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Loch Lomond & The Trossachs National Park

DOUNE CASTLE

Wieder auf uns alleine gestellt, wissen wir nicht so recht, wie, was und wohin wir heute gehen sollen. Die ungemütlichen 12 Grad und der Regen laden nicht gerade zu Outdooraktivitäten ein. Nach einer kurzen Recherche in unseren Reiseführern entscheiden wir uns für einen Besuch des Loch Katrine respektive des Loch Lomond und The Trossachs Nationalpark im Generellen. Also fahren wir heute erst einmal nach Callander. Auf dem Weg besuchen wir noch das Doune Castle. Dort angekommen, teilt uns der nette Herr mit, dass unsere Betty zu fett für den Parkplatz ist und wir doch im Dorf parkieren und hierher laufen sollen. Joli steigt aus, Beni fährt ins Dorf und wartet dort. Es ist ja sowieso nur ein Steinhaufen Kategorie zwei und ein Outlanderdrehort (schon wieder!). Auf die übliche Frage «Und habe ich etwas verpasst?» muss Joli hier wahrscheinlich zum ersten Mal sagen «Nö!». Es war, verglichen mit vielen anderen Schlossruinen und Outlander Drehorten jetzt nicht das Nonplusultra.

 

Auf dem Campingplatz angekommen sind wir gekommen, um zu bleiben, um einfach nichts zu tun, über das Wetter zu jammern und zu Waschen. In der Mitte des Campingplatzes hat es ein Feld mit einer Schafherde. Gerade als Benjamin (neu Flennjamin) den Höhepunkt seiner Schimpftirade auf Petrus und das Wetter erreicht, fangen alle Schafe draussen an zu blöken wie blöde. Ein mega Konzert. Künftig soll «Bääääh» somit unser Stichwort für den jeweils anderen sein, wenn mal wieder nur gejammert wird! «Bääääääh!».

LOCH KATRINE & DIE TROSSACHS

Hier gibt es ein kleines Dampfschiff, mit welchem man eine gemütliche Rundfahrt über den See geniessen kann. Für die zweistündige Rundfahrt sind wir zu spät (ausgebucht), die 45 minütige Rundfahrt mit dem normalen Schiff wollen wir nicht machen, also buchen wir zwei Tickets für die einstündige Rundfahrt. Gegen Mittag soll auch das Wetter besser werden und bis dahin nutzen wir das WIFI auf dem Parkplatz zum planen.

 

Der Dampfer ist ziemlich klein und zum Glück nicht mal annähernd zur Hälfte besetzt, es gibt also genügend Sitzplätze für alle. Wir suchen uns einen Platz wo wir die Sonne (ja sie schaut zwischendurch raus) im Rücken haben (wegen dem besseren Licht für die Fotos), etwas windgeschützt, aber vor allem (für den Fall der Fälle) regengeschützt sind und trotzdem eine tolle Aussicht haben. Das Schiff hat sogar einen Guide, der etwas über die Landschaft erzählt und Werbung für Scotish Coffee macht, welchen Joli bereits am bestellen ist als die Durchsage kommt. Obwohl der Nationalpark unter anderem nach den Trossachs benannt ist, machen diese eigentlich nur einen kleinen Teil des Parks aus (das sogenannte Herzstück) und wir befinden uns gerade genau hier. Auf Gälisch heisst es «Na Tròiseachan» und bedeutet ungefähr «raues, unwegsames Land» oder eine «zerklüftete Gegend».

 

Das Schiff bot früher Platz für 500 Gäste, heute ist es nur noch für bis zu 210 Gäste zugelassen. Die Begründung dieser Information lässt einem Schmunzeln; die Menschen waren früher kleiner und, etwas lieblich umschrieben, auch leichter. Nicht nur die Menschen, auch die Ansprüche an Service und Platzangebot haben zugenommen. Die Infos zur Umgebung, Schiff und Geschichte während der Rundfahrt sind spannend und der Kaffee/Cappuccino mit Whisky schmeckt auch. Sogar das Wetter wird von Minute zu Minute besser. Aber eines muss mal gesagt sein, wir haben mit dem Thunersee und dessen Schifffahrt schon das ultimative Erlebnis direkt vor der Haustüre. Die spektakuläre Sicht, am besten noch vom Dampfschiff Blümlisalp, auf die Berge und Alpen sucht seinesgleichen. Hier am Loch Katrine ist alles im Vergleich dazu «Miniatur» vom Dampfschiff, zum See bis zu den umliegenden Hügeln, ja sogar der Kaffeebecher (Karton und ohne Rahmhaube). Die Aussicht ist aber auch hier sehr hübsch und wir geniessen die Fahrt. Beim Aussteigen sind wir froh, haben wir die einstündige Fahrt gewählt und nicht die zweite zweistündige Fahrt am Nachmittag. Der Parkplatz ist voll unter anderem mit drei Reisebussen und unzählige Menschen tummeln sich hier. Manchmal ist weniger eben mehr!

