LORD & LADY OF DUNANS CASTLE
Wer gut aufgepasst hat, weiss das Beni seit seinem Geburtstag ein Lord resp. schottisch Laird (= Grundstückbesitzer) in Schottland ist. Wie es sich für Landbesitzer gehört, besuchen wir natürlich auch unsere zwei Fleckchen (ca. 30 x 30cm) Erde in Schottland, welche offiziell uns gehören. Die Tour mit maximal 12 Personen muss im Voraus gebucht werden und beginnt pünktlich. Ein älterer, ergrauter und etwas griesgrämig wirkender Mann mit Gehstock, empfängt uns und weitere Lords und Ladies am Eingangstor zum Grundstück. Er macht gleich bekannt, dass die Gruppe immer zusammenbleiben muss und es eine Nichtrauchertour ist. Zack, schon spazieren wir los in Richtung Dunan Castle.
Der Rundgang, welcher mit eher wenig Bewegung aber viel spannenden Erzählungen punktet, dauert etwa 1.5 Stunden. Der ältere Herr fragt ganz zu Beginn; «Hat jemand Kenntnisse der schottischen und vor allem der Clan Geschichte? Nein? Gut dann fangen wir ganz von vorne an.». Das tut er dann auch wirklich (das dauert eine Weile können wir euch flüstern…). Er startet irgendwo um 1590, wo die ersten offiziellen Berichte über Dunans Castle auftauchen. Bei perfektem Wetter erfahren wir einiges über die Geschichte der Highlands, dieser Region, des Schlosses und der diversen Besitzer und Clans. Während dem Rundgang (vier Punkte, welche wir ansteuern), wird die Gruppe vom Herrn immer wieder getadelt zusammen zu bleiben, zu grosse Abstände, wie zu Corona Zeiten, mag der Mann anscheinend gar nicht, zumal der Lockdown damals die Renovation massiv zurückgeworfen hat. Scheinbar sollte das Dach schon wieder drauf sein, was aber jetzt wohl erst im nächsten Jahr der Fall sein wird. Das Schloss, welches einige Male den Besitzer wechselte und diese alle irgendwie Bankrott gingen daran, weil es jeweils in einer Tragödie endete, soll mithilfe der Mini-Lords und Ladys restauriert und zu einem Hotel umgebaut werden. Wenn alle Lords und Ladies dann mindestens einen Aufenthalt buchen wird das Hotel die ersten 6 Jahre ausgebucht sein, meint der Herr. Wir haben nicht nachgerechnet, aber das ist einiges an Geld, dass sie zum (wiederholten) Wiederaufbau erhalten haben und ob wirklich so viel Grundstück vorhanden ist… Hmmm… Das Schloss hat nur eine Einteilung in der Kategorie 2 (regional) der historischen Bauten, die Brücke, die zum Schloss führt, hat aber Kategorie 1 (national) und muss daher vor dem Schloss in Stand gesetzt werden, was scheinbar über eine Million kostet, aber seit einigen Jahren, sind während einiger Monate amerikanische Volontäre dabei dies zu tun. Das könnte noch dauern mit dem Hotel. Jetzt kommt aber das Beste. Alle Besucher werden jetzt zu ihrem «Grundstück» geführt, an welchem natürlich alle ihre Fotos schiessen.
Wir haben sogar die Besitzerurkunde dabei, welche wir grinsend in die Kamera halten. Etwas neidisch blicken die anderen Besucher währenddessen zu uns rüber, daran haben sie natürlich nicht gedacht. Von unserem Grundstück können wir sogar ein Stück vom Turm sehen, oder falls wir es irgendwann einmal in den Turm schaffen von dort unser Flecklein Erde. Wir haben einiges über das Schloss, die Geschichte, die Unglücke und die finanzielle Lage (des Grundstücks und der aktuellen sowie der früheren Besitzer) erfahren und sind ganz froh, dass wir nur zweimal 30x30 Zentimeter davon besitzen, eine Goldgrube schein es seit Jahrhunderten schon nicht mehr zu sein. Aber wir haben ein lebenslanges Zutrittsrecht (auf Voranmeldung, mit einer geführten Tour – haha), dürfen im Fluss fischen und (was wir nicht wussten) unser Name wird auf einer Wand des künftigen Hotels mit allen anderen Ladys und Lords aufgeführt sein. Könnte sein, dass wir das eines Tages überprüfen werden…
KILCHURN CASTLE & GLENCOE VALLEY
Wir haben unsere Reiseroute aufgrund des Wetters wieder mal über den Haufen geworfen und ziehen weiter, man glaubt es kaum, in den Norden. Das Wetter weiter oben in Schottland wird besser als hier, wo wir aktuell sind, und so fahren wir heute ein grosses Stück nordwärts. Eigentlich war noch ein weiteres Schloss geplant, aber man glaubt es kaum, das hat natürlich genau am Mittwoch geschlossen. Pah! Dann halt direkt zu Meeresfrüchte Restaurant, welches Beni als Überraschung für Joli rausgesucht hat. Heute geschlossen? Nein echt jetzt?
