· 

NC500

Das man die Route in der Regel gegen den Uhrzeigersinn fährt, damit sich die landschaftlichen Highlights gegen Schluss immer wie mehr steigern können, lesen wir erst beim Schreiben des Berichts, können es aber bestätigen. Wir haben es aufgrund des Wetters und der erneuten Umplanung so gemacht, denn geplant war es ursprünglich andersrum. Auch die 5-7 Tagen machen durchaus Sinn, denn es gibt viel zu entdecken, wenn das Wetter etwas mitmacht. Wir haben trotz den miesen Wetters und nicht ganz so vielen Ausflügen und Wanderungen auch 4.5 Tage in dieser Gegend verbracht.

FORTROSE

In Irland hatten wir einen kurzen Schwatz mit einem älteren, deutschen Paar auf einem Campingplatz. Sie haben uns den Ort Fortrose in Schottland empfohlen, da man hier praktisch garantiert das ganze Jahr über Delfine sehen kann. Nun denn, wir sind ganz in der Nähe und so wollen wir unser Glück auch herausfordern. Wir stehen extra um 7Uhr morgens auf um dann um halb 9Uhr am Leuchtturm bereits einen der letzten Parkplätze zu ergattern. Die Delfine kommen anscheinend mit den reinkommenden Flut, um zu spielen und da die Flut um 11Uhr den Höhepunkt erreicht, macht es Sinn früh hier zu sein.

 

Nach einem 5 Minuten Marsch an die Spitze des Strandes stellen wir uns zu den anderen «Delfinjägern» in Lauerstellung hin. Auf dem Parkplatz hat ein älterer Herr gesagt, er warte bereits seit einer Stunde und habe noch nichts gesehen. Wir sehen bereits beim Hinlaufen den ersten Seehund und nach nicht einmal fünf Minuten erblicken wir tatsächlich die ersten Delfinflossen in unmittelbarer Nähe zu uns. Auch Petrus hat für einmal erbarmen und schenkt uns ein Zeitfenster von fast zwei Stunden ohne Regen. Cheers Pete, sehr flott von dir! Wir beobachten das Meer und die Delfine während knapp zwei Stunden an der bitteren, aber trockenen Kälte und werden fürstlich entlohnt für unsere Geduld. Immer mal wieder einen Schritt zurück nicht vergessen, wenn die Flut schon wieder an den Turnschuhen leckt. In zeitlichen Abständen von wenigen Minuten sehen wir immer wieder, mal nah, mal fern, mehrere Delfine auftauchen. Das Highlight sind die, nur ganz seltenen, Sprünge aus dem Wasser, bei welchen bis zu vier Delfine gleichzeitig in unsere Richtung springen. Keine zehn Meter von uns entfernt machen sie ihre Kapriolen bevor sie wieder weiter rausschwimmen. Einige der Delfine sind ziemliche Fetzen. Grosse Tierchen, diese Tümmler. Auch die Rückenflossen, die häufig nur sichtbar sind, sind von weit weg klar zu sehen. Joli hat einige dieser einmaligen Sprünge auch noch perfekt mit der Kamera festhalten können, ziemlich cool. Dafür hat sie heute sogar die grosse, schwere Kamera mitgenommen, die Arme brennen bereits nach wenigen Minuten wie Feuer, aber die wenigen einzigartigen Bilder sind den Muskelkater am nächsten Tag wert (392 Bilder in 2 Stunden und davon 5 richtig gut und ca. 20 brauchbare und auf weiteren 100 kann man immerhin Flossen erkennen haha). Wir und mittlerweile einen ganzer Haufen weiterer Menschen, teilweise ebenfalls mit riesigen Kameras bewaffnet, haben unseren Spass daran und die Delfine offenbar auch. Auch der Seehund schwimmt immer mal wieder vorbei und will etwas Aufmerksamkeit.

 

Gegen 11Uhr, ziehen sich die Tiere langsam zurück und Petrus hat auch genug vom trockenen Wetter und lässt es wieder regnen. Zeit für uns weiterzuziehen. Vielen Dank für dieses wunderbare Erlebnis!