BEN A’AN

WANDERN VS EISHOCKEY

Das Wetter ist nun Top und gleich um die Ecke hat es einen Parkplatz, wo eine beliebte Wanderung startet. Im Ganzen 1-2 Stunden, total 4 Kilometer und in dieser Zeit und Distanz 340 Höhenmeter rauf und 340 wieder runter. Da fällt Beni die Entscheidung leicht (er lässt sich nicht von einem Blogeintrag in die Irre führen wie Joli). Während Beni Joli nur kurz dort ablädt und dann zum Parkplatz mit WIFI zurück fährt ums sich die Eishockey WM anzugucken, wandert Joli (gleichzeitig startend mit zwei Schulklassen) den Berg Ben A’an hoch.

WARNUNG

Achtung dieser Text enthält, Unhöflichkeiten (wobei das ist immer Ansichtssache), Ironie, Sarkasmus, masslose Übertreibung, Unmengen an Drama und ist nichts für faule Säcke, die diese Wanderung vielleicht eines Tages auch noch machen wollen!

 

Das fängt ja schon gut an. Am Parkplatz stehen zwei grosse Gruppen von schreienden, lärmenden Teenagern. Kommen die zurück oder gehen die los? Shit die gehen los. Run Joli, RUN! Ja die 5 Meter Vorsprung sind schnell weg aber auch der Lärm, den die Kids verursachen nimmt rasant an Volumen ab, denn der Weg hat es in sich. Man hört nur noch dampflockähnliches Keuchen und Schnaufen und wo der Boden vom morgendlichen Regen endlich wieder trocken ist, laufen kurz darauf Bäche von Schweiss den Berg runter, denn man absolviert innert 10 Minuten einiges an Höhe wenn man bedenkt, dass man am See gestartet ist.

DIE LÜGE

Joli hat die Wanderung auf einer Blogseite entdeckt: Zitat «Die mit 4 Kilometern Länge wenig anstrengende Wanderung…», «…geht es stetig und meist nur moderat ansteigend … hinauf…». Ja das ist doch ein Klacks, dass schaffen sogar so unsportliche und eher faule Wesen wie Joli und Beni. Bekanntlich ist immer alles Ansichtssache, aber wenn man einen Blog schreibt und dann einen Beitrag so schreibt, müsste man sich gleichzeitig bitte als Marathonläufer und Profibergsteiger outen. Bitte! Joli outet sich hiermit als sportliches Faultier mit Bewegungsdrang aber sehr tiefem Fitnesslevel. Einfach damit sich jeder eine Vorstellung machen kann, was auf einem zu kommt.

 

Was so weit stimmt ist, dass 4 Kilometer hin und zurück ja wirklich nicht weit sind aber innert 2 Kilometern 340 Höhenmeter zurückzulegen, um den Gipfel zu erstürmen (erkeuchen trifft es wohl eher) hat dann doch bitte gar nichts mit einer stetig und meist moderaten Steigung zu tun! GAR NICHTS! Es geht zwar stetig aber, Himmel noch mal! «poutze gredi zLoch uf»! Und zwar während ¾ des Weges.

 

Dass es ein gut ausgebauter Weg ist, stimmt so weit auch, nur ist der grösste Teil treppenstufenartig ausgebaut ist, was den Aufstieg irgendwie noch assozialer macht. Zumal die Distanz zwischen den «Tritten» dann doch eher Riesenschritten als Zwergenschrittchen entspricht, womit wir zum Thema des Flyers kommen, den wir auch gesehen haben, der die Wanderung als familienfreundlich und einfach mit Kleinkindern zu begehen beschrieben hat. Bitte? Also dieses Kleinkind muss mir mal einer zeigen, dass hier hoch läuft. Spätestens nach den ersten 10 Minuten haben die Eltern vermutlich den Plan gefasst, den Schreihals am nächsten Baum festzubinden, wo er warten kann bis sie zurück kommen. Oder, was wohl wahrscheinlicher ist, das Kind sitz schreiend am Boden und macht keinen Meter mehr vor- oder rückwärts und der schöne Sonntagsausflug ist im Eimer. 

DER ENDGEGNER

Endlich ist der erste Teil vorbei und jetzt geht es während ca. 500 Metern stetig und moderat ansteigend weiter. Dabei hat man einen «herrlichen» Blick auf das Ziel. Hier ist Gedankenkontrolle das A und O! Wenn du hier jetzt denkst «Wow guck mal der schöne Gipfel dort vorne, so schöööön!», dann könnte es klappen. Wenn du dir jedoch bewusst machst das dieser schöne Gipfel dort vorne dein Ziel ist und das, dass was du bis jetzt zurückgelegt hast entsprechend erst die Vorspeise (also nur Pille Palle) war, dann kehrst du besser gleich um (was übrigens einige getan haben). Nach den chilligen 500 Metern moderatem Hochschlendern kommt dann der Endgegner. Zuerst durch den Wald und dann noch um den Berg herum und rauf auf den Gipfel. «Poutze gredi!» (Sehr steil!).

