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Wester Ross

Corrieshalloch Gorge National Nature Reserve

Nach der erquickenden, kurzen Wanderung am Knockan Crag und dem ziemlich notwendigen Einkauf in Ullapool geht es weiter. Unser nächster Halt ist eine Schlucht mit Wasserfällen. Die Falls of Measach liegen in der Corrieshalloch Schlucht. Da es im Westen ja nichts Neues zu berichten gibt kommt daher die übliche Tagesmeldung: «Es schüttet wie aus Kübeln» (wo nehmen die hier bloss das viele Wasser her?!) und Beni wie auch Joli trotzen dem Wetter auf ihre jeweils eigene Art. Beni bleibt einfach im trockenen Auto sitzen und Joli steigt bei strömenden Regen aus, um die 25 Minuten zum Wasserfall zu spazieren.

 

Schon beim Start des Weges begegnet Joli den hier weit verbreiteten begossenen Puddeln. Eine Rasse ähnlich dem Menschen, nur «seichnass» und etwas dumm aus der Wäsche schauend, da aufgrund des Regens wohl fast ertrunken beim Atmen. Nach Joli’s «You look like you’ve been already down at the falls» meinen die älteren begossenen Puddel nur; «Yes and it’s nice but it rained». Ach nein? Sieht man euch gar nicht an. Na, dann auf in das Vergnügen. Joli’s Mut wird von Petrus belohnt. Es regnet jetzt nur noch und giesst, für den Moment, nicht mehr ganz so heftig. Beni traut Petrus nicht und bleibt trotzdem im Auto.

 

Der Weg führt durch einen wunderschönen, saftig grünen Wald, vorbei am Fluss und vier Wasserfällen. Es ist wunderschön und lohnt sich auf jeden Fall. Beim vierten Wasserfall denkt Joli schon darüber nach umzudrehen, um Beni nicht zu lange warten zu lassen, aber noch ein paar Schrittchen gehen sicher. Gute Entscheidung. Das Schild sagt, dass in 5 Minuten eine Hängebrücke und nach weiteren 7 eine Aussichtsplattform kommt. Auf der Hängebrücke angekommen, einmal tief Luft holen. Holy Guacamoly, ist das hoch. Damit hat niemand gerechnet. Huch! Aber sensationell ist die Aussicht auf den Wasserfall und die Schlucht und dort hinten sieht man schon die Aussichtsplattform.

 

Nach ein paar weiteren Kurven kann man den Wasserfall mit der Brücke im Vordergrund auch noch von hier betrachten. WOW! Der Smalltalk mit dem älteren Herrn, der auch gerade kommt, führt (wie könnte es auch anders sein) zum Wetter. Ja normal schottisch halt, meint er. Worauf Joli nur trocken meint; naja so haben die Wasserfälle zumindest immer genügend Wasser, was der Herr mit einem Lachen und so habe er das jetzt noch nie betrachtet quittiert. Ja es gibt immer unterschiedliche Sichtweisen und trockene Wasserfälle sind ja dann wohl sehr langweilig.

 

Die Hängebrücke ist für maximal 6 Personen ausgelegt. Es ist sogar mit einem Bild illustriert 7 Personen und eine davon ist durchgestrichen. Also auch für alle die nicht lesen können eigentlich sonnenklar. Joli geniesst nochmals die Aussicht, es gesellen sich vier weitere Personen dazu und dann kommt die Touristen-Familie. Vier Personen. Latschen einfach auch noch drauf = 9! Als wenn das nicht schon zu viel wäre. Nein, der Teenie-Sohnemann stellt sich hin, guckt auf die Schlucht und die Plattform weiter vorne und meint; «Guck mal, da ist die Plattform, aber so is denn der Wasserfall?», meint die Mama zum Sohnemann; «Ach der kommt wohl weiter hinten!». Joli schaut die Familie zum zweiten Mal entsetzt an. Echt jetzt? Ihr Hohlbratzen! Dreht euch um, der Wasserfall ist direkt hinter euch. Man kann ihn unmöglich übersehen und schon gar nicht überhören. Das ist zu viel für Joli, sie verlässt fluchtartig die Hängebrücke. «Jesses miin Troscht!», auch die Rasse der Dumpfbacken ist hier extrem häufig anzutreffen, die haben jetzt Saison und treiben sich alle draussen rum.

 

Beni lässt sich immerhin zu einem Kaffee und einem kleinen Snack auf der Terrasse des Cafés aus dem Auto locken. Irgendwann fällt Joli, dann noch auf, dass sie gar nicht bezahlt hat. Das Schwätzchen mit dem Mitarbeiter war wohl zu ausgiebig, so dass beide vergessen haben einzukassieren. Aber es waren auch wichtige Themen; er kennt die Schweiz und geht jedes Jahr am Matterhorn Skifahren aber erst im März wenn es angenehm genug ist, um draussen Bier zu trinken (da merkt man das die Schotten ab 15 Grad Sommer haben) und er gratuliert sogar zum Fast-Eishockey-Weltmeister-Titel - das Wichtigste sei immerhin, dass man die USA geschlagen habe. Aber zum Wetter meint auch er nur; ja im Juni, Juli und August regnet es eigentlich immer in Schottland, der Mai ist aber immer sehr gut – ausser in diesem Jahr! Haha, das haben wir auch schon gehört danke. Als Joli dann die Rechnung dann noch begleicht, bedankt er sich zwar mehrmals für die Ehrlichkeit aber der Lachanfall seines Kollegen ab seinem Patzer, ist ihm dann doch eher peinlich, wie man dem knallroten Gesicht ablesen kann.