BALINTOR INN

Das «Schönwetter»-Zeitfenster ist um, daher fahren wir zügig weiter. Zuerst wollen wir noch die Fähre nehmen, damit wir nicht die ganze Black Isle umfahren müssen. Aber als wir ankommen, ist die Nussschale erst auf dem Weg auf die andere Seite. Wir stehen zwar ganz vorne sind aber überhaupt nicht sicher, ob wir auf dieses Boot überhaupt drauf passen. Zwar steht «Campervan» aber im Internet lesen wir, dass entweder zwei Autos oder ein Campervan auf die Fähre passen… Öh, dann fahren wir doch lieber rundherum, als auf eine Nussschale kaum grösser als Betty zu vertrauen. Die Landschaft hier erinnert uns stark an den Thunersee, könnte also auch bei uns zu Hause sein.

 

Danach steht der Nachmittag im Zeichen der Eishockey WM. Beni hat uns für den Halbfinal ein Pub direkt am Meer, bei welchem man gratis übernachten kann, ausgesucht. Natürlich war auch die Bedingung für eine schnelles Wifi sowie gutes Bier und Essen ein wesentlicher Faktor. Bei lecker Bierchen und sehr, sehr leckerem Essen verbringen wir den Nachmittag am Laptop in der Bar. Beni bejubelt den Halbfinal Sieg der Schweiz, während Joli fleissig Fotos und Texte bearbeitet. 

DUNROBIN CASTLE

Ein weiteres Märchenschloss auf unserer Reise. Hier können wir zum ersten Mal mit dem Historic House Pass einen gratis Zeitslot buchen, sonst hiess es immer, dass man mit dem Pass jederzeit reinkommt und nicht vorbuchen muss. Leider ist erst das 11Uhr Zeitfenster wieder verfügbar. Trotzdem sind wir bereits im 10Uhr dort und stellen uns in die Reihe. Vielleicht klappt es ja auch einfach mit den Pässen ohne Zeitslot. Links stehen alle an, rechts heisst es für prebooked Tickets. Also gehen wir rechts durch um kommen ohne wenn und aber rein. Zack wir sind wieder mal die ersten. Das Billardzimmer, die riesigen Vasen und einmal mehr die verzierten Decken sind einfach der Hammer. In einen Zimmer spielt sogar eine junge Dame am Piano und sorgt für stimmungsvolle Musik. Auf unsere Frage ob die Löwenteppiche echt sind, meint die Dame; «Ja leider, die Herrschaften waren Reisende und Jäger und haben etliche Trophäen gesammelt.» Das mit den Reisen haben wir schon bemerkt, da überall Bilder aus aller Welt hängen und auch etliche fremdländische Figuren rumstehen. Wieso sie das mit den Tieren so wahnsinnig traurig und entschuldigend gesagt hat, verstehen wir nicht ganz, sieht man doch in jedem solchen Haus, das ein oder andere ausgestopfte Tier, hier nicht mehr als anderswo. Wir werden es noch erfahren… Den nächsten Raum betritt Joli mit einem «Wow!» und der zuständige Herr dort meint nur «Das ist die korrekte Aussage beim Betreten dieses Raums.» Woraufhin Joli meint, ihr gefalle halt die Farbe Grün, was der Herr mit einem «guter Geschmack.» quittiert. Sehr freundliche Schmeichler diese Schotten.

 

Da es gerade nicht regnet, laufen wir noch durch die Gärten und treffen dort auf die Falknerei, was wir definitiv als Tierquälerei sehen, die arme Greifvögel angekettet an Holzpflöcken. Aber die Traurigkeit der Dame vorhin im Haus erklärt sich uns dann erst im «Museum». Beni macht grosse traurige Augen und meint nur: «Tot! Alle tot!». Die Herrschaften waren wirklich leidenschaftliche Jäger, so viele ausgestopfte Tiere haben wir wahrlich noch nie auf einer so kleinen Fläche gesehen. Selbst Büffel, Giraffen und Elefanten hängen an den Wänden. Krank und traurig! Auch sonst haben die beide wohl alles Mögliche und Unmögliche gesammelt. Über uralte Monolithen, zu menschlichen Schädeln und einem Stuhl aus Walfischwirbeln findet sich in diesem Museum Allerlei aus aller Welt. Ob das wirklich alles in eine private Sammlung gehören sollte und es teilweise nicht Dinge von nationaler oder internationaler historischer Bedeutung sind können wir nicht beurteilen, aber irgendwie gefällt es uns nicht. Sehr dekadent!

