger als Beni, denn es fängt – wer hätte es gedacht – an zu regnen) ist sehr schön angelegt. Fast schon ein Irrgarten, den Weg wieder rauszufinden ist gar nicht so einfach.

DUNNOTTAR CASTLE

Beni: Und hier noch ein paar Bilder von Dunnottar Castle.

 

Joli: Diese Ruine ist einfach sehenswert, weil sie so schön auf den Klippen steht. Ob man dazu alles runter und auf der anderen Seite wieder rauflaufen muss, darüber kann man diskutieren (wie wir es auch gemacht haben). Die Ruine ist zugegeben riesig und das Gelände gross, gehört aber in der Kategorie Steinhaufen (ausser aufgrund der Lage), sonst nicht zu unseren Favoriten. Oder vielleicht haben wir einfach schon zu viele gesehen. Zudem ist es hier, im Vergleich mit den anderen Schlössern der letzten Tage und Wochen geradezu extrem touristisch.

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