Wir haben angenehme 4 Grad und sind auf dem Weg nach Glamis Castle, eine bescheidene Behausung, welche eine lange royale Geschichte pflegt. Das Schloss gehört nicht mehr zum Castle Trail und wir haben es auf dem Weg dorthin übersprungen, da es zum Glück täglich geöffnet hat. Es war unter anderem der Geburtsort von Prinzessin Margaret, der Schwester von Königin Elizabeth II und die Kindheitsresidenz der Queen Mother, der Mutter derselben. Ein halbe Stunde vor der ersten Tour stehen wir bereits vor dem, zu unserer Überraschung, verschlossenem Tor zum Parkgelände. Wir sind verunsichert, ob man vielleicht sogar im Dorf Glamis parkieren und zu Fuss zum Schloss laufen muss. Wir stellen uns in Sichtweite des Eingangstors in Lauerstellung und warten erstmal ab. Als sich dann kurz darauf ein Reisecar vor das verschlossen Tor stellt, saugen wir an. Und siehe da die Tore öffnen sich doch noch.
Offiziell beginnt die erste Tour um 10Uhr, inoffiziell aber erst um 10:20Uhr. Der Reisecar hat wohl die erste Tour gleich für seine Gäste in Beschlag genommen. Wir haben glücklicherweise zwar eine kleinere Gruppe aber dafür mit einem Kleinkind. Leider wie so oft bei den geführten Touren, gilt absolutes Fotoverbot. Die Tour führt uns durch die diversen Zimmer und ist sehr informativ. Wir sind jedoch ab den Eltern des Kleinkindes etwas entsetzt. Im grossen Saal setzt sich der kleine Racker auf einen der kleinen Stühle vor dem Kamin, die von Lizzy und Maggy als Kinder gerne benutzt wurden. Die Eltern scheint das nicht wirklich zu interessieren, im Gegenteil da wird doch gleich noch ein Foto davon gemacht. Der Tourguide kann einem schon fast leidtun, denn der hat sich irgendwie nicht mal dafür etwas zu sagen ab der Dreistigkeit, nein er sagt auch noch sehr verlegen «hast du den anderen Stuhl nicht ausprobiert, der ist viel bequemer». Whaaaat? Und wir dürfen nicht einmal ein Foto machen. Zumindest ein Gemälde wäre durchaus ein Foto Wert gewesen, denn einer der Lords hatte sich eine hautfarbene Rüstung anfertigen lassen. Auf beiden Porträts sieht er aus, als wäre er nackt. Deshalb hat seine Frau das gemeinsame Porträt offenbar nicht aufhängen lassen, da sie sich geschämt hat. Verständlich.
Weiter geht’s, die nächste Tour ist uns schon auf den Fersen – eine Kreuzfahrt. Als der kleine Racker dann im nächsten Zimmer hinter die Absperrung greift um ein uraltes, Schaukelpferd zu streicheln beginnt, scheint auch das die Eltern nicht zu interessieren und der Guide zieht tapfer sein Programm durch. Wir sind zwar selbst keine Eltern, aber kennen einige Eltern von kleinen Kindern und wissen, dass diese den nötigen Respekt aufbringen würden, um etwas besser zu ihrem Kind respektive den teilweise Jahrhunderte alten Gegenständen zu schauen. Das Schloss ist unserer Meinung nach etwas überbewertet, das liegt wahrscheinlich an der guten königlichen Geschichte, es gehört jedenfalls nicht zu unseren Favoriten, weder von innen noch von aussen.
Wie angekündigt kommen wir doch noch mal hier vorbei. Nach unserer 4-tägigen Castle Trail Tour sind wir auf dem Rückweg in Richtung Edinburgh. Etwas ausserhalb der Stadt parkieren wir unsere Betty auf einem Camping und laufen den Küstenweg entlang in die Stadt. Die Aussicht von oben auf die Stadt ist fantastisch und das Wetter macht die Stimmung dramatisch (Beni auch – er riecht wieder Regen). Wir schlendern zuerst dem Ufer entlang bis zur Abbey, welche wir heute im Detail aber auslassen und nur ein paar Schnappschüsse machen. Auch das Schloss gucken wir nur von weitem an. Dann geht es noch durch die kleine Altstadt, in welcher wir endlich wieder mal nicht nur ein, sondern sogar zwei Pubs finden, welche wir zwecks Flüssigkeitsnachschub beide aufsuchen. Wir wissen nicht genau, was die hier in die Biere reinbrauen, aber das Zeug haut mächtig rein. Auf dem Rückweg holen wir uns am Uferweg noch eine kulinarische Sauerei beim Toasty-Snack-Wagen. Einen Toasty mit Mac&Cheese, also Käsemakkaroni im Toastbrot. Irgendwie gut und irgendwie auch kein zweiter Kauf wert, aber für den Siff-Hunger perfekt.
Jetzt aber schnell zurück auf den Camping, die Regenwolken sind im Anmarsch. Wir haben mittlerweile Nachbarn bekommen. Zwei Chinesen versuchen verzweifelt ein Zelt aufzustellen (welches es während ihrer Abwesenheit ein paar Minuten später aufgrund des Winds wieder zusammenklappt). Wir haben unsere Hilfe angeboten aber die beiden meinten gut gelaunt, «nein, nein es ist nur das erste Mal». Ein Blick auf das Nummernschild und eine kurze Nachfrage verrät uns, dass die beiden mit dem eigenen Auto von China angereist sind. Krass!



































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