INVEREWE GARDEN

Und wir düsen, düsen, düsen, düsen im Sauseschritt, nehmen die Liebe mit…. *sing*. Wir fahren noch etwas durch die Gegend, da es immer noch regnet. Kurz vor Poolewe entscheidet sich Joli, die Gärten sausen zu lassen, aber Beni interveniert und kommt dann sogar mit. Es ist mittlerweile Anfang Juni und vielleicht blüht ja trotz des Dauerregens auch schon etwas in dieser grossen Gartenanlage. Beni ist heute im Vergleich zu gestern überaus motiviert (also kein Witz jetzt) und kommt nicht nur mit, sondern übernimmt auch noch den Gartenführer für Joli. Doch bereits nach 5 Minuten ist klar, dass wird kein Spaziergang, die Midges Bitches sind überall. Sie schwirren in kleinen, grinsenden Gruppen um alle freiliegenden Körperteile (zugegeben viele sind das auch heute nicht). Die Bitches tummeln sich um den Kopf, Ohren, Augenbrauen, Hände und Unterschenkel einfach überall. Joli’s Gesicht ist nach zwei, drei Blumenfotos schon total verstochen. Beni meint; immer in Bewegung bleiben dann können die Bitches nicht landen. Also gibt es jetzt eine TGG (Turbo Garten Glupschen) Tour durch den Garten.

 

Und so krallt sich Beni die Karte mit den verschiedenen Wegen und führt, natürlich in optimaler Abfolge, über möglichst viele Wege, durch den Garten, ohne den gleichem Weg zweimal zu gehen (das mag Beni auch gar nicht). Jeder Orientierungsläufer wäre begeistert, wie Beni mit Blick auf die Karte durch den Garten marschiert. Normale Besucher verbringen hier 2-3 Stunden wurden wir am Eingang informiert. Bei leichtem Nieselpiesel und in nur einer Stunde, marschieren (nicht spazieren) wir über Stock und Stein, vorbei und durch die verschiedensten Blumen und Pflanzen zum Strand, dann via Teufels Ellenbogen (auf eine Klippe) zum Aussichtspunkt und wieder zurück. Der Garten ist sehr schön, es riecht halt einfach etwas streng nach Garten und Natur, meint Beni aber ansonsten wirklich hübsch. Und Beni sollte Recht haben die Bitches hatten nur in kleiner Anzahl Erfolg, wir sind glimpflich davon gekommen.

GAIRLOCH

In Gairloch haben wir heute etwas mehr Glück als gestern in der Nähe von Ullapool. Während wir gestern extra Seafront für 8 Pfund Aufpreis gebucht haben und mit Nebel belohnt wurden, bekommen wir heute den letzten Seafrontplatz und das erst noch, ohne den Aufpreis bezahlen zu müssen. Und das Beste? Man kann sogar was sehen. Zwischendurch blinzelt tatsächlich die Sonne durch. Es reicht zwar nicht zum draussen sitzen, aber etwas trinken und die Sonnenstrahlen und gleichzeitigen Regentropfen geniessen kann man auch im Stehen machen, während Beni drinnen eine Lasagne zaubert.

VICTORIA FALLS

Neuer Tag, neues Wetterglück. Da wir die Victoria Falls gestern nicht noch reinquetschen wollten und auch nicht das Risiko eigehen wollten in der Pampa erneut auf eine ewiglange Übernachtungssuche zu gehen, machen wir diese heute als allererstes bevor auch hier die Touri-Hölle losbricht. Der Parkplatz ist überschaubar klein und die «Wanderung» noch überschaubarer. Auch hier haben wir die Midges Bitches überall um uns herum und es wird daher wieder ein zügiger Marsch zu einem Rinnsal, welches über ein paar Steine fliesst, welche an einem Hang liegen. In 15 Minuten machen wir den Mini-Rundweg um den Victoria Wasserfall, welcher wirklich wenig spektakulär ist. In Beni’s Worten; «Wahnsinn war’s.».

LOCH MAREE

Dann können wir wenigstens die Wanderung am Loch Maree respektive im Beinn Eighe Naturreservat noch machen. Dort angekommen fängt es an zu regnen. Resp. es ist ein On-/Off-Spiel. Entweder es regnet oder es hört auf und dann kommen innert Sekunden die Bitches, dann regnet es wieder, dann kommen wieder die Bitches, usw. Joli watschelt im Regen etwas am Seeufer entlang und beobachtet, wie andere Leute die Wanderschuhe schnüren, die Regenhosen anziehen und sich darüber noch mit Insektenspray einsprayen. Es gibt zwei Wanderungen. Eine kurze durch den Wald und eine lange auf den Berg, welcher in tiefem Nebel respektive völlig in den Wolken liegt. Die Qual der Wahl zwischen einer anstrengenden Wanderung ohne Sicht mit viel Regen oder einer einfachen Wanderung ohne Sicht mit vielen Bitches. Zack! Zurück im Auto bei Beni wird das Navi auf das nächste Ziel eingestellt.  