 

Auf dem Weg hinaus sehen wir einmal mehr einige Touristen, die ihre Ferien so richtig ausleben. In Tartan und Kilt verkleidet besichtigen sie das Schloss und die Gärten und werden gleich selbst zur Touristenattraktion. Der Parkplatz, welcher bei unserer Ankunft noch leer war, ist nun Proppen voll und es hat wahnsinnig viele Camper. Die Saison ist wohl definitiv eröffnet. Haben die sich alle her gebeamt oder wo die so plötzlich alle her? Mindestens halb Deutschland und jeweils ein Drittel der Schweiz und Frankreich, sowie unzählige Holländer sind einfach plötzlich hier. Zack!

 

Da wir Hunger haben machen wir Halt in Bora Bora um zu Frühstücken. Eigentlich heisst es East und West Brora aber auf Maps sieht es von weitem aus, als würde Bora Bora stehen muhaaa – wir brauchen wohl wirklich Sonne und Wärme, wir haben schon Halluzinationen. 

WICK

Danach düsen wir weiter der NC500 entlang, in Richtung der Kleinstadt Wick, hier haben wir einen Campingplatz reserviert. Zuvor machen wir etwas ausserhalb der Stadt einen kurzen Halt beim Old Castle of Wick. Der kleine Steinhaufen ist über eine schmale Strasse mit gerade 3 Parkplätzen erreichbar. Wir haben Glück und erwischen den letzten. Einen kurzen Spaziergang später sehen wir den alten Steinhaufen und ein paar hübsche kleine Klippen dazu. Zwischen den einzelnen kleinen Schauern, schaut sogar zwischendurch die Sonne etwas raus.

 

Etwas später parkieren wir unsere auf dem Campingplatz und spazieren noch dem Fluss entlang in die Kleinstadt. Wir haben noch Lust auf ein lecker Bierchen. Wick ist leider in etwa so abgefuckt, wie sich Beni einmal Belfast vorgestellt hatte, bevor er eines Besseren belehrt wurde. Hier wütete wahrscheinlich einmal John Wick durch die Strassen, denn es scheint niemand mehr wirklich da zu sein. Ausser einer Handvoll kleiner Takeaway Läden sind in den beiden Hauptstrassen der Innenstadt sämtliche Schaufenster und Läden verlassen und leer. Einerseits gespenstisch ruhig (sicher auch weil Sonntag ist) und andererseits abgefuckt und hässlich sind die Fassaden der Häuser und die Strassen. Wir finden neben einer Handvoll Restaurants auch ein Pub, in welchem wir tatsächlich ein lecker Bierchen bekommen. Das Glas zum Cider aus der Flasche steht vor Dreck. Wir bitten um ein neues, aber auch dieses ist leider unbrauchbar und so saufen wir das Cider halt direkt ab Pulle.

 

Die Städte (Edinburgh ausgenommen) und Dörfer haben einfach nicht den gleichen Charme wir noch in Irland. Aber hey, der Campingplatz in Wick ist klasse, den können wir wärmstens empfehlen, auch für das Abendessen ist gesorgt, es wimmelt von Hasen auf dem Campingplatz *grins*. Beni's Abend ist verplant, es folgt ein dreistündiges Eishockey Final mit Spannung von Feinsten. Wow, was war das für eine geile WM. Leider aber nun zum 5 Mal ohne Happy End.

DUNCANSBY HEAD & STACKS

Ein Morgenspaziergang an den Klippen von Duncansby soll es sein, denn das Wetter soll etwas bis Mittag «gut» sein. Es ist knapp 10Uhr und der Parkplatz ist schon voll. Krass. Bei sogar traumhaften Wetter präsentiert sich uns eine wunderschöne Aussicht auf die ersten schottischen Klippen, welche wir sehen. Die Stacks sind Felsen, welche vor den Klippen aus dem Meer ragen. Wir spazieren ein Stunde lang den Klippen entlang und geniessen das Gebotene. Nur die drei Touristen, welche dem Bauern noch über den Zaun klettern und diesen beschädigen, um auch die letzten 10 Meter bis an die Klippen zu kommen, regen uns auf. Dabei hört der Zaun keine 100 Meter weiter vorne sowieso auf und man kann sich sogar runterstützen, wenn man noch näher ran will… Die Wolken kommen und Joli will unbedingt noch ein Foto mit Sonne von etwas weiter vorne und legt dafür sogar einen Sprint hin. Knack, das Fussgelenk einmal schön überdehnt, aber das müsste sowieso schon lange mal wieder gedehnt werden, passt. Während immer mehr Wolken aufziehen, laufen wir zurück und pünktlich zu den ersten Regentropfen steigen wir in unsere liebe Betty Blue ein.