Also klappern wir auf dem Weg nach Norden noch kurz die Schlossruine Kilchurn Castle ab, welche wunderschön am Loch Awe liegt aber (naaa, ratet mal) auch geschlossen ist. Immerhin ist das Gelände frei zugänglich das ist schon mal was. Weiter geht es Richtung Norden. Dabei durchqueren wir bei bestem Wetter das Glencoe Valley. Hier sind wir nun definitiv in den Highlands (wie Beni das definiert) gelandet. Aus den Hügeln werden schon nahezu Berge. Das Tal ist wunderschön, aber wir sind alles andere als alleine hier. Das dürfte ein kleiner Vorgeschmack auf die Hauptsaison sein, aber wir schieben das mal noch auf die Pfingstwoche. Sämtliche Parkbuchten und Aussichtspunkte sind völlig zu parkiert und mehrere Cars werfen Horden von Touristen bei allen Aussichtpunkten raus und sammeln sie nur Minuten später wieder ein. Auch der Stau aus dem Tal heraus in Richtung Loch Leven kostet uns knapp eine Stunde Fahrzeit. Zugegeben, der Stau ist aufgrund von ampelgeführten Baustellen zustande gekommen, aber trotzdem verbringen wir einen der wenigen schönen Tage erneut im Auto anstatt draussen in der Natur. Das Timing lässt noch zu wünschen übrig. Aber somit bleibt genügend Zeit aus dem Auto heraus unseren nächsten Campingplatz zu reservieren, was sich als nicht ganz so einfach herausstellt, da die meisten ausgebucht sind. Erst bei der Anfrage am dritten Camping (schon ausserhalb des Tals – so weit wollten wir eigentlich gar nicht fahren) erhalten wir einen der letzten Plätze zugeteilt, aber nur wenn wir telefonisch bezahlen, heisst die Kreditkartendaten komplett via Telefon durchgeben *schluck*.
LOCH LEVEN
Der Platz am Loch Leven und vor allem die sommerlichen Temperaturen (über 15 Grad) gefallen uns und so bleiben wir gleich zwei Nächte hier. Auch das Loch Leven kann mit dem Velo wunderbar umrundet werden, was wir heute in Angriff nehmen. Die 35 Kilometer sind mit den E-Bikes relativ easy zu absolvieren, trotz dem ständigen Auf und Ab. Die Strecke verläuft zwar durchgehend der Hauptstrasse entlang um den See herum, welche aber mit nur wenig Autoverkehr recht angenehm zu fahren ist. Unterwegs kaufen wir uns am einen Ende des See, im Dorf Kinlochleven, lecker Bierchen im Supermarkt, welche wir auf einer Parkbank an einem kleinen Wasserfall mitten im Dorf geniessen. Gegen 14Uhr gönnen wir uns in einem Restaurant am See, eine Runde lecker Seafood (Jakobsmuscheln & Miesmuscheln) sowie lecker Bierchen. Nicht ganz billig, aber sehr lecker und vor allem frisch aus dem See. Höö?
Also wer sich nicht entscheiden kann, welche Art von Ferien er machen will, ist am Loch Leven goldrichtig. Du bist theoretisch an einem See der von einem Fluss (im Dorf Kinlochleven) gespiesen wird, der aber auch Salzwasser hat (da er mit einem weiteren Loch verbunden ist, welches eigentlich ein Meeresarm ist). Somit hast du die Optik eines Sees, einen Fluss, bist umrundet von Bergen, es riecht aber nach Meer und Algen, du kannst Ebbe und Flut beobachten, hast drumherum nebst den Bergen auch noch Wald und die entsprechende Fauna. Das Nonplusultra also! Kurz vor unserem Camping überqueren wir den Fluss und können dort tatsächlich eine Gruppe Hirsche beim Baden im Fluss (ja, noch ein Fluss mehr) beobachten. WOW! Nach knapp zwei Stunden reiner Fahrzeit sind wir zurück auf unserem Campingplatz und geniessen den Nachmittag bei lecker Sirüpchen auf dem Liegestuhl.
Kurz vor dem Abendessen, fällt Joli eine Gruppe Leute auf, die auf den See rausschauen. Mal nachschauen was es dort zu glupschen gibt. Die Hirschgruppe ist vom Fluss nach vorne gewandert und treibt sich nun auf den Inselchen herum, welche durch die Ebbe gebildet wurden. Als der Hirsch, wieder zu seinen Damen zurück will, läuft er kurzerhand ins Wasser, schwimmt das kurze Stück (vielleicht läuft er auch, man sieht auf jeden Fall nur noch den Kopf), steigt wahnsinnig elegant aus dem Wasser (bei uns sieht das nie so aus), schüttelt kurz die Wassertropfen ab und lässt uns Zuschauer mit staunenden Augen zurück.
Pünktlich nach dem Abendessen schallt wieder das Lied «Leti t go» von Frozen über den Platz und kündet den Eiswagen an, welchen wir auch heute mit dem Kauf eines Softeis mit Nutella beglücken. Aber das schlechte Wetter, dass für Morgen angekündigt ist, ist bereits im Anmarsch, daher rasch alles ins Trockene bringen und dann rein in die Bude.









































































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