 

Joli keucht und schwitzt, der Kopf sieht aus wie eine Tomate kurz vor dem Platzen und dann auch noch das; Sackgasse. Vor lauter Konzentration (die Steine sind auch hier nicht in kleinkindfreundlicher Höhe) vom Weg abgekommen. Zum Glück kann der Bach auch hier noch überquert werden und man sieht den korrekten Weg zum Glück von hier aus ebenfalls noch.

 

Eben kommt einer der Schüler, welcher bereits oben war, runtergerannt und meint zu seinen Kolleginnen er müsse kurz pinkeln. Auch in der Annahme, dass er nur das «kurze» Stück bis in den Wald und nicht ganz nach unten zurückläuft, lässt alle staunen, als er nach 10 Minuten schon wieder vorbeiRENNT und den Gipfel erneut erklimmt. Könnte der zitierte Blogeintrag, welcher zu dieser Höllentour animiert hat, vielleicht von ihm stammen?!

GIPFELSTÜRMER

So, noch zwei Kurven und dann ist der Gipfel erreicht. Obwohl Joli lange nicht von allen Kinderchen überholt worden ist, ist der Anblick auf den Gipfel erstmal «Bäääääh». So viele herumschreiende Teenager. So viele Menschen auf diesem niedlich kleinen Gipfel. Und während dir, während dem ganzen Aufstieg die Sonne in den Nacken gepustet und dir die letzten Schweisstropfen aus dem Leibe gepresst hat, fegt dir hier oben der Wind wie eine Faust «mitten in die Fresse rein», um wieder einmal Die Ärzte zu zitieren. Es windet abartig und wird schnell frisch. Aber die Aussicht ist (wie der Wind) atemberaubend. WOW! Der Aufstieg hat sich auf jeden Fall gelohnt, auch wenn man, was den Anstrengungsgrad angeht bodenböse belogen wurde. Dafür hat Joli das hier jetzt «richtig» gestellt.

 

Während die heutige Jugend ziemlich geschafft und demotiviert rumhockt und rumschreit, fragt sich Joli einmal mehr, wieso man Kinder zu Dingen zwingt, die sie nicht wollen, mit dem Resultat, dass man andere Mitmenschen damit stört, die solche Dinge freiwillig und gerne machen und entsprechend auch geniessen möchten. Eine Frage die wohl ewig unbeantwortet bleiben wird. Nachdem dann unter lautem Geschrei (der Lehrer ist noch der schlimmste Schreihals von allen) unzählige Gruppenfotos gemacht wurden (als würde man auf dem Foto hören, wie sie x-mal wiederholen, dass sie die Besten sind *augenverdreh*), macht sich die Bande zum Glück auf den Rückweg und es kehrt Ruhe ein, naja fast, der Wind tobt unablässig. Aber sonst ist Joli innert Minuten alleine auf dem Gipfel. Herrlich. Da der Aufstieg nach einer Stunde geschafft war und bei Beni erst das zweite Drittel anfängt, hat Joli noch massig Zeit. Ein Gipfelfoto soll es werden.

 

Selbstauslöser auf 12 Sekunden einstellen, die Kamera so positionieren, dass man etwas sieht auf dem Bild, diese aber nicht weggewindet wird und dann in 12 Sekunden, ohne abzustützen, versuchen auf den Gipfel zu kommen. Kein einfaches Unterfangen. Der Wind ist zudem so stark, dass es fahrlässig wäre den obersten Punkt anzusteuern. Dann doch lieber einem Touristenpaar anbieten ein Foto von ihnen zu machen, damit man dann auch um eines bitten kann. Noch kurz das Tankstellensandwich vernaschen und dann geht es langsam an den Abstieg. Es sind so viele Wolken aufgezogen, dass es nicht mehr, wie in der App gemeldet, nach Sonne satt sondern eher noch nach Regen aussieht und diesen Weg will man nicht im nassen Zustand runterrutschen.

DER ABSTIEG

Irgendwo in den Bergen hat es in der Zwischenzeit offenbar schon geregnet, denn einzelne Bachläufe, die vorher trocken waren, führen jetzt Wasser. Oder die ganzen Wanderer (es waren einige in diesen knapp zwei Stunden) haben wirklich dermassen geschwitzt beim Aufstieg, das könnte wohl auch hinkommen. Nach 45 Minuten ist der Abstieg geschafft und Miss Daisy wird von ihrem Chauffeur abgeholt und wir fahren wieder in die Richtung zurück, aus der wir gekommen sind, Richtung Perth (wieso erklären wir später). Eigentlich hätte es auf dem Weg dorthin noch drei Outlander Drehorte aber Beni meint «du kannst sie nicht alle sehen» und es ist auch schon spät.

 

Wenn euch der Bericht gefallen hat, folgt Joli für weitere motivierende Wanderberichte die euch, wie Beni, dazu bringen lieber zu Hause zu bleiben.

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