GLEN TORRIDON & Bealach na Ba Pass

Dann fahren wir halt heute wieder etwas herum. So bleiben wir wenigstens trocken und es lässt sich einfacher mit Regentropfen auf der Windschutzscheibe fotografieren als mit Regentropfen auf der Kameralinse. Und allzu viele Antiallergikum sollte Beni nicht schon für die Bitches aufbrauchen; könnte ja sein, dass der Sommer und somit leider meistens auch der Heuschnupfen, doch noch kommt.

 

Wir fahren durch das Torridon Tal, vorbei an Shieldaig bis nach Tornapress und geniessen die schöne Landschaft auf der einspurigen Strasse. Als wir zwei riesige Lastwagen überholen lassen, staunen wir nicht schlecht, wie diese über die schmale Strasse brettern. Aber ja, die haben auch nichts zu verlieren, die gewinnen jeden Zweikampf gegen entgegenkommende Autos sowieso. Wir treffen auch erneut auf eine Gruppe Touristen, die sich alleine auf der Welt glaubt und einen grossen Parkplatz bei eine Aussichtspunkt einfach für sich alleine beansprucht (siehe Foto), wir müssen auf jeden Fall von der anderen Seite reinfahren und uns irgendwo noch in eine Ecke quetschen. Die Wolken hängen tief, aber es lockert etwas auf und wir wagen die Fahrt auf den Bealach na Ba Pass über die schmale kurvige Strasse trotzdem. Wir beschliessen nur auf den Pass zu fahren und dann wieder zurück. So machen wir einen Umweg von knapp einer Stunde. Würden wir auf den anderen Seite bis nach Applecross fahren und zurück, wäre es ein gar langer Umweg. Die Fahrt beginnt schön und abenteuerlich und endet in einer mega dicken Nebelsuppe. Oben auf dem Pass ist der Nebel so dicht, dass wir fast am Parkplatz auf dem obersten Punkt vorbei düsen. Ausser Spesen nix gewesen. Wobei etwas Aussicht haben wir immer bei rauf und runterfahren, wenn schon nicht ganz oben. 

PLOCKTON

Kurz einen Kaffee zur Stärkung, als wir wieder unten sind, und weiter geht es nach Plockton. Es Dorf mit mittelmeerflair, weissen Häusern und Palmen, das hoffentlich ein bisschen Sommergefühle wecken kann. Die Fahrt dorthin ist schon einmal sehr schön, wenn auch wieder sehr eng. Dort angekommen finden wir sogar einen Parkplatz und einen weiteren Platzregen. Wieder nichts mit Sommerfeeling. Wahnsinn dieses Timing. Na, dann holen wir uns ein Toastie und essen das gemütlich im Auto, anstatt den Rundweg im das Dorf zu machen. Bei dem Wetter können wir auch gleich noch bis nach Dornie fahren. Entweder schauen wir das Schloss heute noch an oder Morgen bevor wir auf die Insel Skye fahren. 

EILEAN DONAN CASTLE

Wir fahren zuerst auf eine Strasse oberhalb des Schlosses um eine gute Sicht auf Schloss, See und Berge zu geniessen. Es ist trocken und sogar ein paar Sonnenstrahlen wagen sich rauszukommen. Sooo schön. Nutzen wir die Gelegenheit und schauen uns das Schloss doch auch noch an.

 

Schnell, schnell parkieren und noch aufs Klöööchen, bevor sich das gute Wetterfenster wieder schliesst. Doch als wir aus dem Klo rauskommen, giesst es bereits wieder in Strömen. Tja! Was tut man wenn es kalt und immer wieder nass ist? Genau man schaut sich ein Schloss von innen an, clever. Das Schlossgelände machen wir danach. Das Eilean Donan Castle liegt an der Touristenhauptverkehrsachse (geiles, langes Wort) und ist so lala aber entsprechend der Lage trotzdem sehr gut besucht. Leider verfügt es gar nicht über so viel «Innen», dass wir den Regen im Trockenen abwarten können (fotografieren ist in dem bisschen «Innen» auch noch verboten) und daher sind wir innert Kürze klitschnass. Aber wir geniessen den wunderbaren Spaziergang ums Schloss und zurück zum Parkplatz bei, für uns mittlerweile selbstverständlichen Regen sehr. Etwas überraschend, kommt jetzt nach dem Niesel und dem Regen, welchen wir in den letzten Wochen ausgiebig genossen haben, noch die Sintflut, die uns bis auf die Unterhosen komplett durchnässt. Vielen lieben Dank lieber Petrus und nicht vergessen, wir sind nochmals 4 Monate unterwegs, du kannst also weiterhin, volle Kanne alles runterlassen was du an Wasser zu bieten hast. Es heisst zwar Regen macht schön aber bei der Menge werden wir wohl langsam kitschig!

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