DUNNET HEAD

Auf dem weiteren, eher unspektakulären Weg nach Durness kommen wir noch am Dunnet Head vorbei. Ein Aussichtspunkt auf der Anhöhe einer Klippe. Von hier aus hat man eine ziemliche gute Weitsicht, die Klippen sind aber nicht ausserordentlich speziell, wir sind halt schon extrem verwöhnt von Irland und der Morgenspaziergang war auch um einiges schöner als dieser Punkt hier.

 

Ab Thurso wird die NC500 dann aus dem nichts ziemlich spektakulär und schön. Man fährt immer weiter ins Nirgendwo und die Strasse wird entsprechend enger und ist vielfach nur noch als Singletrack Road mit Passing Places befahrbar. Wir fahren mitten durch wunderschöne Landschaften mit Seen, Bergen und faszinierenden Küstenstrassen. Sogar an einem Ort namens Betty Hill kommen wir vorbei, was unsere Betty ganz besonders freut *huuuup* *huuuup*. Auch Joli erfreut sich kurz vor dem Ort am gleichnamigen Aussichtspunkt noch an einer kleinen Mini-Sprint-Wanderung um die Landschaft noch etwas besser erkunden zu können. Auf dem Weg zum heutigen Ziel müssen wir einen Meeresarm umfahren und diese Strecke entlang des Loch Eriboll ist einfach atemberaubend. So haben wir uns die Highlands die ganze Zeit über vorgestellt. Einzig, dass hier Coaches durchfahren auf diesen Singletrack Roads finden wir doch eher nicht so kuhl. Bei viel Verkehr dürfte das zu spannenden Situationen führen in der Hochsaison.

SMOO CAVE

Letzter Stopp für heute. Ein kurzer 30 Minuten Halt an der Smoo Cave, einer alten Schmugglerhöhle, zu welcher man in etwa 10 Minuten hinab und wieder raufsteigen kann. Aus der Höhle mit einem riesigem Eingang führt ein Fluss durch eine Schlucht ins Meer. Über eine kleine Holzbrücke kommen wir auf die andere Seite und können etwa 20 Meter tief in die Höhle reingehen. Über einen Holzsteg kommen wir noch in eine zweite Höhle, von wo aus man auf einen kleinen Wasserfall sieht. Ah, den haben wir doch schon von oben beim Überqueren der Strasse gesehen. Die dritte Höhle können wir leider nicht besuchen, da heute keine Boottouren stattfinden. Ein kurzer netter Stopp, um sich auch mal die Beine zu vertreten.

 

Wir entscheiden uns, unser Glück nicht beim Campingplatz zu versuchen, denn die reservierbaren Plätze sind bereits seit gestern weg und der Rest ist nach dem Motto «first come, first served» und da es bereits nach 5Uhr ist, gehen wir lieber auf den Parkplatz, welchen wir vor ein paar hundert Metern entdeckt haben. Dort kann man direkt am Meer stehen, hat eine super Aussicht und bezahlt nur 10Pfund. Tiptop!

 

Es ist extrem lange hell hier oben (23:18 entsteht das letzte «Sonnenuntergang» Foto) und Joli meint kurz nach halb 12 etwas grosses in der Bucht im Wasser zu entdecken. Mit der Kamera versucht sie es festzuhalten und beobachtet es ziemlich lange. Die gezoomten Fotos zeigen eine Walfinne. Wow. Cool.

 

Am nächsten Morgen verdeckt zuerst dichter Nebel die Sicht, aber als dieser sich lockert wagen wir es sogar draussen am Holztisch unser Frühstück einzunehmen. Jetzt stellt sich auch heraus, dass Joli’s Wal immer noch hier ist, da es sich um einen Felsen unter Wasser handelt, wo sich die Wellen etwas höher türmen. Haha. Naja, es war trotzdem ein kurzer freudiger Moment gestern Nacht.

 

Den westlichsten Punkt von Schottland lassen wir aus, man müsste dafür zuerst eine kleine Personenfähre nehmen, danach einen Shuttlebus und dann hätte man vor Ort eine Stunde Zeit, was zu viel ist für den Leuchtturm und zu wenig für die Klippenwanderung. Und das das Wetter einmal mehr lövly ist, können wir auch einfach weiterfahren.

EINE BOOTSTOUR

... die ist lustig, eine Bootsfahrt, die ist schön *sing*. Am Loch Gleann Dubh in der Ortschaft Kylesku machen wir Halt für eine Bootstour. Bei leichtem Nieselpiesel-Dauerregen tuckern wir mit dem kleinen Boot auf den Meeresarm hinaus. Beni wäre noch fast von Bord geworfen worden, als er dem Capitain beim Einkassieren erklärte, dass er kein Geld habe (Joli hat es im Rucksack) – «Then off the boat!» - Ja wie? Bei voller Fahrt? Raue Sitten bei den Schotten. Die Fahrt führt zu einem Wasserfall, dem Eas a' Chual Aluinn (mit 200 Metern Fallhöhe der höchste in Grossbritannien), welchen wir letztendlich nur aus mehreren hundert Metern Entfernung sehen und auch nur den untersten Teil davon, denn der Rest liegt im Nebel. Auf dem Weg dahin umkreisen wir jedoch einen Moment lang zwei Delfine (sehr kleine Tierchen im Vergleich mit den Tümmlern in Fortrose, weshalb sie es nur auf ein Video und nicht auf Fotos geschafft haben) und beobachten ein paar Robben und etliche Vögel auf den kleinen Inseln im Meer. Sogar ein seltener Wandervogel winkt uns zu. Die kleine Bootstour macht trotz des Miesepeters Petrus Spass.

WASSERFALL (Allt Chranaidh)

«Es pisst wie Sau, TEXT JOLI» - bedeutet so viel wie Beni wartet im Auto. Es giesst wirklich gerade in Strömen, als Joli den Parkplatz mit der Aufschrift Allt Chranaidh Waterfall sieht. Ah schau, da kann man den Wasserfall sicher von oben sehen (das es nicht der gleiche Name ist fällt erst später auf… Sehr viel später haha). 6 Minuten zu Fuss vom Parkplatz, so stehts auf Google Maps. «Bin gleich zurück». Naja, nicht ganz. Der Weg ist felsig, schlammig und rutschig. Aber Joli kommt trotzdem ziemlich rasch voran, während andere Touristen laufen, als würden sie Barfuss über Scherben gehen. Wie wärs mit anständigen Schuhen Leute?

 

Das Tal, welches zum Wasserfall führt, ist wunderschön und es nieselt auch nur noch ein wenig. Die ganzen andere Touristen machen sich gerade auf den Rückweg und Joli kann den Wasserfall ganz für sich allein geniessen. Wunderbar. Zurück bei Beni meint sie er habe wirklich etwas verpasst und es habe ja sogar aufgehört zu Regen, worauf Ben nur meint «ich weiss ja nicht, wo du warst, aber hier hat es die ganze Zeit geregnet…!». Und aus zweimal 6 Minuten wurden, dann doch schnell mal 40 Minuten upsi!

STEINHAUFEN (ARDVRECK CASTLE)

«Es pisst immer noch, TEXT JOLI» - im Gegensatz zu Beni ist Joli heute voll motiviert, und im mittlerweile wieder strömenden Regen, unterwegs. Das Schloss Ardvreck Castle am Loch Assynt sieht man schon weitem, weshalb Joli kurz darüber nachdenkt, dass die paar Fotos aus dem Auto eigentlich ausreichen. Als wir zum Wenden aber auf dem Parkplatz vor der Schlossruine stehen, heisst es dann doch «ach wenn wir schon mal da sind…». Der See und auch die Lage der Ruine sind wunderschön und das sogar bei diesem grauen und verregneten Wetter. Sogar einen kleinen hellen Kiesstrand gibt es hier. Wow! Als der Regen dann doch an Intensität zunimmt, wird der Rückweg angetreten. Die Kamera und das Objektiv sind nur spritzwasser- nicht aber sinntflutdicht und die Kleider schon seit der Bootstour völlig durchnässt.

 

Die heutige Suche nach einem Schlafplatz gestaltet sich als sehr schwierig. Wir sind mittlerweile so weit abgelegen das es hier weit und breit keine Campingplätze oder Stellplätze mehr gibt. Auf der kilometerlangen, Einspurstrecke gibt es ab und zu kleine Plätzchen, welche für eine Nacht in Frage kommen könnten, uns passt aber irgendwie nichts wirklich, obwohl die Lage hier am See wunderbar wäre. Aber die besten Plätze sind natürlich wie immer schon besetzt und mit was halbpatzigem wollen wir uns nicht zufrieden geben.

 

Wir fahren weiter zum nächsten Ort (Lochinver), wo es einen Stellplatz gibt, welcher uns aber auch so gar nicht passt. Hmmm… Dann fahren wir halt noch die landschaftlich schöne Strecke (als Alternative zur NC500), welche der Reiseführer empfiehlt und welche sich noch knapp für uns aber sonst nicht unbedingt für grössere Fahrzeuge eignet. Sogar der Nebel lichtet sich noch nachdem er uns die schöne Strecke zuerst vorenthalten wollte. Aber auch hier finden sich noch viel weniger Plätze zum Übernachten. Somit fahren wir heute noch viele Meilen weiter als ursprünglich geplant, damit wir doch noch einen Campingplatz erreichen, bei welchem wir wieder einen der letzten Plätze ergattern konnten. Der Platz liegt wunderbar am Meer und wir haben ein Plätzchen direkt davor erhalten, nur leider sieht man aufgrund des Nebels, welcher mittlerweile wieder in dichten Schwaden über dem Boden hängt, nicht wirklich viel und draussen sitzen macht bei Regen auch keinen Spass.

KNOCKAN CRAG

Nach einer erholsamen Nacht begrüsst uns auch der heutige Tag mit leichtem Nieselpiesel, Gruss zurück – du kannst uns gar nichts. Bevor wir losdüsen nutzen wir den Camping noch für das komplette Ver- und Entsorgungsprogramm, damit wir wieder 3-4 Tage autark sind. Nach ein paar Minuten Fahrt zurück in die Richtung aus welche wir gestern gekommen sind, biegen wir noch frühmorgens auf den Parkplatz des Knockan Crag Parks ein. Als erstes sehen wir das Schild, das anzeigt, dass wir hier hätten übernachten können und schön wäre es auch noch gewesen hier. Spannend, dass es uns nicht in den Sinn gekommen ist das zu prüfen – Dumpfbacken was wir sind.

 

Bei leichten Nieselpiesel starteten wir unsere kleine Wanderung zum Aussichtspunkt. Wir geben Gas, denn genau, als wir loslaufen, steigen ganz viele Leute aus einem kleinen Tourenbus aus. Es gibt drei Routen. Wir wollen nur ganz kurz den 1.6 Kilometer Rundweg machen und dann weiterfahren. Wir gehen davon aus, dass dies der kurze blaue sein muss. Es geht stetig und relativ steil bergauf, wobei wir nach nur 10 Minuten bereits an der Gabelung für den kurzen Rundweg ankommen. Ne, dann machen wir halt den Mittleren. Aber auch diese Gabelung erreichen wir bereits 5 Minuten später. Hö? Also dann bis zum Aussichtspunkt und wieder runter. Das Wetter scheint zu halten und zwischendurch scheint sogar die Sonne ein bisschen. Nach 20 Minuten sind wir schon oben angekommen. Wir sind etwas verwirrt das wir so schnell oben sind und entscheiden uns spontan den angeblich langen Rundweg zu laufen, anstatt den gleichen Weg zurückzunehmen, wir haben zwar nur für eine Stunde den Parkplatz bezahlt, aber so lange kann er wohl nicht mehr sein, sieht aus, als hätten wir schon mindestens einen Drittel. Auf der Wanderkarte sieht der gelbe Rundweg nämlich gewaltig lang aus, leider ohne Angaben zu Dauer und Länge. Schlussendlich sind wir nach 45 Minuten bereits wieder zurück auf dem Parkplatz, das ging schnell. Davon haben wir immer wieder einige Minuten die herrliche Aussicht genossen. Also ein easy peasy Morgenspaziergang (laut nachträglichen Recherchen 2.1 Kilometerchen) und dazu eine fantastische Aussicht.

 

Wir bleiben noch etwas auf der NC500, vorher müssen wir aber in Ullapool kurz einkaufen, irgendwie sind die Läden im Norden dünn gesät. Aber dann gehts sofort weiter. Auf in neue Abenteuer. Die Region Wester Ross wartet auf uns.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0